Nürnberg. Spielwarenmesse. Tag 1. Was einem so ein- und auffällt.
26. JÄNNER 2016
Zur weltgrößten Spielwarenmesse – Nürnberg – und zur weltgrößten Spielemesse – Essen – lässt die Fachgruppe der Spieleverlage ihre jeweils aktuellen Umsatzzahlen nicht nur von mir sehr geschätzten Kollegen Fritz Gruber in blumige Worte fassen. 2015 bescherte „Spiele und Puzzles“ einen Klimawandel, so Gruber sinngemäß. Plus 10,3 Prozent. Ravensburger vermeldet hier in Nürnberg ein Plus von 19 Prozent. Auch andere zeigten sich (sehr) zufrieden.
In unsicheren Zeiten suchen Konsumenten die heile Welt.
Aber warum ist das so, was ist der Grund? Schließlich werden „analoge“ Brettspiele seit Jahren totgeredet. Tatsächlich hat der Markt die Vorjahre eher stagniert, und jetzt dieses Hoch … (spielwiese.at berichtete)
Bei Ravensburger zum Beispiel, sagte mir Vertriebschef Hermann Otten, erklärt man sich die freudige Entwicklung mit der politischen Großwetterlage: „Ringsum nur schlechte Nachrichten. Kriege, Flüchtlinge etc. Da wollen die Leute wieder etwas, das sie kennen.“ Das mache die Nachfrage, ausgerechnet und überraschend, nach bewährten Spieleklassikern begreiflich. Die haben (nicht nur) bei Ravensburger mächtig zugelegt.
Konsumenten suchen demnach in unsicheren Zeiten die angeblich heile Welt. Aus der Vergangenheit wissen wir: Stimmt, das ist ein Faktor. Aber ist die Spielewelt heil? Da geht es doch auch um Kampf, um Gegeneinander, um simulierten Krieg. Ja – aber eben nur simuliert als Stellvertreterkrieg. Man könnte es auch in die Worte Pippi Langstrumpfs fassen: Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.
Das ist weder schlimm, noch neu. Das war immer schon ein Hauptzweck des Spiels. Warum sollte es also 2015, 2016 anders sein.
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Haben wir Journalisten heute den Anfang vom Ende der Neuheitenschau erlebt? Für Außenstehende: Die Spielwarenmesse beginnt morgen, Mittwoch, aber traditionell dient der Tag davor der Presse und dem Marketing. Dazu gehört die für die Hersteller besagte Neuheitenschau. Die Teilnahme kostet richtig viel Geld, der Zweck ist mit einer Neuheit ins Fernsehen zu kommen. Oder heutzutage auch auf Youtube.
Noch vor wenigen Jahren fand das Spektakel auf drei Stockwerken des Congress Centers Ost der Spielwarenmesse statt. Dieses Jahr: ein Stock, davon ein Teil leer.
Ich hätte mir das frühe Aufstehen schenken können. Nach einer Stunde war ich durch. Inklusive der Begutachtung des einen oder anderen Spielzeugs, also Nicht-Brett- oder -Kartenspiels. Überhaupt: Die Spieleverlage lassen seit Jahren bei diesem Marketing-Event aus. 1. Es kostet richtig viel Geld. 2. Mit schnödem Karton und kleinen Figürchen gegen durch die Halle schwirrenden Drohnen für den Hausgebrauch oder anderen eigenartigen Kunststoff-Ergüssen aus Fernost anzukommen, ist in der Bewegt-Bild-Welt schwierig.
Und doch! Heimlicher Star war einmal mehr Drei Magier mit seinem diesjährigen Kinderspiel Burg Flatterstein. Mit einer Mischung aus Blasebalg und Katapult schleudern Kinder winzig kleine federleichte Fledermäuse – Stofffetzen – in ein Schloss. Das ist einerseits wirklich spannend und andererseits absolut telegen in Szene gesetzt.
Chapeau!
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Nach Sichtung erster Neuheitensortimente bei den Spieleverlagen: 2016 wird das Jahr der Würfelspiele. Möglichst einfach müssen sie sein.
Ein Schelm, wer sich dabei denkt, die großen, viel größeren Verlage springen auf den Zug auf, den der Miniverlag NSV mit Qwixx ins Rollen gebracht hat.
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