GRAFIK. Die zweimal drei Finalisten für den Spielgrafikpreises “Graf Ludo 2010” stehen fest. Erfahren Sie mehr über die Spiele und warum die Jury gerade diese Auswahl getroffen hat.
Am 1. Oktober ist es in Leipzig soweit, dann werden auf der "modell-hobby-spiel" die beiden Sieger bekannt gegeben. Ausgelobt wird die Auszeichnung von FamilyGames, der Spielbereich des Felsenweg-Instituts der
Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie, und die Leipziger Messe.
Kurzbeschreibung der Spiele

Fresko (Queen Games): In diesem Spiel schlüpft man in die Rolle von Malern, deren Aufgabe die Restaurierung eines Deckenfreskos der Renaissance ist. Viele Abwägungen beispielsweise zwischen frühem Aufstehen und großer Auswahl auf dem Farbmarkt oder spätem Aufstehen und ausgeschlafen-kreativer Laune müssen getroffen werden. Wer eine gute Balance zwischen dem Einsatz seiner Gehilfen, dem richtigen Timing für eigene Farbkreationen und einer guten Tagesplanung findet, wird viele Teilstücke restaurieren und hierfür die wichtigen Siegpunkte einspielen können. Drei bereits enthaltene Erweiterungen sorgen für Abwechslung und Kurzweile.

Hexenduell (Haba): Um Geschicklichkeit dreht es sich innerhalb des großen Hexenkessels, der das Spielfeld dieses Haba-Spiels bildet. Die Spieler versuchen mittels des mag(net)isch schwebenden Besens möglichst viele Zaubersteine vom Hexentanzplatz in den Kessel zu fegen. Doch die Zeit läuft, denn noch während ein Spieler mit aller Mühe die kleine Hexenfigur und den Besen zum Tanzen bringt versuchen die Mitspieler mittels eines Zeitwürfels seinen Tanz möglichst schnell zu beenden. Es gewinnt der Spieler, welcher seine Steine zuerst im Hexenkessel abgelegt hat.

Nelly (Queen Games): In diesem lustigen Geschicklichkeitsspiel muss man möglichst viele seiner Schildkröten auf das Nilpferd Nelly stapeln – doch Nelly bewegt sich im Tümpel und möchte gern fressen. Die vielen Drehungen, unliebsame Magenblähungen oder zwickende Krebse lassen einige Schildkröten bald wieder ins Wasser plumpsen. Sieger ist, wer seine Kröten zuerst auf Nelly platziert hat.

San Francisco Cable Car (Queen Games): Dieses Legespiel spielt in der Blütezeit der Cable-CCar-Pioniere des San Francisco der 1890er Jahre. Alle Spieler versuchen die Linien ihrer Standseilbahnen mittels der Legeplättchen möglichst stark auszubauen. Punkte gibt es für jeden Streckenabschnitt auf einem neuen Kärtchen. Doppelte punkte bei Kontakt zur Trafostation in der Mitte. Wer sich mittels einer Teilhaberaktien clever an den entstehenden Linien beteiligt, profitiert zudem Indirekt und meist überraschend vom Erfolg seiner Mitspieler.

Tobago (Zoch): In diesem Deduktionspiel begeben sich die Spieler auf eine Schatzsuche. Leider ist die Schatzkarte zerstört und ihre Fragmente unter den Mitspielern verteilt. Wer jedoch viele Hinweise zu einem Standort beisteuern kann und will, dem steht ein größerer Anteil des Schatzes zu. Ist ein Schatzort gefunden beginnt das Rennen mit den eigenen Geländewagen um möglichst als erster den Schatz zu heben und die Verteilung zu leiten. Gegen verfluchte Schätze schützt sich der clevere Schatzsucher mittels eines Amuletts. Wer die wertvollsten Schätze anhäuft gewinnt dieses Spiel.

