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Spielwiese-Test 1316: Kensington

Gut eingedeckt

Für den Londoner Stadtteil Kensington typisch sind seine Backsteinhäuser mit ihrer strengen Geometrie. Geometrie ist unabdingbar, wenn sich bei einem Legespiel Stück für Stück stimmig zu einem Ganzen zusammenfügen soll. Dass Kensington eines Tages die Vorlage für ein Legespiel liefert, war demnach zu erwarten.

 

Nr. 1316: Kensington | Spielwiese-Code  |  | E | 8 |  |


2019: Piatnik

 Was ist's? 
  • Legespiel für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Cielo d'Oro
  • Grafik: Kinetic
  • Spieldauer: 30-45 Minuten
  • Verlag: Piatnik
  • ca.-Preis: 25,– €

 Für wen?  

  • Wer ruhige (Lege-)Spiele mag

 Was braucht's?  

  • Neben etwas Glück die Vorstellungskraft, wie sich das Gebäude weiter entwickeln kann
 

 

 
 
 

So beginnt's (oben): Alle Bauteile liegen mit der Rückseite nach oben in der Mitte, rundum die Lagerhäuser der Spieler. Beige Teile sind Fassaden mit Fenstern, braune Teile sind Dächer und Sonderteile. Und so könnte am Ende das Stadthaus in Kensington aussehen (unten): Gewertet wird nur, was mit einem Dach eingedeckt ist.

Bilder: Piatnik

   

 Die gute Nachricht  

Gutes ansprechendes Material für ein Spiel zum fairen Preis

 Die schlechte Nachricht  

Die Spielregel ist schön gestaltet, an klareren Formulierungen könnte aber noch gearbeitet werden. Etwa der Passus mit den Lagerhäusern – der ist gut „versteckt“


 Rein ins Spiel!  

Prinz Wiliam ist aktuell der berühmteste Bewohner dieses Londoner Stadtteils, Virginia Woolf war hier geboren, Isaac Newton und Freddie Mercury sind hier gestorben. Es ist keine schlechte Gegend.

Das spiegelt das Legespiel Kensington gut wider. Die 110 Kartonteile sind von guter Qualität, auch die grafische Gestaltung überzeugt. Unorthodox ist freilich, wie wir Spieler damit unsere „Royal Residences“, wie der Übertitel des Spiels lautet, gestalten. Aus einem wilden Haufen die hoffentlich passenden Teile herauszufischen und nur auf Optimismus gegründet zu verbauen – ein Londoner Stararchitekt würde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Awful! Out of the question!

Bei Kensington geht es aber nicht anders. Bis jeder Baumeister sein aristokratisches Zuhause errichtet und gewertet hat, gilt es den Zufall möglichst auszuschalten und die Tücken des Unbekannten zu meistern.

Wer an der Reihe ist, nimmt sich ein Bauteil aus dem Vorrat aus der Tischmitte. Alle Teile liegen dort mit der Rückseite nach oben. Ein Teil mit beiger Rückseite darf immer genommen werden, eines mit brauner Rückseite nur gegen Abgabe eines der raren Bonuschips. Und es darf, auch wenn das noch so verlockend ist, nicht gewühlt werden. Was man auf jeden Fall weiß: Beige Teile sind Fassadenteile mit Fenstern, braune Teile sind Dächer oder eines von sechs Sonderteilen. Man weiß allerdings nicht, ob beispielsweise ein L- oder T-förmiges Teil „nach links“ oder „nach rechts“ angebaut werden kann. Denn die darauf abgebildeten Fenster müssen selbstverständlich immer in einheitlich ausgerichtet sein. Und bei einigen Dachteilen ist noch ein Stück Mauer dabei, die auch nicht irgendwie ins Leere, schon gar nicht über ein Dach ragen kann. Einer unserer Testspieler meinte: „Tetris in Hausbauform mit Zusatzregeln.“

Die Bauregeln von Kensington sind einfach. Überhänge, siehe oben, sind auf keinen Fall erlaubt, was auch der Logik entspricht. Dass Mauerteile mit erleuchteten Fenstern nicht ohne weiteres an ein Teil mit dunklen Fenstern angefügt werden dürfen, entspringt dann aber schon eher der freien Bauordnung des italienischen Autorenteams.

Alles beginnt mit einer Tür. Von da an baut jeder vor sich Stück für Stück an und am Ende werden es, streng genommen, mehrere zusammenhängende Häuser unterschiedlicher Höhe sein. Der entscheidende Punkt ist, wo die Häuserfront mit einem Dach abgedeckt ist. Nur was unterhalb eines Daches ist, ob Fenster oder Tür, kann gewertet werden. Einzige Ausnahme: Für Katzen, die auf einer Fensterbank schnurren, gibt es immer Punkte. Sie machen das Kraut nicht fett. Lukrativer ist, Dächer auf verschiedenen Ebenen einzuziehen: Ein einziges Dach bringt nur einen Punkt, Dächer auf zwei unterschiedlichen Ebenen 1 + 2 Punkte, für eine dritte Ebene kommen noch mal drei Punkte dazu usw. Fünf unterschiedlich hohe und eingedeckte Gebäude bringen nach der Formel 1+2+3+4+5 insgesamt 15 Punkte.

Dass das alles nicht so einfach ist, wie man es sich vorstellt, liegt auf der Hand. Aus diesem Grund erlaubt Kensington zwei Auswege:

  • Passt ein gezogenes Teil einem nicht (ins Konzept), darf man es in seinem Lagerhaus zwischenparken. Dort ist Platz für zwei Teile, die, auch zusammen, in einem späteren Zug mit einem neu gezogenen Teil verbaut werden dürfen. Theoretisch können so in einem Zug also bis zu drei Teile verbaut werden.
  • Statt sich auf sein Glück zu verlassen, darf man ein Teil auch aus dem Lagerhaus eines Mitspielers klauen (die Spielanleitung spricht nobler von „nehmen“). Manchmal ist der Mitspieler sogar froh, ein für ihn unmöglich zu verbauendes Teil auf diese Weise los zu werden. Freilich muss der Mitspieler dafür mit einem Bonuschip befriedigt werden. Bonuschips sind, wie bereits oben erwähnt, die Voraussetzung um ein braunes Teil aus dem Vorrat zu nehmen. Vor allem also die wichtigen Dächer.

Dächer sind der springende Punkt bei diesem Spiel. Man sollte nicht zu lange warten, seine Fensterfronten damit einzudecken.

Die Spieler kommen zwangsläufig immer wieder etwas ins Grübeln, welche Aktion sie wählen sollen und nicht zuletzt über die möglichen Positionen, wo oder wie ein Teil angelegt werden soll. Eine Partie Kensington zu viert ist trotzdem mit einer Spieldauer von 30 bis 45 Minuten angenehm bemessen.

Das Fazit ist: Kensington zählt nicht zu den spektakulären Neuerscheinungen dieses Jahres. Aber es ist solide Kost für alle, die ein Spiel mit ruhigem Ablauf bevorzugen und sich nicht allzu großer Interaktion auseinandersetzen wollen.

 

 

 Nochmals spielen?  

Ja und Nein hielten sich bei unseren Testspielern die Waage.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Piatnik zur Verfügung gestellt

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