12. MAI 2015
Irgendwann wird’s absurd
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Muss hinter jedem Spiel ein Lernzweck stecken? Nein. Auch wenn uns Marketing-Menschen das trotzdem einreden wollen.
Nach den ersten PISA-Schocks mussten Spiele allesamt plötzlich irgendein höheres Ziel verfolgen. Gestern ein reines Spaß- und Freudespiel, heute ein Lernspiel. Die Verlage schreiben Hinweise zu allen erdenklichen, pädagogisch wertvollen Wundertaten ihrer Spiele auf die Schachteln. Wie es mit Wundermitteln einmal so ist, die Wirkung ist objektiv nicht überprüfbar. Das Anspruchsdenken hält sich dennoch hartnäckig.
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«Der offenbar typische Ablauf eines Gesprächs zwischen Lehrer und Verlag ist entlarvend. |
Dazu folgende Anekdote. Vor wenigen Jahren besuchte ich neugierig die deutsche (riesige) Bildungsmesse „didacta“. Ich wollte neue Ansätze bei den echten Lernspielen aufspüren. Ich hatte nicht gerechnet, dort auf den Stand eines bekannten Spieleverlages zu stoßen, der ausschließlich Spiele für ein Massenpublikum herausgibt. Noch weniger erwartete ich, dass der Verleger selbst am Stand seine Spiele erklärte. Er stelle schon seit Jahren auf dieser Messe aus, erklärte er mir, denn Schule und Kinderbetreuungseinrichtungen seien wichtige Multiplikatoren. Soweit, so gut. Auf die Standardfrage der Lehrer und Erzieher, was dieses oder jene (Massen-)Spiel denn speziell fördere, antworte er ebenso standardmäßig: „Auge-Hand-Koordination!“ Das genüge, schilderte er mir mit einem tiefgründigen Lächeln.
Nun ist unbestritten, dass sich der Mensch einen Großteil seiner Fähigkeiten durch Spielen während seiner Kindheit aneignet. Ob sich ein Spieleverleger diesem Faktum todernst oder mit Ironie nähert ist seine Sache. Entlarvend ist dieser offenbar typische Ablauf eines Messegespräches allemal.
Als ich jetzt nach möglichst vielen Informationen zu einem neuen Spiel suchte, landete ich auch auf Amazon. Es ging um ein reines Spaßspiel, um Zum Kuhkuck (ja, liebe Lehrer, ich habe den Titel richtig geschrieben). Das ist nicht einmal ein Kinderspiel, denn die Altersempfehlung lautet ab 8 Jahre. Zwei Spieler ziehen aus einem wilden Haufen an 59 verdeckten Karten eine nach der anderen, nehmen sie auf die Hand und melden gleiche Karten als Punkte. Die „Kunst“ bei Zum Kuhkuck ist, keine Sonderkarte zu ziehen, weil dann alle bisher gesammelten Karten auf der Hand veroren sind.
Und jetzt kommt’s! Unter den Details zu Zum Kuhkuck beschreibt Amazon allen Ernstes ein „Lernziel“, nämlich „Sozialverhalten“.
PISA hin, Unterstützung menschlicher Fähigkeiten her … Irgendwann wird’s absurd.
Was denkst du darüber?

… eine Beschäftigung, die für sich selbst angenehm ist.