
Der Verlag Drei Magier Spiele ist gerade Mal knapp 15 Jahre alt und eine fixe Größe im Spielehandel. Mehrere seiner Spiele haben renommierte Auszeichnungen erhalten und das Geschäft läuft. Trotzdem haben sich die Verleger Kathi Kappler und Hans Rüttinger – die "Spieler des Jahres 2002 " – bereits seit dem vergangenen Herbst auf die Suche nach neuen Eigentümern gemacht. Die Spielwiese hat den Hintergrund.
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Schmidt-Geschäftsführer Axel Kaldenhoven: "Für die Endverbraucher bleibt alles beim Alten."
Fotos: Spielwiese
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Hans Rüttinger und Kathi Kappler konzentrieren sich in Zukunft aufs Verlegen von Kinderbüchern. |
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Mitte Oktober werden Kathi Kappler und Hans Rüttinger auf der Frankfurter Buchmesse ihre ersten drei verlegten Kinderbücher poräsentieren. Auf vier Quadratmeter Ausstellungsfläche statt auf 75, die sie bisher auf der "Spiel" in Essen hatten. Die beginnt dieses Jahr einen Tag nach der Buchmesse. Zwei Neuheiten von Drei Magier wird es dort zu sehen und zu spielen geben – die letzten, die Kappler und Rüttinger noch mitverantwortet haben.
Mit der Drei-Magier-Neuheit für die Spielwarenmesse in Nürnberg im Februar haben sie bereits nichts mehr zu tun, sondern Schmidt.
Kathi Kappler und Hans Rüttinger gehören nicht zu den Geschäftsleuten, die schnell einmal mit einer Idee eine Firma in die Höhe bringen, um sie dann gewinnbringend wieder zu veräußern. Ihr Geschäftsstil ist vielmehr von Kontinuität, langen Enwicklungszeiten und einer gewissen Zurückhaltung geprägt. Was sehr, sehr klein begonnen hat, hat sich dennoch in wenigen Jahren zu einer beachtlichen Größe entwickelt. Das kostete allerdings auch Kraft und zehrt. Von Außenstehenden wird die damit verbundene Hektik und mitunter auch die Dramatik des Spieleverlagsgeschäfts kaum wahrgenommen. Sie hat die beiden aber dazu veranlasst, in Zukunft kürzer zu treten. Spiele-Urgestein Rüttinger zählt mitterweile auch schon 61 Lenze und ist seit 40 Jahren selbstständig.
"Wir drehen die Zeit jetzt noch einmal um 15 Jahre zurück", sagt Hans Rüttinger zur Spielwiese – er und Kathi Kappler haben die Markenrechte inklusive der Spiele an Schmidt verkauft – und beginnen mit einem Buchverlag so klein wie damals mit den Drei Magiern. Wie bereits im Februar von der Spielwiese gemeldet, haben die beiden dazu den Verlag "Drei Hasen in der Abendsonne" gegründet.
Funktionierende Partnerschaft
Es war keineswegs eine feindliche Übernahme durch Schmidt, sondern ein freiwilliger Akt, sich Luft und Zeit für den neuen Lebensabschnitt zu verschaffen. Es gab mehrere Interessenten für den Verlag, der unter anderem mit Geistertreppe schon das Kinderspiel des Jahres und mit Nacht der Magier den Deutschen Kinderspielepreis gewonnen hat. Dass es dann die Berliner Blatz-Gruppe mit Schmidt Spiele geworden ist, kommt nicht von ungefähr. Was Schmidt-Chef Axel Kaldenhoven zuvor schon mit Hans im Glück für den gehobenen Familien- und Erwachsenenspielebereich eingefädelt hatte, bewiesen er und Drei Magier dann durch eine erfolgreiche Vertriebskooperation auch für den so genannten Premiumbereich bei Kinderspielen: Drei Magier sorgt sich um das Spieleprogramm, Schmidt um den Handel.
Auch wenn die Marke Drei Magier nun zu Schmidt gehört, will Kaldenhoven am Konzept so wenig als nötig ändern, verrät er im Gespräch mit der Spielwiese: "Wir sind ja glücklich mit der Marke! Für die Endverbraucher ändert sich gar nichts. Was Drei Magier in der Vergangenheit war, nämlich die Philosophie Kinderspiele etwas anders und etwas frecher zu machen, wollen wir beibehalten. Wir sind gerade dabei, ein eigenständiges Redaktionsteam für die Marke Drei Magier auf die Beine zu stellen."
Der dritte Magier bleibt
Rolf Vogt, der für die unverwechselbare Grafik der Drei Magier-Spiele buchstäblich verantwortlich zeichnete, bleibt auch den neuen Eigentümern treu. "Er ist bisher schon der dritte Magier gewesen", freut sich Kaldenhoven. Beim Erscheinungsbild bleibt es also beim Gewohnten.
Auch für die Händler in unseren Breitengraden bleiben die gewohnten Ansprechpartner. In einigen Ländern – zum Beispiel erfolgreich in Südostasien – hatten sich Hans Rüttinger und Kappler zum Teil selbst um die Vertriebspartner für sprachlich angepassten Spielen gekümmert. Das geht jetzt nach und nach zu Schmidt über.
"Der Vertrag ist in trockenen Tüchern", erklärte Kaldenhoven am Montag der Spielwiese, "dass es sich doch länger hingezogen hat, liegt am Rechtsstaat Deutschland" – eine nette Formulierung dafür, dass zwischen Absicht und Wirksamkeit viele rechtliche und steuerliche Fragen zu klären sind, "bis alles gut ist".
Programm bleibt erhalten
Zurück zum Programm: Das werde nicht ausgedünnt, versichert Schmidt-Geschäftsführer Kaldemhoven, "wir werden die Marke weiterentwickeln und den Fokus auf den Kinderspielen behalten". Die Drei Magier haben bei ihrer Sortimentswahl durchaus ein glückliches Händchen bewiesen. "Interessanterweise", erzählt Hans Rüttinger, "sind alle unsere erfolgreichsten Spiele solche, die zuvor woanders abgelehnt wurden: Rüsselbande, Geistertreppe, Kakerlakensalat, Nacht der Magier – wenn uns das auch bei den Kinderbüchern gelingt, dann ist mir nicht Angst."
Man darf gespannt sein, welche Kontakte sich für Hans Rüttinger und Kathi Kappler auf der Frankfurter Buchmesse ergeben. Ob sich auch noch ein Abstecher nach Essen auf die Spielemesse ausgeht, wissen sie noch nicht.
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Hans Rüttinger
… eine Quelle der Lebensenergie die durch den ‚Ernst des Lebens‘ oft eingeschränkt wird.