ÖSTERREICH. Journalistisch auf den Punkt gebracht: In der ersten Maiwoche entscheidet sich, ob in Österreich jemals wieder eine Spiele-Großveranstaltung stattfinden wird. Durch die offizielle "Pause" für das traditionelle Spielefest in diesem Jahr sind die Spielehersteller initiativ geworden.
Nach den Zerwürfnissen hinter den Kulissen rund ums österreichische Spielefest sehen sich die wichtigsten Vertreter der Spieleverlage nach einer Alternative um. Wie von spielwiese.at gestern berichtet, legt Spielefest-Veranstalter Ferdinand de Cassan für 2016 offiziell eine "Pause" ein. Die Verlage, respektive ihre Österreich-Ableger, haben beim Messeveranstalter Reed Exhibitions angeklopft, bestätigt dessen Presseprecher Paul Hammerl spielwiese.at. Für Anfang Mai wird Reed Exhibitions zum vertiefenden Gespräch einladen.
Reed Exhibitions veranstaltet unter anderem die Modellbau-Messe und den "ViennaComicCon" in Wien und unterhält – als Ausnahme innerhalb des internationalen Konzerns – mit der Messe Wien selbst ein eigenes modernes Messegelände.
Bei beiden thematisch kompatiblen Messen "Modellbau" Ende Oktober und "ViennaComicCon" zum ursprünglichen Spielefest-Termin im November wäre Platz für Gesellschaftsspiele vorhanden. Hammerl: "Für uns sind beide Termine Denkvarianten. Aber soweit sind wir noch nicht. Staus quo ist: Wir haben die Anfrage der Keyplayer im Haus und finden das Thema Spielen grundsätzlich interessant." Anfang Mai sollen Möglichkeiten und Bedingungen erstmals am gemeinsamen Tisch sondiert werden. Auf die Frage, ob ein solches Vorhaben bis Oktober oder Herbst überhaupt realisierbar sei, sagt der Reed-Pressesprecher: "Der Zeitfaktor ist ambitioniert, aber wir sind es gewohnt, auch kurzfristig bestehenden Messen etwas hinzuzufügen. Wichtig ist der Schulterschluss mit der Branche. Es geht ums Wollen und ein klares Commitment."
Dass die Spieleverlage einen Ersatz für das Spielefest wollen, liegt auf der Hand. Schlussendlich geht es jedoch darum, wer von den möglichen Partnern welchen finanziellen Beitrag für diese Veranstaltung zu leisten bereit ist. Hammerl unmissverständlich: "Reed ist ein wirtschaftlich geführtes Privatunternehmen. Unsere Chefs haben uns Hobbys verboten."
Spielefest würde die neue Veranstaltung, wenn sie denn stattfindet, jedenfalls nicht heißen. Für die Bezeichnung "Spielefest" hält Ferdindand de Cassan den Titelschutz für ganz Österreich. de Cassan will auch nicht kampflos aufgeben. Auf der Spielwarenmesse Nürnberg Anfang 2017, wo sich die gesamte internationale Branche trifft, werde er die Chancen ausloten, im nächsten Jahr das Spielefest wieder durchzuführen. Soweit der aktuelle Stand aus seiner Sicht. Momentan konzentriert sich de Cassan auf die Ausrichtung eines bescheideneren Spiele-Events Ende Juni. Es wird, wie bereits berichtet, "ViennaCON" heißen.
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