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Spielwiese-Test 967: Giganten der Lüfte

Wer wird denn gleich in die Luft gehen?

Queen Games zählt derzeit zu den innovativsten Verlagen. Mit diesem Spiel treten sie den Beweis an, dass man ein Würfelspiel auch in ein anspruchsvolles Umfeld betten kann.

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 Wir sind bei Giganten der Lüfte Besitzer einer Luftschiffwerft. Unser Ehrgeiz ist es als Erster ein neues majestätisches Luftschiff fertigzustellen. Liebevoll und stimmig im Detail ist das Spielmaterial gestaltet: Es hat alles noch das Skizzenhafte der damaligen Zeit, der Begriff High-tech war noch nicht einmal angedacht.

Allem hängt noch der Geruch des Provisorischen an. Ferdinand Graf von Zeppelin, Charles Renard oder Umberto Nobile hatten halt noch keine Windkanäle, CAD-Computer und Metallurgielabors, sondern noch heftig mit Versuch und Irrtum zu kämpfen. Deshalb ist auch das Würfeln als bestimmender Faktor bei Giganten der Lüfte nicht aufgesetzt.

Selbst anspruchsvolle Spieler erliegen dem Reiz dieses Spiels, weil Autor Andreas Seyfarth seinen ganz persönlichen Zugang zum Medium Spielkarten einmal mehr unter Beweis stellt: Wie beispielsweise bei San Juan haben auch hier die Spielkarten mehrere Funktionen, nur dieses Mal in Verbindung mit den Würfeln.

Als Erstes wird immer eine der so genannten Ausbaukarten zu Beginn eines Zuges vom verdeckten Stapel aufgenommen und auf bestimmte Felder des Spielplans gelegt. Damit erweitert sich die Auslage für diesen und die anderen Spieler. Diese Ausbaukarten in sechs Kategorien haben wie auch die Luftschiffkarten oben zwei Informationen und unten ein oder mehrere Symbole:
 

  • links oben stehen ein bis drei Würfel in den Farben Weiß, Rot und Schwarz und bezeichnen die Würfelkombination, mit der um diese Karte gewürfelt werden muss, um sie in Besitz nehmen zu dürfen. Es handelt sich anders ausgedrückt um den Kaufpreis einer Karte
  • rechts oben steht eine Zahl, die mit der Würfelkombination in einem Wurf erzielt werden muss
  • unten können ein oder mehrere Würfelsymbole stehen: ist die Karte im Besitz des Spielers, dann kann er für jeden abgebildeten Würfel seiner vor ihm liegenden Karten jeweils einen realen Würfel für seinen Versuch verwenden. Beispiel: Ein Spieler hat es auf eine Ausbaukarte abgesehen, die drei weiße Würfel und die Zahl 7 zeigt, dann muss der Spieler auf seinem Firmentableau entsprechende Ausbaukarten liegen haben, die in Summe unten mindestens drei weiße Würfel zeigen.


Die Spiellkarten können unten aber auch Siegpunkte und andere nützliche Symbole haben. Aber davon später.

Möglichkeiten der eigenen Werft

Natürlich gehört Glück bei Giganten der Lüfte dazu. Man hat trotzdem nicht das Gefühl, völlig dem Zufall ausgeliefert zu sein. Was auch objektiv betrachtet nicht stimmen würde. Die Spieler haben mit fortschreitender Dauer immer mehr Einflussmöglichkeiten. Sie hängen auch stark davon ab, welches der beiden möglichen Spielenden ein Spieler herbeiführen möchte: Will man möglichst schnell die Luftschiffkarten abräumen (das ist die etwas sicherere Methode) oder will man alle vier Bauabschnitte des Luftschiffs "Hindenburg" abschließen? Dabei winken fettere Punkte, aber es wird ohne Beihilfe von Mitspielern – abgesprochen oder nicht – nur schwer möglich sein.

Je wertvoller bzw. entscheidender die einzelnen Ausbaukarten sind, desto teurer kommt ihr Erwerb. Zu Beginn starten alle Spieler mit nur drei weißen Würfeln. Rote und schwarze Würfel, die man mit Fortschreiten des Spiels benötigt, müssen zuerst mit einfacheren Würfelkombinationen in Form der entsprechenden Ausbaukarten erworben werden. Diese werden in das Firmentableau gelegt. Das ist sozusagen die eigene Werft des Spielers.

