MEINUNG. Einmal mehr treibt der Kulturkampf sonderbare Blüten, einmal mehr schlägt man den Sack, und meint den Esel.
Sieht das wirklich wie die Hagia Sophia in Istanbul aus? Und gibt es im Orient tatsächlich Männer, die Wasserpfeife rauchen oder ist das nur ein übles Klischee?
Der Bausatz "Jabbas Palace" aus der Star Wars-Reihe von Lego hat die Türkische Kulturgemeinde zornig gemacht. Mit dem Spielzeug werde "kultureller Rassismus" betrieben. Weil, siehe oben, dazu noch eine gefangene Prinzessin, die als Bauchtänzerin in Ketten gelegt ist. Das habe in Kinderzimmern nichts verloren. "Mit dem Spielzeug werden eindeutig Orientalen und Asiaten diffamiert, indem Klischees in Plastikmännchen gegossen werden", erregt sich die Türkische Kulturgemeinde in einer Aussendung.
Zugleich feiert sie es als Sieg, dass das Spielzeug ab 2014 nicht mehr hergestellt wird. Länger war das übrigens gar nicht vorgesehen, weil es auch bei Lego bestimmte Produktzyklen gibt. Auch das war vor einigen Tagen Thema einer Aussprache zwischen Vertretern der Kulturgemeinde und Lego in München. Lego wies die Rassismusvorwürfe zurück. Und außerdem sei der Bausatz eine möglichst originale Nachbildung des Hauses und des Charakters aus dem Star Wars-Film.
Dass das Ganze fiktional ist, sollte auch der Türkischen Kulturgemeinde eigentlich bewusst sein. Und die Vorbilder aus dem Film verwenden zu dürfen, dafür zahlt Lego ziemlich viel Geld in Form von Lizenzen. Warum geht die Kulturgemeinde dann eigenltich nicht gleich gegen die Star Wars-Macher los, fragt man sich.
Eine Frage ist auch, wie weit darf oder auch soll ein Spiel(zeug) die Wirklichkeit abbilden, selbst wenn sie nur in einem Hollywood-Film geschaffen ist. Meiner Meinung geht die Aufregung der Türkischen Kulturgemeinde eindeutig zu weit. Lediglich die Verwendung des Wortes Jabba – das ist einer der 99 Namen Allahs im Koran, bedeutet im Arabischen nichts anderes als Stirn, im Hebräischen Lob, und ist auch die Bezeichnung eines Doppelsterns am Himmel – kann man mit einigem guten Willen kritisch sehen. Aber selbst dafür hätten die Bedenkenträger seit 1999 Zeit gehabt, sich bei Lucasfilm zu melden. Jabba der Hutter tauchte damals erstmals als Figur im Streifen "Star Wars – Episode I" auf, danach in IV, VI und "The Clone Wars".
Von der Verwendung von Wasserpfeifen, Bauchtänzerinnen, Moschee-artigen Gebäuden und derlei Dingen in Spielen, Spielzeug, Büchern, Film, Fernsehen und, und, und sogleich auf kulturellen Rassismus zu schließen, ist sehr weit hergeholt.
Und nur so viel: Nicht nur in der Türkei, sondern auch hier in Mitteleuropa habe ich wasserpfeiferauchende Männer mit eigenen Augen gesehen. Letzten November mischte ich mich in Muscat und Dubai sogar unter die Einheimischen sog mit ihnen gemeinsam am Schlauch. Ganz ohne schlechtes Gewissen oder irgendwelche Hintergedanken.
Arno Miller

… das einzige, was Männer wirklich ernst nehmen. Deshalb sind Spielregeln älter als alle Gesetze der Welt.