• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Vom Siedeln auf Catan

Kosmos: (Die Siedler von) Catan (1995)

Eine der ersten Ausgaben des Jahrhundertspiels, damals noch mit Spielfiguren aus Holz.

(Bild: Kosmos)

  

2003 wurde von Holz auf buntes Plastik gewechselt.

"Catan, ein malerisches Eiland in­mitten eines unbekannten Ozeans, ist nach dem Willen des Autors mit den wichtigsten Na­tur­schätzen ausgestattet, die für eine erfolgversprechende Be­siedlungstätigkeit vonnöten sind.“ So leitete Die Spielwiese 1995 ihre Spielrezension von Die Siedler von Catan ein. Der Titel lautete „Landeroberung, diesmal friedlich“, denn Mitte der 1990er Jahre hatten Spiele mit durchaus militärischem Charakter wieder einmal ein Hoch.

.

Catan – Das Spiel, wie es heute heißt oder einach nur Catan, ist zweifelsohne zu dem modernen Klassiker schlechthin geworden. Bevor wir abschließend zur Rezension zurückkehren, die auch ein Gefühl für die Zeit vermittelt, in die Catan gefallen ist, Daten, einige Fakten und Anekdoten rund um das Spiel. Weitere Hintergründe findest du auch in "Spielspaß '20 – Das Jahrbuch für Spielbegeisterte", das den 25. Geburtstag des Spiels und seinen Schöpfer Klaus Teuber zur Titelstory hatte. Hier kannst du das Jahrbuch kostenlos lesen und herunterladen.

.

Autor Klaus Teuber 2015 mit einigen Ausgaben und Erweiterungen seines Erfolgsspiels.

(Bild: Kosmos)

   

.

Eckpunkte in der Catan-Geschichte

  • 1995 Das Spiel wird als Die Siedler von Catan vom Verlag – der damals noch als Franckh Kosmos firmiert – auf der Spielwarenmesse in Nürnberg vorgestellt
  • 1995 Auszeichnung als „Spiel des Jahres 1995“ – es ist der bereits vierte Titel für Autor Klaus Teuber
  • 1996 Es erscheinen das Erweiterungsset für 5 und 6 Spieler und im Herbst Die Siedler von Catan – Kartenspiel
  • 1996 Bei Mayfair Games erscheint die erste englischsprachige Ausgabe The Settlers of Catan und tritt in den USA nicht nur eine „Catan“-Welle los, sondern generell für Spiele dieser Art – die Wurzel der späteren Begriffe „German Games“ bzw. „Eurogames“
  • 1997 Mit Seefahrer beginnt der Reigen der großen Erweiterungen
  • 2003 Beim Spielmaterial weicht Holz dem Kunststoff – nicht jedermann ist begeistert davon
  • 2007 Die Siedler von Catan – Das Würfelspiel und Die Siedler von Catan Junior erscheinen
  • 2009 Andere asiatische Länder „siedeln“ bereits mit Leidenschaft, jetzt fasst das Spiel aber auch in China Fuß
  • 2010 Das Kartenspiel erhält den neuen Namen Die Fürsten von Catan
  • 2013 Das Basisspiel wird mit einer App zum leichteren Einstieg ergänzt
  • 2015 Ab diesem Jahr wird auf den Präfix verzichtet, zur Markenbildung werden alle Titel sukzessive umgestellt und das Basisspiel heißt nun Catan – Das Spiel
  • 2016 Aus dem „Fürsten“-Kartenspiel wird Catan – Das Duell
  • 2020 Zum 25. Geburtstag gibt es das Basisspiel mitsamt der Erweiterung Seefahrer sowie den Szenarien Iberische Halbinsel und Hawaii in einer Box
  • 2020 Weltweit beträgt die Gesamtauflage inzwischen mehr als 30 Millionen Catan-Spiele

.

