Nur wenige Tage, nachdem sich in Deutschland die beiden großen Händlerorganisationen Vedes und idee+spiel faktisch zusammenschlossen, kommt die nächste ähnlich gelagerte Meldung. Die französische Ludendo übernimmt mit Franz Carl Weber (FCW) in der Schweiz eine der traditionsreichsten Spielzeugketten.
Natürlich ist dabei der Maßstab ein viel geringerer. FCW war zum Schluss von 59 auf nur noch neun Läden geschrumpft. Die Übernahme ist allerdings symptomatisch für die Entwicklung der Branche: Immer weniger Menschen werden bestimmen, womit wir in Zukunft spielen werden.
Doch zuerst ein Blick auf Ludendo, auch damit wir in anderen Ländern wissen, wer und was hier auf uns zukommt. Die Gruppe Ludendo ist familiengeführt und äußerst finanzstark. Erst 1977 gegründet, hat die Familie Grunberg offensichtlich ein Patentrezept gefunden, mit Spielzeug, Unterhaltung und verwandten Bereichen innerhalb weniger Jahre ein expansives Imperium zu bilden:
- 1994 waren es erst 15 Geschäfte in Frankreich
- 2002 bereits 100
- 2002 erste Gechäftseröffnungen in Marokko und Belgien, Spanien und zwei erste Läden in der Westschweiz folgen
- 2005 wurden die französischen Ketten Jouetland, Starjouet und Bébéland übernommen
- heute 200 eigene Fachgeschäfte mit 1500 Mitarbeitern und Belieferung von rund 100 Franchisenehmern
Bis 2010 soll sich die Zahl der eigenen Geschäfte in Euopa verdoppeln, es werden weitere Länder der gallischen Eroberung folgen.
Ludendo ist heute schon eine Einkaufsmacht in Europa. Immer weniger Ketten haben das Sagen, was an zentralen Orten an Spielzeug und damit auch an Brett- und Kartenspielen angeboten wird und was der Konsument dort in den SB-Regalen vergeblich sucht.
Der Konzentrationsprozess unter den Spieleherstellern scheint fürs Erste gestoppt, unter ihren Kunden hat er erst begonnen. Auf Deutsch: Immer seltener werden auf der einen Seite zwei Handvoll Verlagsvertreter mit immer weniger Einkäufern auf der anderen Seite zusammenhocken und entscheiden, was zu welchem Preis in der Saison in die Regale kommt.
Den sich verfestigenden Einheitsbrei im Angebot kann man bedauern. Aber so ist nun einmal die Realität im Wettbewerb. Der Trost: Die Konzentration auf immer wenige Köpfe im Hintergrund des "big business" ist zugleich die größer werdende Chance für kleine und ganz kleine Verlage und Spieleanbieter im "small business" zu punkten: Auf Spielemessen wie in Essen, bei Spielefesten, bei engagierten Fachhändlern und natürlich im Onlinehandel.
Arno Miller

… eine Tätigkeit, die man gar nicht ernst genug nehmen kann.