![]()
Mit einem enorm gestiegenen Besucherandrang am ersten Tag und einem starken Samstag ist die Leipziger "modell-hobby-spiel" auf Rekordkurs. Die Spielwiese berichtet von der größten Spieleveranstaltung "im Osten".
{smoothgallery} 40.000 Menschen strömten bereits am Freitag auf das Leipziger Messegelände. 15 Prozent mehr als am Vergleichstag im Vorjahr. Deshalb rechnet die Leipziger Messe mit deutlich mehr als 100.000 Besuchern in diesem Jahr.
"Leipzig wird von den Verlagen unterschätzt", bedauert Udo Schmitz, Leiter von FamilyGames. Hier erreiche das Gesellschaftsspiel viele neue Anhänger, ist er überzeugt. Sein Team engagiert sich nach Kräften dafür, das neben dem Stand der Jury Spiel des Jahres als Statthalter auch die Präsentationen mehrerer Verlage in Leipzig besorgt.
Alle Generationen vertreten
Denn viele Kleinigkeiten sind ein bisschen anders auf der Leipziger Spielemesse als bei anderen großen Spieleveranstaltungen. Am auffälligsten: Das Publikum in Halle 2, der "Spielehalle". Hier prägt der Generationenmix das Bild.
Die jungen und mittelalterlichen Spielefreaks wie in Essen oder München gibt es praktisch nicht. Das Interesse der Besucher richtet sich deshalb – um es an einem Beispiel festzumachen – am Stand von Schmidt Dog und nicht Carcassonne
Mayflower. Das reine Familienspiel Dog ist deshalb am ersten Tag beim benachbarten Verkaufsstand Spieleoffensive bereits ausverkauft.
Obwohl: Neuheiten wie Dog oder Carcassonne Mayflower spielen in Leipzig nicht die vorrangige Rolle. Schmidt und Amigo sind die Ausnahme unter den Verlagen, weil sie ihre Herbstneuheiten schon gewohnheitsmäßig sehr früh fertiggestellt haben,und deshalb in Leipzig zum Ausproberen schon hergeben können. Bei Ravensburger, Kosmos und den anderen Verlagen sucht man die neuen Spiele in Leipzig vergebens. Erst in drei Wochen, für die Internationalen Spieltage in Essen, werden sie fertiggestellt sein.
Sympathische Grundeinstellung
Den Besuchern von "modell-hobby-spiel" ist das egal. Sie wollen einfach nur gute Spiele, auch wenn sie ein schon ein halbes Jahr oder älter sind. Das ist sympathisch.
Spielt der Osten gar anders als der Westen? Nein, sagt Heiner Wöhning, Spieleautor und Mann der ersten Stunde des Leipziger Spielefests, aus dem die heutige Großveranstaltung hervorgangen ist: "Damals trauten sich die Leute hier kaum ein einfaches Angelspiel anzugreifen." Damals war unmittelbar nach der Wende, als Friedhelm Merz – verstorbener Gründer der Essener Spielemesse – in den Osten ging und Wöhning dabei verlagsübergreifend zum Spielen animierte. Die westdeutsche Spielevielfalt und -komplexität war unbekannt. "Heute wird hier nicht anders gespielt als im Westen", sagt Wöhning.
Aber einer der Unterschiede ist, dass Leipzig nicht so kommerzialisiert ist wie andere Spieleveranstaltungen. Sicher, man kann – und soll – hier Spiele kaufen können. Aber daneben gibt es großzügige Flächen, auf denen einfach nur gespielt werden kann. Das schätzen die Leipzig-Fans, sagt Wöhning: "Gestern hatten wir Spieler hier, die deswegen 300 Kilometer gefahren sind. Das Einzugsgebiet ist groß."
Einkommensgefälle wirkt sich aus
Gekauft werden schlussendlich eher die günstigeren Spiele. Das Einkommensgefälle West-Ost macht sich auch bei den Preisen für die Verpflegung bemerkbar. Essen und Trinken sind spürbar billiger als im Westen – obwohl sowohl das Angebot als auch die Qualität um Klassen höher sind. Gegen Leipzig sind Essen, Wien, München & Co. ernährungstechnische Zumutungen auf Kosten der zahlenden Besucher.
Ein weiterer gravierender Unterschied: Insgesamt geht es geht trotz voller Gänge weitaus weniger hektisch zu in Leizpzig als anderswo. Man nimmt sich Zeit zum Schauen, Sich-erklären-lassen, Ausprobieren in der Spielehalle 2.
Von hier in die benachbarte Halle 4 reduziert sich der Frauenanteil unter den Besuchern schlagartig gegen Null. Hier sind die benzinbetriebenen Modellautos und -flugzeuge zuhause (wie der Titel schon sagt, ist die Veransttung ein Mix aus Spielen, Basteln und Modellbau). Eine offensichtlich rein männliche Welt. Lärm und Gestank. Wer die Halle betritt, den schlägt die benzingeschwängerte Luft fast zurück. Da erscheint das auch in Sachsen staatlich verordnete Rauchverbot in öffentlichen Räumen urplötzlich sehr fragwürdig.
Apropos Rauchverbot. Keine andere Messe beachtet die Menschenwürde auch von Rauchern wie die Messe Leipzig. Da wird kein ideologischer Machtkampf geführt, sondern emotionslos Fakten dargelegt, wo die Anhänger des blauen Dunstes ihrem Laster frönen können ("Infos für Raucher"). Da dürfen sich andere Veranstalter eine Scheibe abschneiden. Aber das ist ein anderes Thema.

