Fragwürdige Geschenke
Karten herschenken, um besser abzuschneiden. Gute Idee, schlechte Umsetzung.
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Beispiel einer Auslage (oben) und was ein Spieler nach drei Runden inklusive geheimen Karten (verdeckt) gesammelt hat. |
Manchmal braucht es gar nicht viele Köche, um den Brei zu verderben. Es genügen schon zwei Autoren. Bei ihrem gemeinsamen Werk Gracias blitzt der Gedanke durchaus durch, den Richard Borg Alan R. Moon (vermutlich) hatten: Durch Verschenken von Karten andere vom Gewinnen abhalten. Das Resultat ist allerdings schlecht.
Zum Mitreden die Basisinformationen: Bei Gracias erhält man Siegpunkte, wenn man viele Karten einer Sorte sammelt, aber nicht, wenn man die meisten davon hat.
Pro Spieler werden auf den Tisch Drillinge aus zwei offenen und einer verdeckten Karte gelegt. Reihum nimmt sich jeder einen dieser Drillinge: die verdeckte Karte schaut er sich an und legt sie verdeckt vor sich ab. Von den beiden offenen Karten gibt er eine einem Mitspieler, die andere behält er. Das passiert vier Mal, dann werden die verdeckten Karten offen gelegt und wer in einer Farbe die meisten Karten hat, kann sie fortschmeißen. Alle restlichen Karten zählen jeweils einen Siegpunkt, fünf Karten einer Farbe aber ebenfalls nur Siegpunkt.
Das ist ein Durchgang, gespielt werden drei Durchgänge. Dann steht fest, wer am meisten Punkte gemacht hat.
Logisch ist das ja alles, aber es macht einfach keinen Spaß. Es macht keinen Spaß, weil die Geschichte völlig konstruiert ist, weil nichts geredet wird, da man dadurch verraten könnte, auf welche Farbe man spitz ist und auf welche nicht. Es macht keinen Spaß, weil der Ablauf der Runden mechanisch ist. Es macht keinen Spaß, weil es zu lange dauert.
Da wiegen auch "Überraschungen", wer wie viele Karten von welcher Farbe verdeckt halten musste (freiwillig passiert gar nichts in diesem Spiel!), die Schwächen nicht im geringsten auf.
Der ähnliche Ansatz ist bei Amazonas Coloretto wesentlich besser gelungen. Gracias? No, gracias!
Test 910: Gracias
- Sammelspiel für 3 bis 6 Spieler ab 9 Jahre von Richard Bord und Alan R. Moon bei Ravensburger.
- Von zwei Karten eine behalten, eine weitergeben. Am Ende zählen nur die Karten einer Farbe, von der man nicht (!) die meisten hat.
- Thema/Umfeld: Mäuse, aber völlig ohne Bedeutung
- Spielreiz: nicht nachvollziehbar
- Material: gut
- Ca.-Preis: 9,– €


Man hört nicht auf zu spielen, weil man alt wird, sondern man wird alt, wenn man aufhört zu spielen.