TODESFALL. Auch spielwiese.at trägt Trauer. Erwin Glonnegger ist tot. Ohne ihn wäre die Erfolgsgeschichte des Brettspielens in jüngerer Vergangenheit nicht denkbar.
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Erwin Glonnegger † Bild: Ravensburger |
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Er war ein feiner Mann. Fein im Sinne von feinsinnig und im Sinne eines Habitus, dass er überzeugt von seinem Tun war, seine Bedeutung, die er sich im Laufe von Jahrzehnten erarbeteitete, zwar bewusst war, jedoch zu keiner Sekunde mit Überheblichkeit paarte. Er hörte zu, gab seine Meinung und Erfahrung preis, und damit ließ er es bewenden. Überzeugt davon, das Richtige zu tun.
Und das tat er im Laufe seines Berufslebens oft. Erwin Glonnegger kam 1949 zum Ravensburger Verlag, erkannte die gesellschaftlichen Strömungen jener Zeit und betrieb dort, in der tiefen Provinz, seinen Plan: Ein stück Glück, ein Stück Sehnsucht, ein Stück Zusammengehörigkeitsgefühl in die Wohnzimmer zu tragen. Mit Spielen.
So banal, so naiv dieser Gedanke heute anmutet – gäbe es die vielbeschworene "deutsche" Spielekultur ohne Memory, Malefiz, ohne Puzzles, ohne Scotland Yard, ohne Abenteuer Tierwelt, ohne Hase und Igel, und, und, und? Nein. Er hat solche Klassiker alle erst auf dem Markt gebracht. Er hat als wohl Erster gesehen, dass die Welt des Spielens internationale Wurzeln hat und international nach Ideen Ausschau gehalten, hat Autoren entdeckt und gefördert und ihre Einfälle in Deutschland umgesetzt.
Erwin Glonnegger hat damit nicht nur seinen Arbeitgeber, Ravensburger, für lange Zeit zum Marktführer und Trendsetter gemacht. Ohne diesen immensen Erfolg wäre im deutschprachigen Raum, der sich damit deutlich von allen Märkten unterschied, auch nicht jene Basis gelegt worden, aus der viel später die "German games" hervorgehen sollten und als Blaupause für eine weltweite Begeisterung für Gesellschaftsspiele dienten.
Erwin Glonnegger war von 1949 bis zur seiner Pensionierung 1985 zwar "nur" Angestellter und natürlich ein Kind seiner Zeit, tatsächlich aber das, was heute weitgehend der gesamten Branche fehlt: Ein Verleger im wahren Sinn des Wortes.
Er starb 90-jährig am 6. Februar in Ravensburg. Er hinterlässt nicht zuletzt auch eine Reihe von Büchern und Aufsätzen, in denen er den tiefen Kern Sinn des Spielens treffsicher beschreibt. Sie bleiben sein Vermächtnis auch dann, wenn eines Tages das letzte von ihm bearbeitete Spiel nicht mehr produziert werden sollte.
A.M.
Siehe auch Blog-Beitrag Abschied


… mit Freunden einen gemütlichen Abend zu verbringen.