Meinung

2. JULI 2015

Mein Tipp für das Spiel des Jahres

MILLERS  SPIELWIESE

 

Niemand ist unvoreingenommen. Auch die Mitglieder der Jury Spiel des Jahres nicht. Vieles spricht dieses Jahr für …

 

Die neun Mitglieder der Jury Spiel und Kennerspiel des Jahres brechen dieses Wochenende nach Berlin auf und steigen im Nobelhotel Kempinski am Kürfürstendamm ab. Dort werden sie die sechs Kandidaten der beiden Spielepreise noch einmal testen und diskutieren. Montag dann, am späteren Vormittag, steht die Verkündung der zwei Preisträger an.

«Gott bewahre, dass andere auf diesen Zug aufspringen!  

Bis dahin das altbekannte Spiel: Wer ist Favorit zum Spiel des Jahres 2015? Wie „tickt“ die Jury aktuell? Das verbirgt sie Außenstehenden. Auch mit Recht.

Ich wage dennoch eine Prognose.

Wir haben es mit drei sehr unterschiedlichen Nominierungen für das Spiel des Jahres zu tun. Colt-Express, Machi Koro und The Game. Einziger gemeinsamer Nenner: Alle drei sind Kartenspiele.

Colt-Express ist durch einen dreidimensionalen Eisenbahnzug aufgepeppt, die Handlung spielt in seinem Inneren bzw. auf den Dächern der Waggons. Es wäre auch zweidimensional gegangen, dann aber nicht so „schön“ gewesen. Nachdem die Kinderspieljury dieses Jahr mit Spinderella schon ein dreidimensionales Kinderspiel des Jahres gewählt hat … Nein, ich glaube nicht an einen Verdoppelungseffekt. Eine mögliche Folge wäre – Gott bewahre! –, dass die Verlage in den kommenden Jahren auf diesen Zug aufspringen und den Käufern ähnliche Basteleien zumuten, wie sie notwendig sind, um Colt-Express überhaupt spielen zu können. Davon abgesehen: Das Strickmuster dieses Spiels ist, gelinde gesagt, sehr  simpel. Lässt man 3D weg, bleibt nicht mehr viel. Schon die Nominierung von Colt-Express war, meiner Einschätzung nach, eher unbewusst einem Trend hin zum „Begreiflichen“ geschuldet.

Der zweite Kandidat (streng alphabetisch) stammt aus Japan. Machi Koro ist ein tolles Spiel. Einfach im Ablauf, aber mit einem überzeugenden Spannungsbogen und einer gesunden Portion Interaktion. Dazu mit einer herrlichen Grafik. Asia-Style. Auch der liegt im Trend. Das Spiel hat sofort viele Anhänger gefunden, Kosmos bringt deshalb eine erste Erweiterung heraus.

Ein Trend, der schon seit mehreren Jahren bei Spielen durchschlägt, ist Kooperation. Alle gegen ein – meist im Dunkeln gelassenes fiktives – Etwas. Gewinnen wir als Mitspieler oder gehen wir gemeinsam unter? Diesen Grundgedanken hat Autor Steffen Benndorf mit radikal einfachen Mitteln bei The Game auf die Spitze getrieben. Zahlenkarten (nicht einmal besonders schöne oder originelle!) zwischen 1 und 100, mehr brauchte er nicht für seine Spielidee, als – wohlgemerkt – Gruppe sämtliche Karten loszuwerden. Dabei entwickelt sich ein ganz eigenes Spielgefühl des Zusammenwirkens, geradezu eine innere Verpflichtung, wie man es äußerst selten spürt. The Game spielt sich anders, als man es selbst von Kooperationsspielen gewohnt war.

Erraten, ich tippe auf The Game. Vor allem bei Wiederspielreiz und Innovation, auch beim für ein Spiel des Jahres inzwischen reklamierten Einfachheits-Niveau, hat dieses Spiel die Nase vorne. Auch Machi Koro wäre der Auszeichnung würdig. Findet in den Konferenzzimmern des Kempinksi jedoch Colt-Express die Mehrheit in der Jury, würden das angesichts der beiden Konkurrenten wenige verstehen.

Am Montag werden wir's wissen.

 

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Fehlenden Langzeitreiz sehe ich bei MK. The Game habe ich bestimmt 50 mal gespielt und immer noch Interesse.

Matthias Nagy auf Twitter https://darkpact.tumblr.com

 

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