• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Spielwiese-Test 1303: Tokyo Highway

Verwegenheitslösungen

„Selten so viel Schadenfreude gehabt, wenn einem etwas zusammengefallen ist!“ und „Selten so verwegen gebaut!“ Zwei Kommentare von Testspielern, die den Nagel auf den Kopf treffen. Dieses Geschicklichkeitsspiel bietet Spielvergnügen auf hohem Level und das Ergebnis ein absoluter Hingucker.

 

Nr. 1303: Tokyo Highway | Spielwiese-Code  |  | G | 8 |  |


2018: Itten

 Was ist's? 
  • Bauspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Naotaka Shimamoto, Yoshiaki Tomioka
  • Grafik: Yoshiaki Tomioka
  • Spieldauer: 30-45 Minuten
  • Verlag: Itten
  • ca.-Preis: 35,– €

 Für wen?  

  • Kleine und große Straßenbauer

 Was braucht's?  

  • Ruhige Hände, Längen abschätzen und einen stabilen Tisch!
 

 

 
  Solange Platz vorhanden ist, ist es ja ganz harmlos …

Bilder: Asmodee, spielwiese.at

 
  Ansichtssache: Die einen Spieler waren für die Pinzette dankbar, wenn sie ein Auto platzierten. Andere wollten auf das Hilfsmittel lieber verzichten. 
   

 Die gute Nachricht  

Absoluter Hingucker mit hohem Wiederspielreiz

 Die schlechte Nachricht  

Wir befürchten, dass das Schachteldesign (so stringent und modern es auch ist) weniger Spieler zum Kauf animiert, als sich das Spiel verdient


 Rein ins Spiel!  

Nennen wir das Fazit gleich zu Beginn: Dieses Spiel hat begeistert!

Obwohl sich niemand etwas darunter wirklich vorstellen konnte. Die Schachtel: graue Fläche mit Schriftzug vorne, rudimentäre Strichzeichnung hinten. Keine Fotos vom Spiel.

Es gibt auch keinen Spielplan. Die Spielfläche ist der Tisch. Wo die Spieler mit ihrem Straßenbau beginnen, ist vage durch eine Skizze beschrieben. Mehr Vorschlag als Anweisung. Und das in der Anleitung beschriebene Spielziel deutet keineswegs an, welches Vergnügen sich hier nach und nach ausbreitet. Dieses ist von zwei Umständen geprägt: Das Tüfteln, wie man seine Straßen am besten baut sowie ein Füllhorn reiner Schadenfreude, das über dem Tisch ausgeschüttet wird. Dazu kommen wir noch. Schauen wir uns zuerst das Material an.

Abhängig von der Spieleranzahl werden kleine, wirklich kleine Holzautos, sogenannte Pfeiler und Straßen verteilt. Straßen sind Holzstäbe, 16 Zentimeter lang und nur neun Millimeter breit. Sie ähneln diesen Stäben, mit denen der Onkel Doktor im Rachen rumfummelt und dabei „Sagen Sie Aaaah!“ spricht. Nur grau, wie fast alles in diesem Spiel. Vom Tischniveau ausgehend, wird in jedem Zug eine Straße auf Pfeilern errichtet. Grundregel: Eine neue Straße endet vorerst entweder einen Pfeiler höher oder niedriger als der Ausgangspunkt. Vor Spielbeginn hat jeder Spieler auf dem Tisch noch ein Gebäude – abstrakte Holzteile, grau – aufgestellt. Wie sich bald herausstellt, sind sie schreckliche Hindernisse.

Um zu Punkten zu kommen, muss eine neue Straße eine oder mehrere Straßen von Mitspielern kreuzen. Für jede gekreuzte Straße stellt man eines seiner Autos auf die neue Straße. Man ahnt es schon: Das Spiel tendiert gerne in die Mitte. Weil es dort immer enger wird, wird’s genauso chaotisch wie auf den Luftaufnahmen, die man von der Tokioter Stadtautobahn kennt. Daher auch die Idee zu dem Spiel.

Wer als Erster alle Autos los ist, hat gewonnen. Die Siegbedingung ist einfach, der Weg dorthin nicht. Die Straßen unter oder über andere zu legen, braucht zwei ruhige Hände. Schon die Pfeiler im Tokioter Gedränge zu platzieren, ohne dabei etwas umzustoßen, erweist sich manchmal als große Herausforderung. Wie gesagt: Die vier Gebäude stehen immer irgendwie im Weg. Und der Verlag hat zwar eine Pinzette beigepackt, mit der die Autos (angeblich) leichter auf die Straße gestellt werden können. Doch die Theorie ist so grau wie das Design von Tokyo Highway.

Also kommt, was kommen muss: Man stößt irgendwo an und der Verkehr in Tokio bricht buchstäblich zusammen. Dafür setzt es eine heftige Strafe. Dem oder den betroffenen Mitspielern müssen so viele Pfeiler ausgehändigt werden, wie von ihnen Teile zu Boden gestürzt sind. Das kostet leicht den Sieg, wenn einem die Pfeiler ausgehen.

Dafür ist die Schadenfreude riesig. Die muss man bei Tokyo Highway aushalten.

Die Sache mit den Gabelungen

Die Bauregeln von Pfeilern und Straßen sind eindeutig. Bei den Gabelungen hat es beim einen und anderen Testspieler gehakt. Darum geht's: Jeder Spieler erhält zu Beginn auch zwei oder drei gelbe Pfeiler. Verwendet man sie, darf man damit nicht nur größere Niveauunterschiede als +1 oder -1 überwinden, sondern von diesem Pfeiler aus auch mit einer zusätzlichen Straße abzweigen. Das erhöht die Möglichkeiten, fremde Straßen zu kreuzen. Aber leichter gesagt als getan: Es ist schon diffizil genug, im Normalfall einen zweiten der 9 mm breiten Straßen sicher auf einem Pfeiler mit 17 mm Durchmesser abzulegen. Bei drei Straßen nähert man sich Chirurgenniveau.

Man wächst bei Tokyo Highway mit der Aufgabe. Das Wort Straßenkreuzer bekommt eine völlig neue Bedeutung.

 

 Nochmals spielen?  

Aber ja doch!

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung zum Herunterladen
  • Die Geschichte hinter dem Spiel: Im Jahr 1962 eröffnete der Shuto Expressway in Tokio mit einer Länge von 4,5 km und dem Ziel, das Verkehrsaufkommen in der Millionenstadt zu reduzieren. Der Ausbau wurde möglichst günstig und schnell vorangetrieben, wodurch die Straßenführung ungewöhnlich kompliziert wurde. Tokyo Highway ist ein Abblild davon.

Das Rezensionsexemplar wurde von Asmodee zur Verfügung gestellt

Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .