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Spielwiese-Test 1354: Tipsy

Zu schön um wahr zu sein

Der oder die unbekannten Autoren haben bei Tipsy nicht nur ein Spiel vor Augen gehabt, sondern auch ein dekoratives Objekt. Tipsy ist durch seine außergewöhnliche Form ein Hingucker. Das Schöne vermag jedoch die Schwächen nur kurz zu übertünchen.

 

Nr. 1354: Tipsy | Spielwiese-Code  |  | E | 8 |  |


2019: Spin Master

 Was ist's? 
  • Denkspiel für 2 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: unbenannt
  • Grafik: unbenannt
  • Spieldauer: 15-30 Minuten
  • Verlag: Spin Master
  • ca.-Preis: 40,– €

 Für wen?  

  • Zwei Fans von abstrakten Spielen

 Was braucht's?  

  • Räumliches Denken

 

 
  Hier ist gut zu sehen, wie seit das Spielbrett gekippt wird, um die Steine darauf dann in Position rutschen zu lassen.

Bild: Spin Master

   

 Die gute Nachricht  

Ein Spiel als Objekt – mal was anderes im Neuheitenbrei

 Die schlechte Nachricht  

Eine billige, blass bedruckte, schlecht übersetzte Spielanleitung ist heute einfach ein No-go!


 Rein ins Spiel!  

Der erste Blick erzeugt unweigerlich Neugier. Das Spielbrett ruht auf einer umgedrehten, abgeflachten Pyramide als Sockel. Dadurch lässt sich das Spielbrett – ein dreidimensionales Labyrinth aus weißem Kunststoff – nach vier Seiten kippen. Das ist der Clou bei Tipsy. Die beiden Spieler müssen ihre sechs Steine zuerst einmal durch das Kippen über einen der Ausgänge des Labyrinths rutschen lassen.

Es geht bei diesem Spiel jedoch nicht darum, als Erster alle seine eigenen Steine oder die Steine seines Gegners aus dem Spiel zu bringen. Im Gegenteil: Die Steine kommen wieder ins Spiel, nun aber mit der Rückseite nach oben, die ein kleines Muster ziert. Wer zuerst alle seine Steine auf diese Seite gebracht hat, gewinnt. Oder: Wem es gelingt, den neutralen schwarzen Stein aus dem Spiel zu kippen.

Wie bei einem Zweipersonenspiel üblich, sind die Spieler abwechselnd an der Reihe. Sie haben dabei jedoch unterschiedliche viele Zuge zur Verfügung. Wie oft sie kippen müssen, zeigt ein Würfel mit den Zahlen von 1 bis 3. So gilt es sich vor jedem Kippen vorzustellen wohin die Steine in dem Labyrinth rutschen.

Das ist, wieder auf den ersten Blick, eine interessante Kombination. Trotzdem: Als Spiel steht Tipsy auf der Kippe. Ambitionsarme Hin-und-wieder-Spieler kann das Wie gerade noch befriedigen. Wer allerdings ein wenig darüber nachdenkt, wer warum gewinnt oder verliert, bemerkt spätestens bei der zweiten Partie den Haken an der Sache. Die Hauptrolle bei Tipsy spielt der Würfel, also das Glück. Es braucht unbedingt 3er, um die eigenen Steine in aussichtsreiche Positionen zu bringen. Wer keine würfelt, hat so gut wie keine Chance.

Die Spielanleitung von Tipsy ist ein schlechter Witz. Das Original liegt auf englisch, auf anständigem Papier bei und ist mehrfarbig (nicht unerheblich um zu sehen, wie die Steine in der Startaufstellung gelegt werden). Menschen anderer Sprachen, darunter auch Deutsch, müssen sich mit einem einfarbig und dabei auch noch blassgrau bedruckten Bogen begnügen. Billig, im Sinn des Wortes. Man spürt die Absicht und ist verschnupft. Die Übersetzung ist außerdem holprig, schlecht und stammt vermutlich von einem Computer. Das geht heute einfach nicht mehr!

Dass die Macher von Tipsy auch anderes als ein Spiel im Kopf hatten, sieht man am Detail einer Empfehlung zur Aufbewahrung: Einige Felder des Kunststoffbretts haben Mulden, um die Steine darin senkrecht zu verstauen. Das ist zwar hübsch anzuschauen, zurück in die Schachtel bringt man das Spiel dadurch aber nicht. Abgesehen davon, dass ohnehin ausreichender Hohlraum zwischen Spielbrett und Sockel vorhanden ist.

Summa summarum ist das Spiel kein Highlight. Auch der Preis von 40 Euro ist stolz. Was wir uns aber gut vorstellen können, ist der Einsatz von Tipsy an einer Kneipentheke. Der Aufforderungscharakter ist hoch: „Was ist denn das?“ – „Ein Spiel für zwei. Ganz easy und schnell. Hast du Lust …?"

 

 

 Nochmals spielen?  

Nein, zu glückslastig. Wir befürchten, auch anderswo endet Tipsy schnell als Staubfänger im Regal.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Spin Master zur Verfügung gestellt

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