Catan – Wissenswertes und Kurioses

  • Jeder kennt das Bild der großen Sonne vor rotem Hintergrund – doch geht sie eigentlich auf oder unter? So genau weiß das selbst Klaus Teuber nicht. Geprägt hat das Erscheinungsbild Reiner Müller, Spieleredakteur bei Kosmos. Inspiriert wurde er vom Werbeplakat zum Musical „Miss Saigon“ (rechts), an dem er in Stuttgart oft vorbei fuhr.
  • Der Name Catan wurde aus einer Auswahl von zehn Fantasienamen aus phonetischen Gründen gewählt. Dass dieser Name auch außerhalb des deutschsprachigen Marktes zu verwenden ist, schien bei einer Erstauf­lage von 3000 Exemplaren noch nicht bedeutsam.
  • Catan hat nicht nur in Deutschland große Verbreitung gefunden. Die meisten Spiele wurden im Verhältnis zur Bevölkerung in den Niederlanden verkauft. Selbst in Island, den geografischen Koordinaten der Spielinsel Catan sehr nahe, ist das Spiel verlegt worden. In Japan wurde es zum Erfolg, nachdem die Größe des Spielplans den in diesem Land deutlich kleineren Wohnzimmertischen angepasst wurde.
  • Am 10. Oktober 2015 stellten Fans auf der Spielemesse in Essen einen Weltrekord auf: 1040 Spieler spielten gemeinsam Catan an einem fast 500 Meter langen Spielbrett. Die jüngsten „Spieler“ waren dabei gerade mal einige Monate alt.
  • Ein Team von Studenten und Studentinnen der Technischen Universität Hamburg entwarf im Zuge eines interdisziplinären Bachelor-Projekts gemeinsam mit dem Zentrum für Lehre und Lernen und dem Blinden und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. ein Catan, das auch von Nicht-Sehenden gespielt werden kann. Visuelle Elemente wurden dabei vor allem durch haptische Elemente ersetzt.
  • Die Geschichte des ersten Catan-PC-Spiels begann mit Excel. Klaus Teuber hatte mit dem Microsoft-Programm eine komplette KI (Künstliche Intelligenz) für sein Spiel geschrieben. Für den – überschätzten – Markt brachte nicht Kosmos, sondern Ravensburger 1999 die erste autorisierte Computerversion mit dem Titel „Catan – Die erste Insel“ heraus.
    Heute spielen Fans online über unterschiedliche Endgeräte im „Catan Universe“– wann und wo sie wollen. Manchmal treten sie dabei gegen Klaus Teuber höchstpersönlich an, ohne es zu wissen - wenn dieser unter Pseudonym einer Partie einfach nicht widerstehen kann.
  • Im realen Leben konnte man dieses Jahr bis Mitte September nach Catan reisen: Unter freiem Himmel wurde auf der Blumeninsel Mainau im Bodensee ein überdimensionales begehbares Catan-Spielfeld angelegt. Die aus dem Spiel bekannten Rohstoffe Holz, Lehm, Wolle, Erz und Getreide wurden mittels ausgewählter Pflanzen, verschiedener Bodenbeläge und passenden Objekten umgesetzt. Ein Wüstenfeld fungierte als Sandkasten für die jüngsten Besucher. Theoretisch hätte man auch tatsächlich Catan spielen könnte, nur dass ein jedes Feld um ein Vielfaches größer ist und rund 23 Quadratmeter maß (Bild rechts).

.

Weiter im Text: Rezension und Kommentar zum außergewöhnlichen Spiel

Weiter schrieb Andreas Waltensdorfer in Ausgabe 31: "Ackerland, Wald und Weideland stehen in ausreichender Menge zur Verfügung, der für den Häuser- und Straßenbau benötigte Lehm ist im Hügelland zu finden und im Gebirge gibt es gewaltige Erzvorkommen. Aus den genannten Feldern, in Form von sechseckigen Spielplättchen, setzt sich die variable Inselland­schaft zusammen, wobei Gebirge und Hügelland dreimal vorhanden sind, die drei anderen Kate­gorien je viermal. Dazu kommen noch ein unproduktives Wüstenfeld und rundherum die Mee­resfelder. Die derart nach dem Zufallsprinzip entstandene Insel wird nun noch spiralförmig mit Zahlenchips in vorgegebener Reihenfolge belegt; das Wüstenfeld bleibt ausgespart.

