9. JULI 2015
Meine deutschen Freunde sind ja nicht blöd
MILLERS
SPIELWIESE
Das Spiel als Kulturgut verankern. Anlauf hundertvierundzwanzig … Und ums Geld geht es auch.
Zuerst dachte ich an einen unbedachten Scherz. Die jüngste Forderung der Spiele-Autoren-Zunft (SAZ), sämtliche in Deutschland veröffentlichten „analogen" (sic!) Spiele in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) aufzunehmen, würde wohl ein Raumproblem verursachen. Ich weiß nicht, wie viele Spiele du zuhause hast – aber die Eigenart von Brett-, weniger von Kartenspielen, ist, dass sie verdammt viel Platz beanspruchen.
Bei an die tausend Neuerscheinungen pro Jahr kann man sich ausmalen, dass an einem der beiden DNB-Standorte in Leipzig und Frankfurt am Main Bauhektik ausbricht.
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«Politiker haben viele Sorgen. Brettspiele zählen nicht zu ihren größten. |
Aber meine deutschen Freunde sind ja nicht blöd. Liest man weiter, stößt man ziemlich weit hinten auf einen Vorschlag, der offenbar in den Gremien der SAZ, der Spieleverlage-Fachgruppe und der Stadt Nürnberg akkordiert wurde. In Nürnberg gibt es bereits das Deutsche Spielearchiv. Es könnte von der Nationalbibliothek mit dem Sammlungsauftrag betraut werden.
Hintergrund der Aufforderung an den Deutschen Bundestag und die deutsche Bundesregierung, die gesetzlichen (und wohl auch finanziellen) Maßnahmen zu treffen, ist folgender. Spiele sind Kulturgut, nur nimmt das die öffentliche Hand nicht so zur Kenntnis, wie sich Autoren, Verleger und andere Spieleschaffende das wünschen. Es gab schon mehrere Anläufe, dem Spiel zum verdienten Stellenwert zu verhelfen. Eigentlich vergeblich.
Politiker haben viele Sorgen. Brettspiele zählen nicht zu ihren größten.
Andererseits sind Politiker oft besser als ihr Ruf. Für eine „praxisgerechte und ressourcenschonende Umsetzung“ (SAZ-Aussendung) sind viele von ihnen zu haben. In die Spieler-Sprache übersetzt: Die Spielvorbereitung ist von den einen Mitspielern abgeschlossen, und zwar fundiert und gut, jetzt können die anderen Mitspieler (die mit der Macht und dem Geld) ihren Siegeswillen beweisen. Denn, wie schon erwähnt, das Spielziel ist schon seit Jahren von allen Seiten akzeptiert.
Ich bin gespannt, ob sich aus der Sache doch noch ein Kooperationsspiel entwickelt, oder ob Verlierer vom Spieltisch gehen werden.
Prinzipiell wünsche ich mir das erste. Freilich hat der jüngste Vorstoß auch ein G'schmäckle, wie der Schwabe sagen würde. Der Sammlungskatalog der Nationalbibliothek ist die entscheidende Grundlage, um Autor und Verlag zu identifizieren, was wiederum entscheidend ist für die Ausschüttung der sogenannten Bibliothekstantieme der VG Wort. Sprich: Es geht um (zusätzliches) Geld für die Autoren. Pro Ausleihe eines urheberrechtlich geschützten Werkes (in der Regel sind das Bücher), zahlen Bibliotheken in Deutschland drei bis vier Cent in den Topf der VG Wort.
Den Ludotheken wird die Forderung von SAZ und Spieleverlage wenig schmecken.
Was denkst du darüber?

… mit Freunden einen gemütlichen Abend zu verbringen.