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Für Thomas Vock ist Spielen …

eine schöne Abwechslung zum stressigen Alltag.  

Thomas Vock, Geschäftsführer Carta Media
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Meinung

Der Seismograph von Friedberg

Wofür wir Journalisten Pegasus-Chef Karsten Esser lieben.


19. SEPTEMBER 2023

Die Schar Leute wächst, die beim Thema Spiele zu Tastatur, Ton- und Bildaufzeichnungsgeräten greifen und ihre Ansicht einer Weltöffentlichkeit kundtun. Darunter gibt es doch noch einige Journalisten. Also Menschen, die das entsprechende Handwerk gelernt haben und ausüben. Solche Profis lieben Leute wie Karsten Esser, einen der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Pegasus.

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Von der Druckerei ausgelacht

 

Denn für echte Storys wünscht man sich Quellen wie ihn. Der Mann ist unprätentiös, trotz Erfolgs bodenständig geblieben, greifbar, lässt aktiv Einblicke in seine Welt (und die der Branche) zu und spricht – eine Wohltat! – kein Marketinggeschwurbel.

Gerade haben wir es am Wochenende wieder erlebt, in Friedberg in der hessischen Provinz, wo "die Szene" das erste Mal nach der Pandemie wieder leibhaftig zu einem Pressetag von Pegasus zusmamenkam. Die Pandemie beziehungsweise deren Folgen waren natürlich auch für Karsten Esser ein roter Faden. 2022 sei das bisher herausforderndste Jahr für Spielwarenhersteller gewesen, „weil die Absatzzahlen von heute auf morgen runtergerasselt“ waren, was mehrere Gründe gehabt habe. Nicht nur die bekannten wie Teuerung und Ukrainekrieg, nein, etwa auch „weil Freizeitunternehmen wieder aufgemacht haben“. Kino, Schwimmbad, Ferienflüge – alles wieder möglich.

Die Ansprache war natürlich nicht so betitelt, sie wäre aber auch als „Rede zur Lage der Spielebranche“ durchgegangen. Noch ein paar Details daraus. Anfang 2022 mussten Spieleverleger 9 bis 12 Monate im Voraus disponieren, was sie in der zweiten Jahreshälfte durch den einbrechenden Absatz wie ein Bumerang getroffen habe. Dabei: Anfang 2022 sei Klaus Ottmaier, der Redaktionsleiter Spiele bei Pegasus, quasi ausgelacht worden, als er bei einer deutschen Druckerei nach dem Abgabetermin der Druckunterlagen für ein Spiel anfragte, das zur Messe Spiel ’22 in Essen erscheinen sollte: „Sie meinen Essen 2023, oder …“. Dann habe man sich – Seitenhieb: „… drei Entlassungswellen später“ – im Herbst in Essen getroffen und plötzlich sei die Druckerei in vier Wochen lieferbar gewesen.

Pegasus, und das erwähnte Karsten Esser durchaus mit durchschimmerndem Stolz, habe während der ganzen Pandemiephase niemanden entlassen. In einem inhabergeführten Unternehmen sei es eben anders. Da müssen nicht die Geschäftsführer mit aller Gewalt zum Jahresende prima Zahlen vorlegen, „bei uns, da setzen sich der Andreas (Co-Eigentümer Andreas Finkernagel, Anm.) und ich auf ein Bier zusammen und sagen: Das ist ein schlechtes Jahr und dann ist es eben so.“ Nach Regen kommt bekanntlich auch wieder Sonnenschein.

Der überwog die meiste Zeit. Pegasus feiert dieses Jahr den 30er. Auch dazu belästigte und langweilte Karsten Esser nicht mit einer großen Geschichtsstunde. Er blickte nur kurz auf die letzten zehn Jahre zurück mit neun Auszeichnungen der Spiel des Jahres-Jury und 25 Nominierungen, und erinnerte daran, dass der Verlagssitz erst vor neun Jahren bezogen worden war und gerade das Lager verdoppelt wird. Das zeugt von ungebrochenem Optimismus. Es wäre nicht Pegasus, gäbe es da nicht eine Besonderheit: Im Neubaukomplex wird es auch Themenräume zum Spielen geben, zum Beispiel zu den 70er und 80er Jahren, und die werde man mieten können.

Zurück zur Gegenwart. Es bleibe vorerst noch herausfordernd, denn die 70-prozentige Kostensteigerung beim Hauptbestandteil Papier/Pappe, wo einige Big Player den Markt absichtlich verknappen, lassen sich nicht 1:1 auf die Preise im Laden umlegen. Doch Karsten Esser deutet die verschiedenen Parameter so, dass die Branche „die Talsohle durchschritten“ hat.

Und das ist doch eine gute Nachricht.

 


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