GRAFIK. Warum stimmte die Jury des Spielegrafikpreises Graf Ludo dieses Jahr für Eselsbrücke und Voll in Fahrt? Wir verraten es Ihnen und liefern Bilder und Statements.
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Olympiasiegerin Katja Demut überreicht den Graf Ludo 2011 an Michael Menzel. In der Mitte ZDF-Moderatorin Doro Wiebe, die durch den Festakt führte. Fotos: Leipziger Messe |
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| Grafiker Alexander Jung (l.) und Amigo-Vertreter Andreas Finke (r.) freuen sich über den Graf Ludo 2011 für die beste Kinderspielgrafik für Voll in Fahrt. | |
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In festlichem Rahmen verliehen
Es war einmal mehr ein festlicher Rahmen im Congress Center Leipzig (CCL) mit einer Menge Prominenz. Leipzigs Erster Bürgermeister Andreas Müller und Katja Demut, Deutsche Meisterin beim Dreispringen, André Langeund Kevin Kuske, beide Olympiasieger im Bobfahren, überreichten die Preise an die Grafiker Michael Menzel und Alexander Jung. Daniela Kobelt Neuhaus, Vorstandsmitglied der Karl Kübel-Stiftung, betonte in ihrerm Grußwort die Fähigkeit des Spiels, Emotionen zu wecken und damit für ein unvergleichliches gemeinsames Erlebnis der Spieler zu sorgen.
Wichtige Anerkennung
Für ihre und die Arbeit all ihrer Kollegen sei die Auszeichnung "Graf Ludo" eine sehr wichtige Anerkennung, betonten die beiden Preisträger in einer ersten Stellungnahme. "Viele hätten ihn verdient, hätte es den Preis schon früher gegeben", sagte Alexander Jung. Interviews mit den beiden Preisträgern lesen Sie in Kürze auf spielwiese.at.
Die Jury-Begründungen
Als Beste Familienspielgrafik wurde wie berichtet Michael Menzel für Eselsbrücke (Schmidt) ausgezeichnet. Die Begründung der Jury im Wortlaut:
"Wir leben in einer verrückten Zeit; in einer modernen Zeit, in der wir dank der vielen technischen Fortschritte jeden Tag ein bisschen mehr verlernen. Navigationssysteme führen uns zu unseren Zielen, Rechtschreibhilfen begleiten uns täglich, Adressbücher speichern Namen, Adressen und Telefonnummern. Wir werden denk- und merkfaul. In so einer Zeit gewinnt ein Spiel wie „Eselsbrücke“.
Natürlich liegt der Gedanke nahe, dass es sich hier um einen Anachronismus handelt. Um eine Idee, einem Zeitgeisttrend entgegenzuwirken – getragen vom edlen Wunsch, das Vergessen der Menschheit aufzuhalten. Dass das Spiel „Eselsbrücke“ diesen Verdacht, es handele sich um eine Art Anti-Vergessens-Therapie-Spiel – weit von sich weisen kann: Das ist der Verdienst seiner grafischen Gestaltung.
Viele Kärtchen fügen sich zu Geschichten – an die sich die Spieler im Laufe des Spieles erinnern müssen. Soweit so einfach. Und nun kommt die Gestaltung ins Spiel.
Das Spiel wirkt wie ein Spiel und nicht wie ein Gedächtnistraining, weil die vielen Kärtchen die wundervolle Balance zwischen Klarheit und Verspieltheit wahren. Gerade einfach genug gehalten, um den Spieler nicht zu überfordern, aber liebevoll genug, um den Spieler in den Kärtchen beim mehrmaligen Hinschauen immer wieder neue Feinheiten entdecken zu lassen. Seien es die Raffzähne beim Rotkäppchen, der ängstliche Autofahrer, den man hinter der Scheibe kaum erkennt, oder die drei Ballermann-Besucher, die für den Begriff „Mallorca“ stehen. Überhaupt überzeugt der Grafiker nicht nur mit seinem zeichnerischen Geschick, auch der versteckte Witz, das „um die Ecke denken müssen“, tragen zur Magie des Spiels bei. Wer sich drauf einlässt, auf diese Welt der kleinen symbolischen Kärtchen, der wird belohnt.
Beim Spiel entfaltet sich plötzlich einen Zauber, dem selbst hoffnungslos verloren geglaubte Dauer-Handy-, Computer-, und Navi-Nutzer erliegen dürften, nämlich dann, wenn sie merken: Ja, ich kann es noch. Ich kann mir noch Bilder merken und Zusammenhänge herstellen. Dieses Erfolgserlebnis auf die sprichwörtlich spielerische Weise erlangt zu haben, ist der Verdienst des Grafikers."
Die Auszeichnung Beste Kinderspielgrafik gewann in diesem Jahr Alexander Jung für Voll in Fahrt (Amigo). Die Begründung der Jury im Wortlaut:
"Schon das Cover ist eindeutig. Hier geht die Schienenpost ab! Man sieht sofort worum es geht. Ein Wettrennen von Lokomotiven. Knuffige Lokomotiven suchen sich ihren Weg kreuz und quer durch die Landschaft. Dabei müssen sie sich auf unerwartete Gleisbauarbeiten und Rangiermanöver einstellen. Bei „Voll in Fahrt“ versuchen die Spieler, ihre Loks möglichst schnell ins Ziel zu bekommen. Doch plötzlich ist alles anders, wenn ein Mitspieler eine oder auch mehrere Loks aufs Abstellgleis schiebt.
Der Grafiker von „Voll in Fahrt“ hat es geschafft, unterschiedliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Spieler den Überblick verlieren. Klar strukturiert und auch sehr liebevoll hat der Grafiker den Spielplan gestaltet und der Zielgruppe 6+ angepasst. Inmitten einer grünen Wiesenlandschaft befindet sich ein kleiner Rangierbahnhof. Rund um das muntere Rangiertreiben grasen friedlich noch einige Kühe, blühen Blumen und einige ausrangierte alte Loks scheinen sich zur letzten Ruhe schon halb in die Erde eingegraben zu haben. All diese netten kleinen Randerscheinungen des Spielplans lenken jedoch keineswegs vom Wesentlichen ab. Kleine, aber auch größere Lokomotivführer werden von der ersten Minute an mitgerissen.
Neben der gelungenen Grafik des Spiels überzeugen auch die ausgesprochen schönen und originellen 3D-Lokomotiven, 16 an der Zahl, die der Amigo-Verlag diesem Spiel spendiert hat. Zusammen mit der Grafik bzw. den Illustrationen von Alexander Jung bildet das Spielmaterial ein überzeugendes und preiswürdiges Ganzes."
Zum dritten Mal vergeben
Der "Graf Ludo" wurde in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Der Preis würdigt die gelungene grafische Umsetzung einer Spielidee und ehrt damit die Arbeit von Spielegrafikern und Illustratoren. Die Auszeichnung wurde von FamilyGames, dem Spielbereich des Felsenweg-Instituts der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie und der Leipziger Messe modell-hobby-spiel ins Leben gerufen und ist mit 1000 Euro Preisgeld dotiert.
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