Warum exotische Tiere auf einmal so gefragt sind oder warum man mit bedrucktem Altpapier am meisten Geld machen kann.
24. OKTOBER 2026
Die Zählweisen sind verschieden. Seit auch nur marginal veränderte Memory-, Stadt-Land-Fuss- oder Uno-Grundideen ganz ohne Genierer als wahnsinnig tolle Innovationen beworben werden, verkommt die Zahl echter Neuheiten zur beliebigen Ansichtssache. Oder: Ein Spiel erscheint bei fünf unterschiedlichen Verlagen in fünf Ländern, sind das fünf Neuheiten.
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Egal. Ein paar Hundert sind es auf jeden Fall, die auf der Messe „Spiel“ in Essen quasi das Licht der Spielewelt erblickten.
Lässt sich nach der Neuheitenschau am Mittwoch und den Rundgängen seither ein Trend ablesen?
Nein. Aber bestehende Entwicklungen setzen sich fort oder fest. Auch das bleibt ein Stück weit Ansichtssache, doch ein Gradmesser dafür, was gerade beliebt ist, sind die Charaktere in den Spielen.
Welche Tiere oder Fabelwesen tauchen verstärkt auf? Das südamerikanische Wasserschwein Capybara. Es setzt sich langsam aber sicher als neuer Liebling der Spieleredakteure fest. Seine Rolle wird jedoch bereits vom mexikanischen Schwanzlurch Axolotl bedroht. Außerdem bevölkern dieses Jahr immer mehr „gute“ Naturgeister die Spieltische und laufen Monstern allmählich den Aufmerksamkeitsrang ab.
Ich bemerke somit einen Hang zur Lieblichkeit. Optisch wie auch inhaltlich. Das passt hervorragend in die Zeit, in der alles nur noch schlecht und furchtbar sei. Da ist die Sehnsucht nach der einfachen, schönen und heilen Welt immer überhöht.
Natürlich ist es leider so, dass viele Menschen finanziell klamm sind. Das spiegelt sich in einem noch immer wachsenden Angebot an günstig produzierbaren Spielen. Kartenspiele sind nun mal billiger als aufwändig ausgestattete Abenteuer in Fantasia, im Pseudo-Mittelalter (eher out) oder unter Wasser (eher in).
Oder nehmen wir die 20. Variante von Recyclingpapierblöcken, spärlich mit ein paar Kategoriebezeichnungen bedruckt. Früher, als angeblich alles besser war, nahmen wir einfach ein paar Stifte und Zettel und spielten Stadt-Land-Fluss im Stegreif. Ist doch paradox und passt dennoch so treffsicher in die heutige Gesellschaft: Alle warten und erwarten, dass jemand kommt und ihnen sagt, wie’s geht und am besten noch alles dazu Nötige heranschafft.
Was denkst du darüber?

