Belanglos
Dieses Spiel hätte man bei einem No-Name-Hersteller vermutet.
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Nr. 1167: Servus in Stadt & Land – Kleine Radler auf großer Tour! | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Der Spielplan ist schön gestaltet und funktionell. Alles andere kann nicht überzeugen. Bild: Servus |
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Die gute Nachricht
Es braucht kein Ungeziefer für diese Art von Spielen. Statt unappetitlich wird's hier kriminell. Mit Hut, Charme und Pistole.
Die schlechte Nachricht
Wahrscheinlich müssen auch Sie erkennen, dass Ihr Kurzzeitgedächtnis keineswegs perfekt ist.
Rein ins Spiel!
Unter den privaten Fernsehsendern sticht Servus TV als einer der besseren hervor. Auch das aus dem selben (Red-Bull-Renn-)Stall stammende Monatsmagazin „Servus in Stadt & Land“ ist gut gemacht. Ein neues Familienbrettspiel aus dieser Welt ist es – nicht.
Kleine Radler auf großer Tour! ist anspruchslos und beliebig. Zudem keimt der Verdacht, dass die ausgewählten Orte, die es dabei per Rad abzuklappern gilt, nach dem Bezahlkriterium ausgesucht worden sind. Letztendlich auch egal.
Für die Servus-Markenwelt ist ein Brettspiel ohne Zweifel attraktiv und auch das Thema passt haargenau in die Servus-Welt. Schließlich verschreibt man sich Land und Leuten und besonderen touristischen und kulinarischen Leckerbissen. Da hätte man mehr daraus machen können, um dem Anspruch des Hauses einigermaßen gerecht zu werden. Jedenfalls mehr als nur den vorliegenden Abklatsch eines Österreichreise-Spiels.
Aus spielerischer Sicht
Das ist sehr schnell abgehandelt. Eine Landkarte mit Orten und Verbindungen dazwischen. Man zieht zufällig fünf Ziele und muss sie mit Würfelhilfe abklappern. Wer das als Erster hinter sich hat, ist Sieger. Zum Zahlenwürfel gibt es noch einen Aktionswürfel. „Du darfst eine 1 dazuzählen und fahren“, „Du darfst eine 3 dazuzählen und fahren“ oder „Plattfuss“, was einmal aussetzen bedeutet. Das ist alles andere als auf der Höhe der Zeit. Okay, es gibt noch „Tausche eine Karte mit einem beliebigen Mitspieler“ und das Weitergeben aller noch nicht angefahrenen Zielkarten. Das ist dann aber auch das Höchstmaß an Aufregung.
Aus inhaltlicher Sicht
30 Orte (was an sich schon sehr wenig ist) sind mögliche Ziele und auf Karten mit zwei oder drei Sätzen knapp beschrieben. In einem Jargon, der dem Reiseprospekt entnommen ist. Beispiel: „Wer gemütlich die Region erkunden möchte, steigt in die Mariazellerbahn ein, die überall hält, wo’s schön ist.“ Wow, das ist Tiefgang! Oder: „Auf dem Tschengla-Hochplateau im malerischen Brandnertal sind drei Steinkreise erhalten, die im Neolithikum vielleicht einmal eine gigantische Kalender-Anlage dargestellt haben.“ Vielleicht auch nicht. Die Steinkreise sieht man übrigens nicht auf dem Foto, sondern eine verschneite Landschaft.
Die gesamte Machart wirft ein eigenartiges Licht darauf, wo Servus die Urteilskraft seiner Leser und Seher sieht. Es ist zu befürchten, dass man Oma und Tante im Auge hatte, die für Kinder eine Beschäftigung suchen und die noch zu klein sind, sich gegen die Unterforderung zu wehren. Ravensburger fungiert übrigens nur als Produzent und Co-Vermarkter.
Ganz offensichtlich musste das Spiel möglichst billig produziert werden. Die sechs Spielfiguren, die ja Radler sein sollen, sind Standard-Halma-Kegel. Das tendiert gegen den atmosphärischen Nullpunkt. Hätten hübsche Radler aus Holz, oder auch aus Plastik, das Spiel herausgerissen? Nein. Einzig am ästhetisch und funktionell gut gestalteten Spielplan muss man nicht mäkeln.
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Nochmals spielen? Nein. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Ravensburger zur Verfügung gestellt |

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… möglichst viel lachen können und Spaß haben nach einem guten Essen und bei einem Glas Rotwein.