Nachricht und Bilder sind äußerst interessant: Philips - in elektronischen Dingen ein Trendsetter erster Stunde, unter anderem haben die Holländer die CD erfunden - bringt den digitalen Spieltisch auf den Markt. Schon sein Name Entertaible verdient einen Preis ...
Ist das die Zukunft? Ein 32-Zoll-Bildschirm zum Hinlegen, der natürlich jedes x-beliebige Spielbrett anzeigen kann. Und der auf Berührung reagiert. Auf die Berührung von Fingern, von Spielfiguren oder anderen Dingen.
Erinnern wir uns kurz. Am Anfang der elektronischen Spiele stand, natürlich wesentlich klobiger, Pong. Man schupfte in Trendlokalen einen Lichtball über den Röhrenbildschirm hin und her. Dann kamen nach und nach Spiele für Kleincomputer und schließlich die Konsolen. Seither drfitete die Spielewelt in bewegte Bilder und starre Pappkartons auseinander. Der Nachteil, den wir uns mit elektronischen Spielen eingehandelt haben, ist die von Soziologen und Eltern beklagte Vereinsamung vieler Spieler quer durch alle Altersschichten.
Viele Hersteller haben in den vergangenen Jahren versucht, die elektronische und die tradtionelle Spielewelt zu verbinden. Die aktuellen DVD-Spiele gehören genauso dazu wie elektronische Adaptionen bewährter Spielideen oder die beiden engagierten Bemühungen von Ravensburger mit King Arthur und Die Insel dem Brettspiel elektronisches Leben und einen Schuss Moderne einzuhauchen.
Nur auf den ersten Blick kehrt Philips mit dem Entertaible gewissermaßen zu Pong zurück, weil als prioritäres Einsatzgebiet die Gastronomie und Hotellerie angedacht sind. Der mobile Spieltisch für jedermann und überall ist jedoch der nächste logische Schritt. Der Entertaible stellt den ersten ernst zu nehmenden Anstoß seit langem dar, die beiden Spielewelten wieder zu verschmelzen: Animation, Grafik und Computerhilfe auf der einen Seite und das soziale Erlebnis, wenn Menschen tatsächlich miteinander Auge in Auge spielen.
Der Schlüssel dabei ist die Touchscreen-Technik. Ohne sie würde das alles keinen Spaß machen. Erst sie ermöglicht den angestrebten Zweck. Die an sich simple Idee hat eine Unmenge Potenzial für beide Seiten: Sowohl die Hersteller von Spielkonsolen und Konsolenspielen als auch die traditionellen Spieleverlage werden die Entwicklung bei Philips aufmerksam verfolgen. Mit einem Entertaible können die Freaks aus der elektronischen Welt plötzlich ihre virtuelle Welt mit Menschen bereichern, die Brettspielfans "echte" Erlebniswelten mit anderen teilen.
Arno Miller

