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Wie man während der Pandemie eine Spielemesse macht

MESSE. Nach der Corona-Zwangspause 2020 findet bis Sonntag in Essen die Messe „Spiel“ wieder als Präsenzveranstaltung statt. Veranstalterin Dominique Metzler stand spielwiese.at-Herausgeber Arno Miller Freitagabend zur Halbzeit eine Stunde lang Rede und Antwort.

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Zur groben Einordnung: Vor Corona kamen rund 200.000 Besucher an vier Messetagen. Die "Spiel" ist eine sogenannte Gastmesse – der veranstaltende Friedhelm Merz Verlag mietet die Hallen und Infrastruktur der Messe Essen, darunter auch den Ticketverkauf.

Für den Besuch gelten 2021 unter anderem Maskenpflicht und die 3-G-Regel und Karten können nur vorab online erworben werden. Das sind die vordergründigen Dinge, die Besucher unmittelbar tangieren. Teil 1 des Interviews mit Dominique Metzler handelt vor allem davon, was im Hintergrund alles läuft und lief, um diese Messe unter Pandemiebedingungen durchzuziehen.

Ebenfalls interessant: Dominique Metzler sprach bestimmte Dinge, wie zB den um ein Drittel erhöhten Eintrittspreis von sich aus an, noch bevor die Fragenliste an diesem Punkt ankam. Metzler und Miller kennen sich seit Jahrzehnten und sind per du.

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Dominique, als Erstes: Wann war eigentlich der Point of no return für eine Präsenzmesse?

Das wäre im August gewesen.

Also relativ spät.

Ja, und ich habe auch den Ausstellern erklärt, wir werden absagen, wenn wir merken, dass es keinen Sinn macht. Da gab es tausend Einzelgespräche und da wurde klar, es würde vielleicht September werden. Das wäre für sie auch noch okay gewesen. Aber eigentlich konnte ich mir dann nicht mehr vorstellen, dass wir absagen müssen – wenn denn die Inzidenzen einigermaßen so bleiben, wie sie waren.

Die einzige Sorge war, dass die Behörden aus 3-G 2-G machen. Weil dann hätte das die Aussteller betroffen. Wir haben hier ganz viele Aussteller, die dann nicht hätten ausstellen können.

Ihr seid ein privates Unternehmen. Kann man sich eigentlich dagegen versichern, dass die Messe gecancelt werden müsste? 

Das ist schlicht nicht zu bezahlen. Da wärst du Pleite. Wir haben im Januar entschieden, dass wir die Messe machen wollen. Da war in Deutschland härtester Lockdown überhaupt. Genau zu diesem Zeitpunkt sind wir auch mit den Ausstellerunterlagen rausgegangen. Weil wir wussten, oder ahnten, dass es ein mühsamer langer Weg wird, und wenn wir zu spät anfangen, dann wird es nix werden.

In Verbindung mit Corona überraschen zwei Dinge*). Der enorme Besucherandrang am ersten und zweiten Tag … 

… Habe ich auch nicht unbedingt so erwartet …

… die Erfahrungen anderer Messen bisher war, dass im Vergleich zu Vor-Corona ca. 50 Prozent der Besucher kommen. Das schaut hier nach mehr aus als der Hälfte. 

Nein, nein, das ist nicht mehr als die Hälfte. Du musst Folgendes berücksichtigen (Anm.: Wir fassen hier nur das Wesentliche an immer wieder wechselnden Vorgaben zusammen, um zu illustrieren, wie man als Veranstalter einfach auch in der Luft hing/hängt): Als es hieß, Messen dürfen wieder sein, war in NRW die Regelung 1:7, also eine Person auf sieben Quadratmeter. Ich sage mal, eine Halle ist halb belegt, aber du durftest die ganze Halle angeben, weil es ging nicht um die belegte Fläche, sondern um die Aerosole in der Luft. Das war dann auch irgendwann Geschichte … Im Moment gibt es gibt keine Deckelung, vom Land NRW keine Vorgaben für Besucherbeschränkung. Du könntest rein theoretisch 300.000 Leute hereinlassen.

