Die Jury Spiel des Jahres überraschte. (Schon wieder) nicht Alea, nicht (schon wieder) Schmidt, dafür (wieder einmal) der Außenseiter, der sich mit dem roten Pöppel schmücken darf.
Eingangsszene. Ich bin gespannt, sage ich sinngemäß zu Jury-Vorsitzendem Tom Felber und verweise auf die Unterschiedlichkeit der drei nominierten Spiele, welchen Trend die Jury heute mit ihrer Entscheidung setzen wird. Felber, mit Schweizer Ironie: "… ja, Trend für ein Jahr."
Die Schnelllebigkeit hat längst auch den Spielepreis umklammert. Die Halbwertzeit der jeweiligen Entscheidung nimmt stetig ab. Spiel des Jahres 2000? Wüssten Sie's noch?
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Die Enttäuschung stand Autor Rüdiger Dorn und Alea-Kopf Stefan Brück ins Gesicht geschrieben. Wieder hatte es für den Ravensburger-Ableger nicht geklappt. Mitfieberer Schmidt konnte es gelassener nehmen, hatte man doch erst vor einem Jahr die begehrteste Auszeichnung der Spielewelt für Qwirkle ins Haus geholt.
Es kann eben nur einer gewinnen. Und die Wege der "Jury" sind eben mitunter unergründlich. Trotz aller Begründungen. Mit Kingdom Builder hatten die wenigsten gerechnet, das neue Spiel des Jahres zu werden. Eine, man könnte auch sagen: mutige Entscheidung, weniger vom Spiel selbst her, weil es doch zu "üblich" für die Auszeichnung ist, sondern vielmehr, was Vertrieb und Verfügbarkeit angeht. Der Verlag, Queen Games, steht mit dem Handel in einem nicht ganz friktionsfreien Verhältnis. Und der Erfolg eines Spiel des Jahres (und damit der Jury) definiert sich nun mal über Stückzahlen, die nur durch eine flächendeckende Distribution zu erzielen sind.
Ein Klick auf Amazon, wenige Stunden nach Bekanntgabe der Entscheidung: Das Spiel sei in Kürze erhältlich, lieferbar war es aktuell nur über den Amazon-Händler Mogli, hinter dem Queen selbst steckt.
Bis das entscheidende Weihnachtsgeschäft anläuft, wird sich das wohl ändern.
Was spricht nun dafür, dass Kingdom Builder zum Spiel des Jahres 2012 gewählt wurde? Die Jury: "Ein amerikanischer Autor hat ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten erschaffen: Dank des variablen Spielplans und der hohen Zahl verschiedener Spielbedingungen gleicht kein Königreich dem anderen. Diese unterschiedlichen Ausgangslagen und eine Glückskomponente stellen die Spieler stets vor neue strategische Herausforderungen. Der einfache Einsatzmechanismus zeigt zwar nicht sofort seine Klasse, doch schon nach wenigen Partien entfaltet er seinen ganzen Reiz."
Für den Normalspieler übersetzt, der großteils zum Spiel und in die Brieftasche greift, weil der "rote Pöppel" auf der Schachtel ist: Kauf's dir, wenn's dir nicht gefällt, dann musst du es halt so lange spielen, bis es dir gefällt.
Eine orginelle Begründung.
Arno Miller

