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Spielwiese-Test 1343: Aqualin

Schwarmbildung

Überraschend herausfordernd ist das neue Zweipersonenspiel Aqualin von Kosmos. Denn die Aufgabe klingt sehr einfach, doch dann beschäftigen die Möglichkeiten die grauen Zellen beider Seiten intensiver als aufs Erste angenommen.

 

Nr. 1343: Aqualin | Spielwiese-Code  |  | G | 9 |  |


2020: Kosmos

 Was ist's? 
  • Setzspiel für 2 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Marcello Bertocchi
  • Grafik: Sophie Rekasowski, Sensit Communication
  • Spieldauer: 20 Minuten
  • Verlag: Kosmos
  • ca.-Preis: 20,– €

 Für wen?  

  • Gute Taktiker

 Was braucht's?  

  • Konzentration, vor allem wenn man auf Tiere spielt
 

 

 
  Abwechselnd setzen die Spieler ein Meerestier ins Riff. Der eine versucht Gruppen aus gleichen Tieren, der andere Gruppen gleicher Farbe zu bilden.

Bild: Kosmos

   

 Die gute Nachricht  

Hervorragendes Spielmaterial

 Die schlechte Nachricht  

Es gibt keine


 Rein ins Spiel!  

Vergleicht man Aqualin mit seinem Prototypen (siehe: Rund ums Spiel), dann ist vorweg einmal ein Kompliment für die Kosmos-Redaktion und das Grafikteam angebracht: Das Spannungsverhältnis zwischen Motiv und Farben ist hervorragend gelöst! Denn genau darum geht es bei diesem Zweipersonenspiel. Nacheinander gesetzt werden farbige Meerestiere und der eine Spieler versucht dabei Schwärme gleicher Tiere zu bilden, während der andere mit zusammenhängenden Steinen gleicher Farbe punktet.

Das klingt simpel, ist es aber nicht.

Von allen sechs Tierarten gibt es in je einer der sechs Farben einen schönen, fingerschmeichelnden Stein aus Kunststoff. 6 x 6 macht 36, und so viele Felder hat auch das Spielbrett, genannt Riff, auf dem die beiden Spieler ins taktische Wettmessen verfallen. Am Ende ist also jedes Feld besetzt. Und schaut, nebenbei gesagt, toll aus.

Die 36 Steine liegen zuerst einmal verdeckt und gemischt am Tisch. Zu Beginn werden sechs beliebige aufgedeckt. Sie bilden die Auslage, die nach jedem Zug wieder aufgefüllt wird, bis der letzte Stein gesetzt ist. Aus diesen sechs Steinen wählt der Spieler am Zug einen Stein und platziert auf ein beliebiges leeres Feld des Riffs. Zuvor hat der Spieler die Möglichkeit, einen bereits vorhandenen Stein waagrecht oder senkrecht zu verschieben. Nur um ein einziges Feld oder auch um so viele, bis er damit anstößt.

Das ist eine der taktischen Raffinessen bei Aqualin. Ein Spieler schafft damit beispielsweise eine Lücke zwischen zwei gleichen Steinen, die er bei seiner eigentlichen Aktion mit einem passenden Stein aus der Auslage schließt. Denn es geht ja um Schwarmbildung, also möglichst viele gleiche Steine – entweder gleiche Tiere oder gleiche Farbe – zu gruppieren. Die Wertung am Ende verläuft exponentiell (das Wort haben wir spätestens mit den Kurven gelernt, die die Coronapandemie verdeutlichen): 2 gleiche Steine bringen 1 Punkt, drei gleiche schon 3 Punkte, vier Steine 6 Punkte, ein Schwarm aus fünf gleichen Steinen ist auch noch zu schaffen und bringt 10 Punkte. Das Maximum mit 15 Punkten zu erzielen, wenn man alle sechs gleichen Steine zu einem Schwarm zusammenbringt … da muss der Gegner nahezu blind gewesen sein!

Das Verschieben oder das Setzen eines Steines, das kennt man von Mühle. Bei Aqualin ist in selben Zug beides erlaubt und treibt den Mühle-Mechanismus samt der Möglichkeit von Zwickmühlen quasi auf die Spitze.

Da bis fast ans Spielende stets sechs Steine in der Auslage zur Wahl stehen, erlaubt Aqualin eine Unmenge an taktischen Möglichkeiten. Es muss allerdings dazu gesagt werden, dass derjenige Spieler einen leichten Vorteil hat, der sich für die Farben entschieden hat (wobei zur Revanche gewechselt wird): Ein Schwarm aus unterschiedlichen Tieren, aber gleicher Farbe ist plakativer und somit optisch leichter zu erfassen. Wer in der Partie auf gleiche Tiere spielt, muss sich wesentlich besser konzentrieren. Andererseits ist unauffälliger, was man vorhat und leichter, seinen Gegner von der wahren Absicht abzulenken und zu überrumpeln.

Unterm Strich ist Aqualin sehr ausgeglichen. Der Startspieler hat keinen Vorteil, wie bei vielen anderen Spielen, denn die gut gefüllte Auslage führt zu einer offenen Partie. Freilich spielt seine Rolle, zu welchem Zeitpunkt welche Tiere bzw. welche Farben in die Auslage kommen. Doch dieser Glücksfaktor ist verhältnismäßig gering.

Naturgemäß schwindet die Zahl an verlockenden Zügen, je voller das Riff ist und damit weniger Steine verschoben werden können. Dann beginnt man zu rechnen: Welcher Stein an welcher Stelle sichert mehr Punkte als ein anderer? Und spätestens jetzt kann es womöglich siegentscheidend sein, stattdessen die Punktebilanz des Mitspielers zu verhageln, indem man ihm etwas „verbaut“ oder einen seiner Schwärme dezimiert. Über dieses mögliche destruktive Element darf man geteilter Meinung sein. Leidenschaftliche Spieler werden an solchen Erfahrungen wachsen.

Jedenfalls: Sitzen zwei (gleich) starke Spieler über dem Riff, entwickelt sich Aqualin zu einem hochkarätigen Duell.

 

 

 Nochmals spielen?  

Ja!

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung zum Herunterladen
  • Mit der Originalidee FeudaLink gewann der Autor 2018 den 2. Platz beim Premio Archimede in Italien. Statt Meerestieren waren es dort Wappen.

Das Rezensionsexemplar wurde von Kosmos zur Verfügung gestellt

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