Dass man sich hier unbechränkt die guten Karten sammeln und zurechtlegen kann, geht nicht. In jeder der sechs Kategorien ist immer nur für eine Ausbaukarte Platz. Wer es – als Beispiel – auf eine in der Auslage liegende Ausbaukarte Motor abgesehen hat, muss sich immer vor Augen halten, dass er dafür eine andere Ausbaukarte Motor, die schon in seiner Werft liegt, abgeben muss. Damit sind auch die Vorteile weg, die mit der Karte verbunden sind, die er schon in Besitz hat. Das wird, wenn man Giganten der Lüfte das erstemal spielt, leicht übersehen. Die Frage ist also: Bringt mir die neue Karte mehr als die andere? – Auch im Hinblick auf die Wertung am Spielende, denn mehrere Ausbaukarten haben Siegpunkte aufgedruckt.

Es stehen also im Verlauf des Spiels immer wieder und immer öfter grundsätzliche Entscheidungen an, die von den Spielern unterschiedlich getroffen werden.

Dem Glück etwas nachhelfen

Wie schon erwähnt, ist das Würfeln der zentrale Punkt bei diesem Spiel. Dabei kann dem Glück in einem gewissen Rahmen nachgeholfen werden. Die Spieler haben zu Beginn Bonus-Chips erhalten. Mit jedem Bonus-Chip kann ein Würfelergebnis um einen Punkt verbessert werden. Nach dem Einsatz ist der Bonus-Chip weg und Nachschub gibt es nur über entsprechende Ausbaukarten. Ohne Bonus-Chip kann man sich auch nicht am Bau der "Hindenburg" im obersten Bereich des Spielplans beteiligen und fette Punkte sammeln, denn jeder Bauabschnitt muss mit einem Bonus-Chip markiert werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich beizeiten Ausbaukarten zu sichern, die ein Würfelergebnis in Weiß, Rot oder Schwarz erhöhen. Das sind bei erfahrenen Spielern die begehrtesten Ausbaukarten.

Und schließlich gibt es noch ein kleines Luftschiff aus Holz: Das wechselt immer dann zu einem anderen Spieler, wenn jemand eine Luftschiffkarte erworben hat. Wer das Holz-Luftschiff besitzt, hat automatisch einen Würfelpunkt mehr.

Fazit

Giganten der Lüfte ist alles andere als ein reines Glücksspiel. Zwar ist man ohne Gnade von Göttin Fortuna aufgeschmissen, aber der Weg zum Sieg führt vor allem über die optimale Ausnützung der gerade zur Verfügung stehenden Karten. Der Einstieg ins Spielgeschehen geht schnell. Zur Erklärung sind nur wenige Sätze notwendig. Was später alles passiert, schließt logisch an das einfache Grundprinzip von Würfeln-Kaufen-Auslegen an. Da auch die Spieldauer überschaubar ist und die Spannung kontinuierlich zunimmt, ist Giganten der Lüfte ein rundum gelungenes Familienspiel.

Eines der besten Spiele, das uns in letzter Zeit auf den Spieltisch gekommen ist!


 

 Nr. 967: Giganten der Lüfte

 

Spielwiese-Code  |   | G | 10 |

2007: Queen Game

 

  • Sammelspiel für 2 bis 4 Spieler ab ca. 10 Jahre
  • Autor: Andreas Seyfarth
  • Verlag: Queen Games
  • ca.-Preis: 23,– €

   Themen: Luftfahrt, Zeppeline

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Thema: Die Spieler bauen an Luftschiffen und wollen schneller und besser als ihre Konkurrenten sein
  • Zielgruppe: Familien und Erwachsene
  • Spieldauer: 45 Minuten
  • Spielmaterial: ausgezechnet
  • Schachtelinformation: wie bei Queen Games üblich sehr gut und treffend mit Illustrationen zum Spielablauf erklärt
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: keine besonderen Fähigkeiten vonnöten, entscheidend ist taktisches Geschick
  • Spielreiz: sehr hoch, weil das Thema sehr flüssig und stimmig umgesetzt wurde
  • Glücksanteil: hoch

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen
 



 


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