Vampire der Nacht (Drei Magier Spiele): In diesem "Dunkelspiel" müssen möglichst viele Knoblauchzehen des Vampirjägers Knobelzobel gesammelt werden, die dieser über der alten Burgruine also dem Spielbrett abgeworfen hat. Leo, der Wächtervampir in Form einer Magnetfigur, muss diese von der Burg stoßen, ohne sie in den klaffenden Löchern der maroden Gebäudestruktur zu versenken. Wer Leo am geschicktesten über das dunkle Feld manövriert und dabei viele Zehen rettet, gewinnt das Spiel.
Stimmen aus der Jury
“Auch dieses Jahr haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Die Auswahl der Spiele war insgesamt sehr hochklassig, und die Nominierung fiel uns doch sehr schwer:" erläutert Annette Schmeier, Projektdirektorin der modell-hobby-spiel und Mitglied der Jury.
Willi Weber, ehrenamtlicher Mitarbeiter bei FamilyGames, gerät bei Tobago ins Schwärmen: “Hier hat der Grafiker Arbeit am Detail geleistet, die Atmosphäre ist stimmig und das Material spricht Klein und Groß gleichermaßen an.”, sagt er. Bei Hexenduell seien die kleinen Spieler insbesondere von der Hexe entzückt, die das gruseligen Ambiente um einen witzigen Charakter ergänzt. "Das Spiel besticht durch eine robuste und dennoch gestalterisch hoch ansprechende Ausfertigung. Ganz im Sinne einer sehr guten Kinderspielgrafik", so der Spieler Weber.
Kati Gräfin von Schwerin, Künstlerin und Meisterschülerin bei Markus Lüpertz in Düsseldorf, begründet, warum beispielsweise Nacht der Vampire ausgewählt wurde: „Die von Rolf Vogt gestalteten Spiele sind rundherum gelungen und aus einem Guss. Das Farbkonzept und das Thema ziehen sich von der Schachtel über die Spielanleitung bis auf den Spielplan durch. Die Idee, Knoblauchzehen zu sammeln und das Spiel mit fluoreszierenden Materialien im Dunkeln zu spielen, ist Klasse und spricht die Kinder ganz besonders an.“
Arno Miller, Herausgeber von spielwiese.at, begeistert sich für Nelly, das Wackelspiel mit dem Nilpferd. „Hier ist es gelungen, eine gute Gestaltung mit einer lebhaften Spielidee zu verbinden. Das Nilpferd und die Schildkröten überzeugen visuell und durch eine klasse Haptik.“ Das Auge wird auch beim Spiel Fresko überzeugt: "Das Deckenfresko, das dazu passende Schachtelcover und die tollen Porträts der Erweiterung spiegeln sehr gut die Epoche der Renaissancemalerei wieder. Dass sich wie bei der Entscheidungsfindung für den Preis Graf Ludo auch in Fresko alles um Farben, das Anfertigen von Kunst und den Künstler als Person dreht, ist noch dazu eine tolle Analogie."
Thomas Bärsch vom ZDF-Landesstudio in Dresden ist begeistert von San Fancisco Cable Car, hier seien „die Kärtchen samt und sonders Unikate, und hinter den Spielfeldern verstecken sich perspektivisch perfekte 3-D-Darstellungen." Eine harte und aufwendige Arbeit, die die Klasse des verantwortlichen Grafikers herausstelle.
Hier nochmals die Nominierungen zum Graf Ludo 2010 im Überblick:
Nominierungen für die beste Kinderspielgrafik
Hexenduell (Haba), Illustration: Felix Scheinberger, Autoren: Constanze Endlich, Helmut Hecht
Nelly (Queen Games), Illustration: Jo Hartwig, Grafik: Karsten Teich, Autoren: Andreas Frei, Lukas Frei, Ueli Frei
Vampire der Nacht (Drei Magier Spiele), Grafik: Rolf Vogt, Autoren: Kirsten Becker, Jens-Peter Schliemann
Nominierungen für die beste Familienspielgrafik
Fresko (Queen Games), Grafik: Oliver Schlemmer, Autor: Marco Ruskowski, Marcel Süßelbeck,
Wolfgang Panning
San Francisco Cable Car (Queen Games), Grafik: Michael Menzel, Autor: Dirk Henn
Tobago (Zoch), Grafik: Victor Boden, Autor: Bruce Allen

