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Spielwiese-Test 1418: Codex Naturalis

Mit der Ecke gedacht

Es gibt das geflügelte Wort, um die Ecke zu denken. Hier haben wir es mit einem Legespiel zu tun, bei dem quasi mit den Ecken gespielt wird, nämlich den Ecken von Spielkarten.

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Nr. 1418: Codex Naturalis | Spielwiese-Code  |  | G | 8 |  |


2021: Huch

 Was ist's? 
  • Lege- und Kartenspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Thomas Dupont
  • Grafik: Maxime Morin
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Verlag: Huch
  • ca.-Preis: 19,– €

 Für wen?  

  • Legespielfans

 Was braucht's?  

  • Gute Chancenabwägung und taktisches Gespür

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 Die gute Nachricht  

Sehr schmuck in einer kleinen Metallbox

 Die schlechte Nachricht  

Der Golddruck sowie die Unterscheidung der blauen und grünen Karten sind bei ungünstigem Licht (zB direkt von oben) ein großes Problem beim Erkennen der ausliegenden Punkteangaben


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Die Karten bei Codex Naturalis werden an den Ecken überlappend gelegt. Es kommt auf Symbole an und wie oft sie vorkommen. Daraus ergeben sich einerseits Möglichkeiten, andererseits Punkte. Und wer genau hinschaut entdeckt einen Fehler: Die Mitte rechts angelegte rote Karte steht Kopf. Das war nicht regelkonform.

Bild: spielwiese.at

 Rein ins Spiel!  

Die Machart der kleinen Karten fasziniert sofort. Mit dem teilweisen Golddruck – dazu kommen wir noch – schaut Codex Naturalis schon im Aufbau sehr hochwertig aus. Die Karten fühlen sich auch in der Hand gut an.

Es ist eine Mischung aus Karten- und Legespiel. Als Spieler haben wir immer drei Karten auf der Hand, von denen wir eine pro Zug ausspielen und danach die Hand wieder ergänzen. Die Wahl haben wir aus vier offen liegenden Karten am Tisch und den obersten, verdeckten Karten von zwei Nachziehstapeln.

Was wir wollen und was unser Ziel ist, ist schnell erklärt. Am Ende wollen wir die meisten Punkte haben und Punkte gibt es, wenn wir Karten in bestimmten Kombinationen bzw. Konstellationen vor uns auslegen. Jeder bildet dazu seine eigene Auslage. Die meisten Punkte sammeln sich vornezu während des Spielens. Sie werden sogleich auf einer kleinen Zählkarte – auch sie ist sehr schön gestaltet – mit Markern festgehalten. Zum Schluss gibt es (meist) noch weitere Punkte für öffentliche und Individuelle geheime Aufträge.

Alle Karten können auf der Vorder- und der Rückseite genutzt werden, es muss aber immer die Ausrichtung befolgt werden. In vier Farben – Rot, Blau, Grün und Violett bzw. den diesen zugeordneten Symbolen Pilz, Fuchs, Blätter und Schmetterling – zeigt jede Karte auf jeder Seite zumindest ein Symbol. Hinzu kommen noch die Symbole Federkiel, Tintenfass und eine Schriftrolle.

Was Codex Naturalis besonders macht: Hier werden die Karten nicht aneinander ausgelegt, sondern immer ein Stück weit übereinander, nämlich in den Ecken. Dadurch liegen die Karten versetzt am Tisch, was beim einen und anderen Auftrag eine Rolle spielt, vor allem aber wechselt die Anzahl der jeweiligen Symbole: Jede neue Karte bringt ein oder mehrere weitere Symbole, zugleich können rein theoretisch aber auch bis zu vier Symbole überdeckt werden und verschwinden.

Damit kommen wir zu dem Punkt mit dem Golddruck. Es gibt neben 40 Ressourcenkarten, von denen nur wenige direkt Punkte bringen, 40 explizit Goldkarte genannte Karten, die auf jeden Fall ein und mehr Punkte versprechen. Wie viele und wofür, das sieht man schwarz auf gold in der Mitte an der oberen Kante. An der unteren Kante stehen in einem kleinen hellen Feld als Vorgabe immer ein paar Symbole: Diese müssen in der Auslage des Spielers sichtbar sein, bevor der Spieler diese Karte ausspielen darf. Heißt: Nicht nur, aber hauptsächlich mit den Ressourcenkarten sorge ich dafür, dass ich Goldkarten ausspielen und damit Punkte machen kann. Weil beides einander in zwei Richtungen bedingt, will gut überlegt sein, mit welcher Karte aus der Tischauslage man seine Hand ergänzt. Da muss man hin und wieder zwei, drei Züge vorausdenken.

Oder hoffen, dass bis zum nächsten Zug die Mitspieler die Auslage für mich günstig beeinflusst haben. Das ist der einzige Umstand, bei dem die Spieler zumidest indirekt miteinander zu tun haben. Ansonsten spielt jeder für sich. Das ist ein kleiner Wermutstropfen bei Codex Naturalis, schon deshalb, weil es zu Grübelzeit, sprich: Wartezeit kommen kann.

Doch sonst: Es gilt das Wort von klein, aber fein unbedingt.

PS.:

Wir bezweifeln, dass alle, die Codex Naturalis spielen, die vorgebliche Geschichte hinter dem Spiel bemerken oder gar verstehen. Das ist schade, sie gäbe nämlich einiges her. Nur durch sechs knappe Zellen auf der Rückseite der Metallbox erahnt man ungefähr, worum es geht. Die Spieler sollen die Seiten eines „Codex Naturalis“ zusammenstellen, dies sei ein „geheimes Manuskript“ (von wem?) und zeige die „verschiedenen Spezies der vier Königreiche, die in den ursprünglichen Wäldern leben“. Beim Ausspielen der Karten würde man „Ressourcen“ nützen. Das mit den vier Spezies lässt sich – bei genauem Hinsehen! – noch ergründen: blaue Karten zeigen Säugetiere, rote Karten Pilze, grüne Karten Pflanzen und violette Insekten. Doch welche Königreiche? Welche Wälder? Was passiert mit dem Codex, von wem gehen die Aktionen überhaupt aus?

spielwiese.at hat immer wieder kritisiert, wenn (unpassende) Geschichten an den Haaren herbeigezogen wurden, nur um das Geschehen am Spieltisch zu rechtfertigen. Im vorliegenden Spiel ist es genau umgekehrt. Dass sich in der Spielanleitung kein einziges Wort dazu findet, worum es geht, ist nicht nur völlig ungewöhnlich. Es ist auch nicht nachzuvollziehen. Gerade weil die Karten so toll sind, hätte sich Codex Naturalis ein wenig Background-Vermittlung verdient.

By the way: Die ursprüngliche Bedeutung von Codex war, wie man heute sagen würde,  jene für ein Speichermedium: Die (in Holz gefassten) beschreibbaren Wachstafeln, Papyrus- oder Pergamentblätter waren der Nachfolger der Schriftrolle und der Vorläufer des Buches. Später, vor allem schon zu Zeiten des Buchdrucks, entwickelte sich der Begriff Codex oder Kodex für die Bezeichnung für eine Sammlung an Regeln und Vorschriften – denken wir an den Ehrenkodex oder den Pressekodex.

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 Nochmals spielen?  

Sehr gerne.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Huch zur Verfügung gestellt

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