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Spielwiese-Test 1355: Spicy

Mäxeln für Fortgeschrittene

Vom Gaumen- zum Nervenkitzel: Hier geht es um den Schärfegrad von Gewürzen. Beides sagt ein Spieler an, die anderen können es glauben oder nicht. Jede Lüge und jeder Zweifel birgt ein Risiko.

 

Nr. 1355: Spicy | Spielwiese-Code  |  | E | 8 |  |


2020: Heidelbär Games

 Was ist's? 
  • Bluffspiel für 2 bis 6 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Zoltan Györy
  • Grafik: Jimin Kim
  • Spieldauer: 15 Minuten
  • Verlag: Heidelbär Games
  • ca.-Preis: 15,– €

 Für wen?  

  • Geborene Bluffer

 Was braucht's?  

  • Pokerface und Risiko

 

 
  Chinesische (?) Raubkatzen, feurige Gewürze in unterschiedlichem Schärfegrad (Zahlen): Das fügt sich zum Bluffspiel Spicy zusammen.

Bild: Heidelberger

   

 Die gute Nachricht  

Exzellente Variation einer beliebten Schummelei

 Die schlechte Nachricht  

Dei Karten sind leider nicht ganz so „deluxe“, wie auf der Schachtel bezeichnet


 Rein ins Spiel!  

Mäxeln, andernorts auch Mäxle, Meiern, Lügenpasch, und, und, und genannt, ist ein bekanntes Schummelspiel und wird normalerweise mit Würfeln gespielt. Es geht darum, jeweils eine höhere Zahl zu nennen, die der Vorige genannt hat. Es wird gelogen, dass die Balken krachen – man darf sich halt nicht erwischen lassen. Die Variante Bluff von FX Schmid (heute bei Ravensburger) wurde 1993 sogar Spiel des Jahres. Spicy ist nun eine weitere Variante und das Prinzip wurde von Würfeln auf Karten umgelegt.

Was wir an Material zur Verfügung haben, ist Folgendes: Karten in drei „Farben“, nämlich den Gewürzen Chili, Wasabi und Pfeffer, von jedem gibt je drei Mal die Kartenwerte 1 bis 10. Hinzu kommen noch Jokerkarten für Gewürze und für Zahlen. Daraus hat Zoltan Györ ein überaus kurzweiliges Bluffspiel entwickelt.

Jeder Spieler beginnt mit sechs Handkarten. Wer an der Reihe ist, spielt entweder eine verdeckte Karte aus oder passt. Bei Passen muss er eine weitere Handkarte ziehen. Die erste verdeckt ausgespielte Karte wird mit einem Gewürz und dessen Schärfegrad als Zahl benannt. Zum Beispiel „3 Wasabi“. Die folgenden Spieler, sofern sie eine Karte ausspielen, müssen bei ihrer Ansage das Gewürz beibehalten und gleichzeitig den Schärfegrad erhöhen. Erst wenn als Zahl die 10 genannt wird, darf wieder mit einem niedrigeren Wert begonnen werden.

Es kommt, wie’s kommen muss: Irgendwann wird der Ansage nicht mehr getraut. Wobei bei Spicy – zum Unterschied zu den meisten Mäxeln-Spielen – jeder, und nicht nur der nachfolgende Spieler die Ansage anzweifeln darf. Und hier kommt ein weiterer Unterschied ins Spiel: Wer zweifelt, muss sich entscheiden, ob er die vom betreffenden Spieler genannte Zahl oder (!) das Gewürz anzweifelt. Das ist ein äußerst hinterhältiges Element von Spicy. Dem Lügenbold lässt es eine Fifty-fifty-Chance, ungeschoren davonzukommen.

Fakt: Einer der beiden hat recht. Wer das ist, streift alle bisher abgelegten Karten ein. Sie zählen am Ende je einen Punkt. Wer mit seinem Zweifel falsch lag oder beim Lügen erwischt wurde, zieht zur Strafe zwei Karten nach.

In aller Kürze noch die übrigen Regeln. Wer seine letzte Handkarte (unangezweifelt) ausspielt, wird mit einer sogenannten Trophäenkarte mit 10 Extrapunkten belohnt, steigt dann aber wieder mit sechs neuen Handkarten ein. Spicy endet, wenn entweder ein Spieler eine zweite Trophäenkarte erhält, die dritte und letzte Trophäenkarte verteilt wird oder als Sudden death – dazu wird zu Beginn eine Verbrannt-Karte in den Nachziehstapel gegeben. Verbrannt leitet sich offenkundig davon ab, dass sich die Spieler an den scharfen Gewürzen die Zunge verbrannt haben.

Das ist natürlich ebenso weit hergeholt wie die Geschichte, die zu Spicy erzählt wird. Sie handelt von drei Raubkatzen und ihrem Wettbewerb, die meisten scharfen Gewürze essen zu können. Aber egal. Entscheidend ist der Spielspaß. Der stellt sich bei Spicy garantiert ein, wozu nicht zuletzt auch die chinesisch anmutenden Illustrationen von Jimin Kim und der Metallic-Look der Kartenrückseiten beitragen. Spicy zaubert auch Spielemuffeln ein Pokerface oder zufriedenes Lächeln ins Gesicht.

Fast wäre Spicy rundum gelungen. Ein kleines Missgeschick in der abschließenden Testgruppe legte offen, dass die vom Verlag angepriesenen Deluxe-Karten dem Anspruch leider nicht ganz gerecht werden. Bezeichnung und Haptik gaukeln „unkaputtbar“ vor. Durch ein umgestoßenes Glas Rotwein wurden wir eines Besseren belehrt: Um es unfachmännisch zu schildern, sofort begann die Flüssigkeit sich in den Kartenrand einzufressen. Eilends herbeigeholtes Küchenkrepp rettete die Karten halbwegs.

 

 

 Nochmals spielen?  

Klar!

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung
  • Das Spiel steht auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020

Das Rezensionsexemplar wurde von Heidelberger zur Verfügung gestellt

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