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"Spiel digital": Offene Worte zur Halbzeit

 MESSE.  Von einer „reinen Achterbahnfahrt“ und „gruseligen Momenten“, aber auch von „irren Zugriffszahlen“ berichtet Dominique Metzler als Veranstalterin der „Spiel digital“. In einem Talk-Format gibt sie tiefe Einblicke in die Vorbereitung und Umsetzung der digitalen Spielemesse.

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Dominique Metzler (rechts, mitte) gestern Abend beim Video-Talk

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Gestern Abend, wenn die reale Messe längst geschlossen hätte, die Besucher entweder auf der Heimfahrt wären oder im Hotel neue Spiele ausprobiert hätten. Geschäftsführerin Dominique Metzler diskutiert in einem Live-Stream mit Peter Berneisen von Pegasus und Daniel Theuerkaufer vom Kleinverlag Board Game Circus. Es geht eine Stunde lang um „Digitalisierung der Brettspiel-Branche“. Hier die wichtigsten Aussagen.

Messe ja oder nein?

Die Durchführung der realen „Spiel“ musste am 18. Mai wegen Corona abgesagt werden. Zwei Tage später wurde die Durchführung der „Spiel digital“ verkündet und Entwickler gesucht und beauftragt. Es war ein größeres Wagnis, als bisher von außen wahrgenommen wurde. „Wir haben die Verlage vorher nicht gefragt“, sagte Metzler. „Wenn du zehn gefragt hättest, hättest du zehn verschiedene Antworten bekommen. Es war ein Moment, wo du ganz alleine entschieden hast.“

Etwas später gab es eine Video-Konferenz mit dem Fachverband Spieleverlage e.V. „Was auch ziemlich gruselig war in diesem Moment: Ein Zoom mit 20 Geschäftsführern, dann stellst du, zu einer Zeit wo du noch gar nichts hast, diese Plattform vor. Dann versuchst du zu erklären, was das werden soll. Ich glaube, dass einige nur deshalb ja gesagt haben, weil wir in dieser blöden Situation waren, keine Spiel machen zu können. So ganz überzeugt waren die davon nicht unbedingt.“

Einige kleinere Verlage hatten erklärt, sie seien damit völlig überfordert. „Das kann ich auch nachvollziehen“, gelte aber auch für die großen, weil es für alle „völlig ungewohntes Terrain war“.

Das Zusammenspiel Messe – Aussteller

„Einige (Aussteller, Anm.) haben sich gut vorbereitet auf die Spiel digital, andere weniger gut. Das sieht man jetzt, wenn man auf die Stände geht“, sagt Metzler und bestätigt, was auch spielwiese.at-Herausgeber gestern in seinem Blog Der Wille zählt fürs Werk aufzeigte. „In der Umsetzung sehen wir ja auch, wir müssen noch ganz viel nachbessern. Auch weil Aussteller reingegrätscht sind, dass da Dinge in ganz falschen Kategorien stehen, beispielsweise. Dann ist das unschön. Das ist etwas, woran wir an einer nächsten Ausgabe ganz stark daran arbeiten müssen.“ Als Veranstalter müsse man noch stärker kontrollieren, dass die Aussteller „bewusst oder unbewusst“ nicht für irreführende Inhalte oder Zuordnungen sorgen.

Besucher, Zugriffszahlen und Resonanz

„Wir hatten irre Zugriffszahlen, das hätte ich mir niemals vorstellen können!“ bilanziert Metzler nach zwei digitalen Messetagen. „Wir könnten eigentlich jetzt zumachen und sagen, es ist ein Rekord, ein großer Rekord.“ Konkrete Zahlen werden allerdings erst in etwa einer Woche genannt.

So viel ließ Dominique Metzler allerdings durchblicken: „Ich sage mal, wir haben sehr viel mehr Menschen erreicht, die wir normalerweise nicht erreicht hätten. Und die kommen nicht alle aus dem Ausland, das stimmt nicht. Es sind sehr sehr viele deutsche User dabei.“ Sie hatte sich erwartet, dass etwa 70 Prozent aus dem Ausland auf die „Spiel digital“ zugreifen. Nach ersten Erfahrungen schätzt sie, dass das Verhältnis eher nahe um die Fifty-Fifty liegen wird.

Natürlich gebe es Besucher, „die sagen, was ihr da macht ist ja ganz fürchterlich. Ich mag die Plattform nicht, mag das nicht, mag das nicht. Muss man ganz klar sehen. Ich habe deshalb über Twitter gefragt: Sagt uns, wie es war. Und es ist überwiegend so: Die haben vielleicht nicht alles gemocht an dem Paket ,Spiel digital’, aber die allermeisten haben vieles gemocht. Und ohne ,Spiel digital' hätten sie schlichtweg gar nichts bekommen."

Die Besucher "erleben keine ,Spiel’, sie erleben eine Online-Messe. Es ist nicht schlechter, nicht besser – es ist anders. Man kann sich einen guten Überblick verschaffen und, das habe ich in vielen Chats gelesen, dass sie das erste Mal an einem virtuellen Spieltisch gesessen sind. Sich vorher niemals getraut haben, aber mit einem guten Gefühl rausgegangen sind.“

Und 2021?

Metzler: „Wenn wir stattfinden können sollten, ist die Frage in welchem Umfang. Dann kann die ,Spiel digital’ nicht mit diesem Aufwand, wie er dieses Jahr betrieben wurde, stattfinden. Da müssen wir noch ganz viel umstricken. Und im worst case noch eine zweite ,Spiel digital’ machen müssen.“

Die Messeveranstalterin wirft auch die Frage auf, was im Frühjahr sein kann. Denn die Internationale Spielwarenmesse Nürnberg wurde, wie berichtet, bereits auf einen Sommertermin verschoben. Sie ist für den Business-Bereich wichtig. Vielleicht wolle die Branche aber bereits im Frühjahr noch einmal eine „Spiel digital“ haben. „Da ist vieles möglich, aber wir müssen abwarten, wie sich das alles entwickelt. Ich glaube, ich fürchte, wir haben noch lange damit zu tun. Ich freu mich, dass wir den Mut gehabt haben, dass wir das gemacht haben.“

Und, wie so oft mit dem Herz auf der Zunge: „Unterm Strich: Ich möchte meine Hallen wieder zurück! Ich möchte dieses Riechen, dieses Hören, dieses Menschen-dort-in-den-Arm nehmen. Selbst den Stau bis nach Breitscheid. Essen ist wie ein Fest für alle.“

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