Meinung

28. MAI 2015

Mehr Innovation, bitte!

-------------------------------------------------- ARNO  MILLER --------------------------------------------------

Gestern wurden die Auswahllisten zu den besten Spielgrafiken 2015 veröffentlicht. Als Jurymitglied der Auszeichnung Graf Ludo darf ich keine Details über die Entscheidungen verraten. Ein paar grundsätzliche Betrachtungen sind aber erlaubt.

 

Die längsten Diskussionen hatten wir bei der Auswahlliste der sechs Kinderspiele. Wir haben uns damit schwerer als in den vergangenen Jahren getan. Ich orte dahinter zwei Umstände.

1. Der Jahrgang 2014/15 (laut Statut können Spiele aus dem aktuellen Jahr und dem Vorjahr berücksichtigt werden) ist speziell bei den Kinderspielen eher durchschnittlich. Es gibt auffallend wenige Ausreißer nach oben.

2. Unter dem, was nach Punkt 1 übrig bleibt, ist leider vielfach nach dem Motto „More of the same“ gezeichnet, gemalt und arrangiert worden.

« Der Trend zu asiatischer Anmutung ist unübersehbar.   

Wenn die Käufer vor dem Regal stehen und das Gefühl überkommt alles schon einmal gesehen zu haben, ist es Zeit, sich auf Verlagsseite ernsthafte Gedanken zu machen. Austauschbarkeit funktioniert nicht ewig.

Das ist Jammern auf hohem Niveau, wie man so schön sagt. Denn das handwerkliche Niveau bleibt großteils hoch. Wenn wir mit unserem Preis in den vergangenen sechs Jahren zur Qualitätssicherung beitragen konnten, dann freut das das gesamte Graf-Ludo-Team. Fürs nächste Mal wünscht sich die Jury allerdings doch wieder einen Tick mehr Innovatives und Außergewöhnliches.

Bei Familien- (und Erwachsenen-)spielen ist das Themenspektrum von vornherein wesentlich breiter. Damit ergeben sich für die Grafiker und Illustratoren zwangsläufig deutlich mehr Ansatzpunkte. Wobei zwei Entwicklungen ins Auge stechen: Fantasy und Fernost. Der Anteil der Spiele, die im weitesten Sinne unter der Punze Fantasy sublimiert werden können, wächst und wächst. Ähnliches ist ja auch im Buchbereich und im Fernsehprogramm zu beobachten. Brett- und Kartenspiele folgen hier also einem generellen Trend. Und zu Fantasy hat das Publikum seine bestimmte Erwartungshaltung, die in Wechselbeziehung zur Ästhetik steht. Diesen spezifischen Stil trafen die Illustratoren zuletzt mal besser, mal weniger gekonnt. Hier zählt vor allem die Expertise unserer Grafik-Experten in der Graf-Ludo-Jury um zu trennen, wo echtes Herzblut und wahres Können dahintersteckt, und wo auf dem Computer-Tablet einfach abgekupfert wurde.  

Bleibt der „asiatische Einfluss“ bei den Illustrationen. Er ist unübersehbar und folgt den beiden Wellen, die in den zurückliegenden Jahren die Szene der „German Games“ befruchtet haben: Zuerst hielten viele französische Illustratoren und Grafiker Einzug, danach folgten Kollegen aus osteuropäischen Ländern.

Die Auszeichnung Graf Ludo ist auch ein Gradmesser für derartige längerfristige Trends. Ihre Protagonisten sind auf den beiden Auswahllisten 2015 zu finden. Welche es davon in die Nominierungsrunde der zweimal drei Besten schaffen – ich trau’ mich dieses Jahr wirklich nicht zu wetten. Dazu war in der Entscheidung über die Auswahllisten die Menge an Pro- und Contra-Argumenten insgesamt zu groß.

Die folgenden Jury-Sitzungen werden äußerst spannend.

 

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