Nur nicht unterziegen lassen!
Von streunenden Hunden und Katzen wissen wir ja. Aber dass das Streunen offenbar auch eine Charaktereigenschaft von Ziegen ist, war uns neu. Jedenfalls verhalten sich die Tiere in diesem Spiel so.
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Absolut witzig sind die Illustrationen der Ziegenkarten – der Spielspaß ist recht bescheiden: Durch das Ausspielen einer Ziegenkarte zieht man mit der großen Ziege rund ums Spielfeld, wo sie stehenbleibt, muss man sich aus der Reihe eine der Ziegenkarten nehme. Ziel ist, auf diese Weise gleiche zu sammeln, um bei einer Mehrheit an dieser Ziegenart alle verbliebenen Ziegenkarten dieser Art auf der Weide in Besitz zu nehmen. Nur diese punkten am Ende. |
Mancher mag das ja lustig finden. Wieder andere finden die Sache eher langweilig. Herr der Ziegen scheidet jedenfalls die Geister. Und auch objektiv betrachtet: Vieles wirkt aufgesetzt.
Schauen wir uns eingangs einmal an, was der Verlag Amigo dazu offeriert. Eine "muntere Ziegenparty", bei der es darum gehe, "in möglichst vielen Ziegenarten Mehrheit zu sammeln". Dem kann nicht widersprochen werden. Viel mehr ist es aber dann auch nicht.
Herr der Ziegen ist dabei, wie man annehmen möchte, nicht als Kartenspiel konzipiert, sondern als Kombination aus Lege- und Laufspiel. Je nach Spieleranzahl werden quadratische Ziegenkarten im Raster von 6 x 6 oder 7 x 7 ausgelegt. Mit ihrer Figur wandern die Spieler dann rundherum und suchen sich aus der Reihe, vor der sie stehengeblieben sind, optimale Ziegenkarten aus, die sie vor sich sammeln. Eine Grundidee, die Autor Günter Burkhardt schon in Kupferkessel & Co. umsetzte, dort allerdings als Zweipersonenspiel.
Das Beste herausfinden
Die gemischten und zu einem Karree ausgelegten Ziegenkarten sind die Weide. An ihrem Rand hat jeder Spieler einen bestimmten Platz für seinen Ziegenstall. Das ist auch sein Ausgangspunkt, vor den er seine große Ziege aus Holz stellt. Seine kleineren zehn Ziegen kommen in den Stall. Vom Nachziehstapel hat jeder Spieler anfangs zwei Ziegenkarten auf die Hand genommen. Im gesamten Verlauf des Spieles muss jeder Spieler immer versuchen, das Beste aus seinen beiden Handkarten zu machen. Die folgenden Handkarten bekommt er durch seine Züge.
Wer an der Reihe ist, legt eine seiner beiden Handkarten offen vor sich aus. Sie zeigt eine von insgesamt 18 Ziegenarten sowie eine Zahl zwischen 1 und 5. Um die Zahl der soeben ausgespielten Ziegenkarte rückt der Spieler seine große Ziege im Uhrzeigersinn vor. Aus der Reihe, vor der nun seine Ziege steht, muss sich der Spieler eine Ziegenkarte auf die Hand nehmen, die er später wieder ausspielt. Der Platz der aufgenommenen Ziegenkarte wird durch eine neue vom Nachziehstapel wieder gefüllt.
Der Umweg über die Hand
Sie haben das einfache Prinzip nun sicher schon durchschaut: Mit passenden Zahlen versucht man zu jenen Reihen zu gelangen, in denen mindestens eine Ziegenkarte liegt, die man sammelt, und über den Umweg einer Handkarte dann vor sich ablegen kann.
Freilich ist es so, dass immer wieder mehrere Spieler die gleiche Ziegenart sammeln. Den Triumph beschert sich jener Spieler, der im Laufe des Spiels entweder die vierte dieser Ziegenart ergattern kann oder mit der Zahlensumme seiner ausgelegten Ziegenkarten einer Art mindestens acht erreicht. In beiden Fällen ist ihm die Mehrheit sicher. Die dokumentiert er mit seinen kleinen Ziegen: Auf jede entsprechende Karte legt er eine davon.
Das geht nun so lange, bis entweder in einer Reihe die letzte Ziegenkarte genommen wurde (der Nachziehstapel also vorher schon aufgebraucht worden ist) oder er aus der Reihe keine Ziegenkarte mehr nehmen kann, weil alle mit kleinen Ziegen belegt sind. Bis zu einem gewissen Grad – entsprechende Handkarten vorausgesetzt – lässt sich das Ende von Herr der Ziegen also steuern.
Wertungsfinesse
Bis hierhin wäre das Spiel sehr, sehr beliebig. Die taktische Finesse erhält es durch die Wertung und sichert damit den zweiten Punkt in der Spielwiese-Wertung ab. Gewonnen hat nicht einfach der Spieler, der die meisten kleinen Ziegen auf der Weide unterbringen konnte, vielmehr werden deren Zahlenwerte addiert! Man steht also im Spiel vor dem Dilemma durch das Nehmen von Ziegenkarten mit einer hohen Zahl (oder vielen Ziegenkarten einer Art) die spätere Punktewertung zu verpfuschen, weil dann womöglich nur noch die 1 oder 2 dieser Art auf der Weide steht. Nimmt man andererseits die kleinen Werte aus der Reihe, öffnet man den Mitspielern Tür und Tor – gerade gegen Ende zu, weil man damit noch einiges vereiteln kann. Dass jene Ziegenkarten doppelt zählen, die in direkter Verbindung mit dem eigenen Stall stehen, ist zwar ein Ansporn, sich auf die dort liegenden Ziegenarten zu konzentrieren, kann aber ordentlich ins Auge gehen. Vor allem halten wir es für die Wertung für ein ziemliches Ungleichgewicht.
Und weil es einige Testspieler beim ersten Mal übersehen oder missverstanden haben, sei es hier ausdrücklich betont: Alle Ziegenkarten, die man vor sich auslegt oder noch in der Hand hält, zählen nichts! Null! Einzige Ausnahme sind die 16 Milchkarten, deren Punkte sich die beiden Spieler im Verhältnis von 2:1 aufteilen, die am meisten davon gesammelt haben.
Fazit
Herr der Ziegen ist ein Spiel für Einsteiger, die keinen Tiefgang erwarten. Es plätschert dahin, Regie führt weitgehend der Zufall. Die Ziegenkarten sind aus Kartenspielkarton, leider nicht von Pappe. Die gibt es dafür für die Ziegenställe. Das motzt die Sache etwas auf, unterm Strich ist das Material jedoch bestenfalls Durchschnitt. Witzig sind allein die Illustrationen der Ziegenkarten. Michael Menzel hat sich dabei einer ganzen Reihe an Kultfiguren bedient, von der "Superman"-Ziege über die Blues Brothers und Elvis bis zu Ben Hur.
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Nr. 1009: Herr der Ziegen |
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Spielwiese-Code | |
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Themen: Ziegen
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Spielanleitung zum Download |
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Auszeichnungen
Rund ums Spiel
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Preis-Leistungsverhältnis
Glücksanteil
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… Spaß, geselliges Zusammensein und Köpfchen anstrengen!