Fakt ist, dass wir ungefähr 60 Prozent Fläche von 2019 haben. Wir haben irgendwann gesagt, bei 30.000 deckeln wir. Weil sonst kriegen wir Verhältnisse wie 2019, wo in den Gängen in Halle 3 nichts mehr ging. Ich nehm das ernst! Ich nehme meine Verantwortung als Veranstalter ernst, auch was diese Pandemie angeht. Da geht es nicht um 30.000, 40.000 Euro oder irgendwas mehr. Ich will diese Bilder nicht (Anm.: Menschenansammlungen, alle Vorgaben missachtend, wie zuletzt bei der GenCon in Indianapolis), ich will, dass sich die Leute wohl fühlen, dazu gehört auch die Maskenpflicht an den Tischen, obwohl die, streng genommen, nicht mehr vorgegeben ist. Es ist auch nicht mehr vorgegeben, dass die Gänge so viel breiter sind, es ist auch nicht vorgegeben, dass 100 Prozent Frischluft drin sein müssen.

Ich find es trotzdem angenehm. 

Ja, aber jetzt musst du auch sehen: Der Eintrittspreis ist um 5 Euro angehoben worden. Es gibt auch keine Dauerkarten. Das ist aber nicht, weil wir so geldgierig sind. Das ist auch, weil wir sonst die Besucherzahlen für die Tage nicht im Griff haben. Die Messe Essen war nicht in der Lage ein System zu schreiben, bei dem du als Besucher sagen kannst, du bist an diesem und diesem Tag da. Das wird nächstes Jahr alles anders sein. Darauf ich: Dann kann es nur Tageskarten geben. Wenn du überlegst … eigentlich schrecklich! Aber dann muss der Tag teurer sein, weil das hier alles kostet so viel Geld!

Wesentlich mehr als normal … 

Ja, das Sicherheitskonzept kostet 300.000 Euro. Aber da geht es nicht nur um die dafür notwendigen Leute. Wir sind eine Gastveranstaltung, dh. wenn ich die Gänge verbreitere, dann will die Messe Essen ja das Geld von mir. Ich kann diese verbreiterten Gänge nicht verkaufen. Da fängt’s da schon an.

(Dominique Metzler bringt die Rede auf andere Unwägbarkeiten, solche, die von den Messebesuchen ausgehen)

Ich dachte, wir hätten das allen kommuniziert und es steht auf jedem Plakat: Tickets gibt es nur online! Heute morgen ist der Ticketshop zusammengebrochen, weil so viele Leute draußen standen, keine Tickets hatten und meinten, sie könnten an einer Tageskasse Tickets kaufen. Die versuchten dann alle gleichzeitig noch online ein Ticket zu kaufen. Da brach für eine halbe Stunde das System zusammen.

Ich habe es gestern Abend versucht und da es ging auch nicht. 

Das hatte andere Gründe. Wir sind gestern in einer noch nie da gewesenen Intensität durchs Fernsehen gelaufen, in zig Sendungen. Da haben dann offensichtlich viele gedacht, oh, da wollen wir hin. Das war dann abends, als die alle Tickets kaufen wollten.

Vor zwei Jahren haben wir über viele eurer Ideen und Neuerungen gesprochen, wie zB der Educators Day. Dann kam was mit Viren, jetzt der Neustart – was können wir 2022 und danach erwarten, wohin geht die Reise? 

Also, was auf jeden Fall schon feststeht: Den Educators Day werden wir auf jeden Fall ’22 richtig groß machen. Das ist eine Lücke, da ist viel Musik drin. Da weiß ich auch, dass die Firmen ein Riesen Interesse daran haben. Wir werden nicht nur Vorträge halten, wir werden Pädagogen auch abseits der Halle Möglichkeiten geben Spiele kennen zu lernen. 2019 war das noch eine relativ kleine Flamme. Dieses Jahr haben wir es nicht gemacht, weil ich das Gefühl hatte, wir überheben uns sonst. Für nächstes Jahr steht das alles auf dem Zettel. Da machen wir das auf jeden Fall. Dann werden wir das mit den YouTubern und Bloggern anders aufziehen, sie kriegen Räume und Ecken, wo sie richtig arbeiten können. Und dann hatte der Max**) noch tausend Ideen, über die ich jetzt noch nicht sprechen will.

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*) Mehr im nächsten Teil

**) Sohn von Dominique Metzler, u.a. zuständig für die „Digitalisierung“ der Messe

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