27. JÄNNER 2014
Warum ich morgen nicht hingehe
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Bevor ab Mittwoch die Händler aus aller Welt einfallen, gibt es am Vortag der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg den Pressetag mit der traditionellen Neuheitenschau. Klingt vielversprechend, aber die erspare ich mir erstmals.
Mein Sohn wird 18, ich hätte also eine gute Ausrede. Aber auch ohne familiäre Geburtstagsfeier hätte ich die Neuheitenschau ausgelassen. Weil sie Spielejournalisten wie mir mittlerweile praktisch nichts mehr bringt. Vorbei sind die Zeiten, als dies die Gelegenheit war, die neuen Spiele der Verlage vorgestellt zu bekommen. Die Fläche der Neuheitenschau hat sich in den vergangenen Jahren zwar vergrößert, die Zahl der dort ausstellenden Spieleverlage ist hingegen zurückgegangen. Was dominiert, sind Minihubschrauber, Kinderfahrzeuge, Luftballons und jede Menge elektronischer Schnickschnack, der nach dem jeweils kommenden Weihnachtsgeschäft oft schnell im Sondermüll landet.
|
«Die Kameradichte bei der Neuheitenschau ist enorm. |
Zweifellos ist die Neuheitenschau ein Medienevent. Ein TV-Koch da, ein Castingshow-Moderator oder wahlweise Drittplatziert dort … Alles ganz nett fürs Fernsehen, das sich bei dieser Gelegenheit einmal mehr auch sich selbst feiert. Die Kameradichte bei der Neuheitenschau ist enorm.
Und da liegt zum Teil auch genau das Problem, das sich Journalisten stellt, die "nur" wegen traditionellen Spielen nach Nürnberg kommen. Die geben nämlich selten etwas fürs Fernsehen her, wenn man nicht gerade ein paar Seehunde Fische fressen lässt, wie Goliath vor ein paar Jahren, oder Kinder in Zauberergewänder steckt, wie es Drei Magier gerne macht. Oder: Ravensburger stellte an Ort und Stelle mit einem Stefan-Raab-Spiel einen programmierten Verkaufsschlager vor – doch der Meister schickt seinen Lehrling Elton vorbei. Auch solcherart wird die Suppe des Messe-Vortagsprogramms von Jahr zu Jahr dünner und verzichtbar.
Zumal jene, die ernsthaft an Spielen interessiert sind, heute sogar von Hans im Glück längst wissen, was die Münchner an neuem Spiel nach Nürnberg bringen werden. Internet sei Dank, und kleinere Spieleverlage können oder wollen sich den nicht unbeträchtlichen Aufwand für die Neuheitenschau ohnehin nicht leisten.
Was wirklich angesagt ist (oder sein wird), erfährt man nur durch das mühevolle Abklappern der Hallen und Stände. Ich überlasse das Fernseh-Schaulaufen daher mit gutem Gewissen anderen.
Was denkst du darüber?

… Abtauchen in eine andere Welt.