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Spielwiese-Test 903: In 80 Tagen um die Welt

Knapp bei Reisekasse

Dieses Familienspiel war unter den fünf Nominierten für das Spiel des Jahres 2005. Am Spielbrett sind Sie gleichzeitig auf zwei verschiedenen Ebenen unterwegs. Klingt komplizierter als es ist.

 Es gibt den weltberühmten Roman von Jules Verne. In der Vorlage geht es um eine Wette, ob man es schafft in 80 Tagen von London aus den Erdball zu umrunden. Vor 100 Jahren, wohlgemerkt. Ein reiner Wettlauf durch Würfeln und Ziehen der Figuren wäre als Spieladaption für die heutigen Ansprüche zu fad, zu billig und zu effektlos. Beim Kosmos-Spiel wurde deshalb eine zweite Spielebene eingezogen. Die eine Ebene ist die, auf der die Spielfiguren von Feld zu Feld gezogen werden. Auf einer Zeitleiste mit Tagen, der zweiten Ebene, wird festgehalten, wer in Summe die schnelleren Verkehrsmittel verwendet hat: Wie viele Tage zum Beispiel ein Schiff von Hongkong nach Yokohama unterwegs war, wird mit einem Zählstein am Spielfeldrand markiert.

Das trifft bei In 80 Tagen um die Welt den Charakter des Reisens und damit das Thema des Spiels hundertprozentig. Kein Detail wirkt aufgesetzt.

Im Roman spielt Geld keine Rolle, fürs Brettspiel braucht es allerdings ein Handicap, damit die Spannung des Wettstreits der Teilnehmer erzeugt wird. Die Ressourcen, um vorwärts zu gelangen, werden künstlich knapp gehalten. So muss jeder Spieler am Ende eines Zuges seine Handkarten, die er zum Reisen braucht, wieder auf sechs reduzieren. Um von einem Ort zum nächsten zu gelangen, braucht man bestimmte Kombinationen von Verkehrsmitteln. Grundsätzlich wird per Eisenbahn oder/und Schiff gereist.

Pro Runde werden dazu Karten dieser Verkehrsmittel aufgedeckt und an den Rand des Spielplans gelegt. Jede Karte, die man somit auswählen kann, hat drei Informationen: Schiff oder Eisenbahn, ihren Wert und durch ihre Zuordnung zu Markierungen am Spielfeldrand eine zusätzliche Eigenschaft. Wichtig ist, dass diese Auslage erst in der nächsten Runde wieder aufgefüllt wird: Der Startspieler einer Runde hat also die volle Auswahl, alle nachfolgenden müssen sich damit begnügen, was die anderen vor ihm übrig gelassen haben.

Um mit seiner Spielfigur zum nächsten Ort zu reisen, werden die entsprechenden Karten abgelegt. Zwei Spieler stehen, zum Beispiel, auf dem selben Ort: Spieler A hat allerdings Karten mit niedrigeren Werten verwenden können als Spieler B, deshalb hat er weniger Tage verbraucht und liegt auf der Zählleiste zurück – was von Vorteil ist. Man "sucht" also niedrige Karten.

Da die nicht immer zu haben sind, weil auch Glück eine beträchtliche Rolle spielt, gibt es bei In 80 Tagen um die Welt zum Ausgleich verschiedene Möglichkeiten. Da wäre die schon angesprochene Lage innerhalb der offen liegenden Kartenauswahl: Je nachdem, welche man greift, bekommt man beispielsweise die Chance, durch eine so genannte Ballonfahrt eine Etappe in weniger Tagen zurückzulegen; man bekommt ein Goldstück, mit dem man wiederum die Ballonfahrt bezahlt; oder eine Ereigniskarte etc. Ereigniskarten machen sich in einem Reisespiel für die breite Masse immer gut. Zumal es auch ein paar negative darunter gibt, sie also nicht zwangsläufig von Vorteil sein müssen.
 


Welchen Einfluss hat das Thema auf den Erfolg eines Spiels? Dazu erhielten Abonnenten der Spielwiese im Dezember 2004 ein Sonderheft, in dem dieses Spiel mit eine Spiel ähnlicher Thematik (Auf den Spuren von Marco Polo) verglichen wurde.

Das Sonderheft steht zum Herunterladen zur Verfügung.


 

   

Da man je nach Spieleranzahl aus maximal sechs Zusatzfunktionen wählen kann, ist nach zwei, drei Runden schnell begriffen, was welche Vorteile bringt.

Überhaupt: In 80 Tagen um die Welt ist unkompliziert. Dass die Altersempfehlung dennoch mit 10 Jahre angegeben ist, hat den Grund, dass man schon wohl überlegen sollte, welche der vielen taktischen Wege man einschlägt. Vife und spielerfahrene 9-Jährige packen es aber auch.

Wie gesagt: Es ist kein bloßes Start-Ziel-Wettlaufen, sondern hat spielerische Tiefe. So kann man es darauf ankommen lasen, als Letzter einen Ort zu erreichen: Der letzte wie der erste Ankömmling erhalten einen kleinen Bonus. Verbraucht der Letzte dazu noch mit niedrigen Karten relativ wenige Tage, umso besser. Denn der Standort der Spielfigur sagt nur bedingt etwas darüber aus, wie gut man eigentlich wirklich im Rennen liegt.

Abgerechnet wird erst, sobald mehrere Spieler zurück in London sind. Der Erste hat vielleicht 79 Tage verbraucht, der Zweite oder Dritte hatte aber für die letzte Etappe sehr gute Karten und schaffte es in nur 77 Tagen und gewinnt.

Die Ausstattung des Spiels stimmt von Beginnn an wohlwollend. Das Spielbrett ist sehr übersichtlich, das Material dem Thema sehr entsprechend gestaltet und besteht aus nur ganz wenigen unterschiedlichen Dingen. Das ist schon einmal ganz wichtig für Anfänger oder Leute, die selten spielen.

In 80 Tagen um die Welt ist – unterm Strich – ein wohltuendes Familienspiel mit einer dichten Atmosphäre. Auch Spieler, die Komplexeres gewohnt sind, werden überrascht sein, wie viele unterschiedliche taktischen Finessen sich innerhalb einer Stunde Spieldauer entwickeln können.

 

 Nr. 903: In 80 Tagen um die Welt

 

Spielwiese-Code  |   | E | 10 |

2004: Kosmos

  • Laufspiel für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahre – ideal sind 4 oder 5
  • Autor: Michael Rieneck
  • Verlag: Kosmos
  • Ca.-Preis: 29,- €

   Themen: Riesen, Wettlauf, Literatur

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
  
   Glücksanteil

  • Zielgruppe: Familien, Jules Verne-Fans
  • Spieldauer: 60 Minuten
  • Spielmaterial: sehr gut
  • Schachtelinfo: gibt das Spiel in Grundzügen gut wiederSpielanleitung: gut
  • Anspruch: gut taktieren und die aktuellen Möglichkeiten realistisch abschätzen, um sich zB nicht zu lange an einem Ort aufzuhalten
  • Spielreiz: hoch, wenn einen das Thema reizt; sonst durchschnittlich – flacht nach mehreren Spielen doch etwas ab, weil vielleicht ein Spur zu wenig anspruchsvoll
  • Glück: hoch

 -Service:

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Auszeichnungen

  • Nominierungsliste 2005



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