Ziel des Spiels ist es, als Erster zehn Sieg­punkte zu ergattern, wobei jede eigene Sied­lung prinzipiell einen Punkt, jede Stadt zwei Punkte bringt. Für deren Bau werden allerdings Rohstoffe benötigt.

Siedlungen werden an den Punkten errichtet, an denen drei Felder aneinandergrenzen (im Spiel als Kreuzungen bezeichnet). Der betreffende Spieler ist in der Folge an der Rohstoff­produktion dieser Felder beteiligt.

Rangelei. Zu Spielbeginn rangeln sich die Spieler um die besten Startplätze, denn jeder beginnt mit zwei Siedlungen. Der Ertrag der zweiten Siedlung wird sofort ausbezahlt (ein Rohstoffkärtchen pro angrenzendem Feld). Im weiteren Verlauf des Spiels besteht die erste Handlung jedes Spielers darin, mit zwei Würfel auszuwürfeln, welches Feld einen Ertrag abwirft. Dabei bringt das Feld, dessen Zahlenchip mit der Würfelsumme über­einstimmt, jedem beteiligten Spieler eine Rohstoffkarte (im Fall einer angrenzenden Stadt zwei entsprechende Kar­ten). Statistisch gesehen werden dabei Werte um 7 natürlich häufiger vorkommen als Grenzwerte wie 2 oder 12, weshalb auch die betreffenden Felder logischerweise begehrtere Siedlungsge­biete darstellen.

Während das Würfeln bei jedem Spielzug für alle von Interesse ist, kann der darauffolgende Handel mit Rohstoffkar­ten nur mit dem am Zug befindlichen Spieler erfolgen. (Wobei es aber jedem Spieler erlaubt ist, eigene Tauschvorschläge einzubringen.) Sollte sich allerdings kein geeigneter Handelspartner finden, so kann der sogenannte Binnenhandel ausgeführt werden, d.h. vier gleiche Rohstoffkarten können gegen eine beliebige an­dere Karte getauscht werden. Bestimmte Hafen­felder erlauben (sofern man dort eine Siedlung besitzt) eine wesentlich günstigere Tauschquote von 3:1 oder 2:1, allerdings nur für ein bestimmtes Produkt, z.B. Getreide. Durch diese Vielfalt an Handelsop­tionen ist eine totale Abhängigkeit von den Mitspielern ausgeschlossen.

Als dritte und letzte Aktionsmöglichkeit kann mit den derart erworbenen Rohstoffkarten ge­baut werden: Für den Bau von Straßen, Sied­lungen und Städten ist eine bestimmte Produkt­kombination abzugeben. Dabei gilt die Bedingung, daß zu jeder neuen Siedlung eine eigene Straße hinführen muß, und darüber hinaus darf nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Siedlungen gebaut werden. Vielmehr muß mindestens eine freie Kreuzung dazwischenliegen. Nur bereits bestehende Siedlungen können zu Städten ausgebaut werden.

Räuber. Als unberechenbares Element ist noch der Kauf von Entwicklungs­karten möglich, wodurch ebenfalls Siegpunkte erworben werden können. Außerdem sind darunter Ritterkarten – bei deren Einsatz kann, ebenso wie beim Würfeln einer 7, die schwarze Räuberfigur auf ein beliebiges Spielplanfeld ge­stellt werden, das somit vorläufig von der Produk­tion ausgeschlossen wird. Zusätzlich darf man einem Spieler, der an diesem Feld beteiligt ist, eine Karte entwenden.

Apropos Ritter: Im Gegensatz zu den bisher bekannten Besiedlungs­spielen wie z.B. Targui, Minos, Rheingold etc. ist es Klaus Teuber mit Die Siedler von Catan gelungen, gänzlich ohne kriegerische Spielhandlungen auszukommen. Das Aus­spielen einer Ritterkarte kann nicht als Kampf­handlung zwischen zwei Spielern verstanden werden. Der Einsatz von Rittern kann aber auch direkt zum Sieg verhelfen, da je zwei zusätzliche Sieg­punkte an jene Spieler vergeben werden, die über die größte Ritter­macht bzw. über die längste ununterbrochene Handelsstraße verfügen.

Maßstäbe. Eine weitere Novität stellt die wirklich vorbildliche Spielregel dar. Das gesamte Regelwerk für ein derart komplexes Spiel auf einer Seite (Sie haben richtig gelesen) und noch dazu in vollständiger und leicht verständlicher Form unterzubringen, ist bislang noch nicht gelungen. Der beigelegte, 12seitige „Kleine Siedler-Alma­nach“ hilft bei Zweifels­fällen in Form von alphabetisch gereihten Stich­wörtern weiter. Außer­dem wird für Ein­steiger eine exemplarische Startaufstellung empfohlen, die zweifellos dazu beiträgt, übliche Fehler beim ersten Spiel schon in der Startphase zu vermeiden. Über die Chancengleichheit bei dieser Grundaufstellung läßt sich sicher diskutieren – ich selbst habe bei späteren Spielen weitaus ausgewogenere Aus­gangs­s­i­tu­ationen erlebt.

Wenn ich schon beim Meckern bin, noch ein letzter Kritikpunkt: Ob­wohl das Material die gewohnt hohe Franckh-Qualität aufweist, ist die Farbgebung der Spiel­figuren keineswegs günstig, sodaß man bei den zu ähnlichen roten und orangen Spielfiguren bei schlechten Lichtverhält­nissen schon sehr genau hinschauen muß (geändert durch die spätere Ausstattung in Plastik, Anm.).

Doch selbst die zuletzt genannten Mängel können nicht darüber hinwegtäuschen, daß Die Siedler von Catan zu den absoluten Top-Spielen zu zählen ist. Die Mischung von strategischen, taktischen und Glücksele­menten ist hervorragend gelungen, auch wenn auf den ersten Blick der Anschein erweckt wird, daß Zufallselemente (Würfeln, Karten ziehen) sehr stark vorhanden sind. Durch die vielfältigen spielerischen Mög­lich­keiten, die zum Ziel führen, wird die Bedeu­tung dieser Faktoren jedoch stark reduziert. Alle Spielmechanismen ergänzen sich derart harmonisch zu einem stimmigen Ganzen."

.

Kommentar aus Spielwiese 31 (1995)

„Von vielen Journali­sten wird Die Siedler von Catan als der Favorit für den Preis „Spiel des Jahres“ betrachtet. Ich selbst bin da etwas skeptischer, wobei ich aber keineswegs bezweifle, daß das Spiel mehrheitsfähig ist, und aus eigener Beobachtung weiß ich, daß selbst blutige An­fänger ohne Probleme ins Spielgeschehen einsteigen können. Ich glaube einfach, daß das Spiel zu gut ist, um den Kriterien der Juroren zu genügen.

Die Siedler von Catan ist nicht ein bloßes High-End-Produkt spielerischer Einheitskost, wie sie von der Jury forciert wird, vielmehr wurde hier bereits eine höhere Entwicklungsstufe des Familienspiels erreicht. Otto Normalspieler, der sich am Etikett „Spiel des Jahres“ orientiert, wird der Zugang zum nächsten Level wohl auch heuer verwehrt bleiben, wenngleich eine Nominie­rung doch unvermeidbar erscheint. Doch die Jury ist bekanntlich immer für Überraschungen gut.“

aw

Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .