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Spielwiese-Test 1198: Isle of Skye

Ziehen, kaufen, legen

Mit dem Wettstreit schottischer Clans hat die Jury ein überraschend konventionelles Spiel in den Rang eines Kennerspiel des Jahres erhoben.

 

 Nr. 1198: Isle of Skye | Spielwiese-Code  |  | G | 10 |


2015: Lookout Games

 Was ist's? 

  • Legespiel für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Andreas Pelikan, Alexander Pfister
  • Grafik: Klemens Franz
  • Spieldauer: 60 Minuten
  • Verlag: Lookout Games
  • ca.-Preis: 30,– €

 Für wen? 

  • Ideal für etwas fortgeschrittene Spieler, die sich am Abwägen unterschiedlicher Gegebenheiten im Spielverlauf erfreuen

 Was braucht's? 

  • Taktisches Gespür und die Möglichkeiten der Mitspieler im Auge zu behalten

 

 
 

Bei Isle of Skye werden bei jeder Partie vier andere Wertungsplättchen auf den Spielplan gelegt: A, B, C und D. Unten zu sehen durch den schwarzen Markierstein: Wir sind in Runde 2, in der die Wertungsplättchen A und C zum Einsatz kommen.   

Bilder: Spielwiese

 
 

Die entscheidende Biet- und Kaufphase. Der Spieler in unserem Beispiel hat diese drei Landschaftsplättchen gezogen. Das erste wird er für 2 Gold anbieten, das zweite für 3 Gold, auf das dritte ganz rechts verzichtet er – dieses kommt wieder zurück in den Stoffbeutel. Ein Dilemma: alle drei hätten ihm gut in den Kram gepasst (siehe Bild unten). Am liebsten hätte er das Landschaftsplättchen mit den zwei Schiffen. Denn in der aktuellen Runde werden Schiffe gewertet, von denen er schon zwei in seinem Clan-Gebiet liegen hat. Der Spieler hofft, dass ihm das "Schiffe"-Landschaftsplättchen niemand abkauft und er selbst es dann nur geringe 2 Gold berhalten und anlegen kann.

 
 

Das liegt bei diesem Spieler bereits aus: Die Burg (rechts unten) als Startplättchen, die ihm am Beginn jeder Runde neues Gold beschert. ein zusätzliches Gold gibt es jeweils auch für die Whisky-Fässer, weil sie über eine Straße mit der Burg verbunden sind. Weiters hat er noch Schafe und Rinder herumstehen, aber noch kein abgeschlossenes Gebiet gebildet.

   

 Die gute Nachricht 

Schon bei der Preisempfehlung von 30 Euro erhalten Käufer „viel Spiel für wenig Geld“.

 Die schlechte Nachricht 

Die Auszeichnung Kennerspiel des Jahres signalisiert ein hohes Anforderungsniveau, das nicht zwangsläufig erreicht werden muss. Das wird den einen und anderen Spieler abschrecken, der mit Isle of Skye durchaus zurande käme.


 

 Rein ins Spiel!  

Bei Isle of Skye begegnen wir einmal mehr dem beliebten Brettspielthema des Gerangels um nutzvolle Flächen, die einem wirtschaftliche Vorteile verheißen, um am Ende mit den meisten Siegpunkten die Partei zu gewinnen. Zwei (funktioniert tadellos) bis fünf Spieler agieren dabei als schottische Clan-Führer, um den Besten unter ihnen als neuen König auszurufen. Nun, in der Geschichte der zweitgrößten schottischen Insel hat es nie einen derartigen Posten gegeben, wenngleich sich hier diverse Stämme immer wieder mal in die Haare kriegten. Meistens hatten sie jedoch mehr damit zu tun, sich gegen Eroberer von außen zu wehren.

Aber lassen wir diese historische Ungenauigkeit beiseite. Die Story des Spiels ist gut, wenn auch nicht originell, und der Handlungsfaden schlüssig. Isle of Skye ist eine Mischung aus Lege- und Versteigerungsspiel. Der Lege-Teil erinnert an Carcassonne, geht es für die Wertungen doch darum, Landschaftsplättchen so aneinanderzulegen, dass die Landschaftsformen zueinander passen und damit einerseits abgeschlossene unterschiedliche Gebiete – wie etwa Wasser oder Gebirge – zu bilden, und andererseits zählt, wie viele Schafe, Rinder, Schiffe, Whiskyfässer oder auch Leuchttürme man in seinem Clan-Gebiet untergebracht hat. Der wesentliche Unterschied zu Carcassonne besteht darin, dass die Spieler nicht gemeinsam an einer Landschaft bauen, sondern jeder vor sich sein eigenes Gebiet legt.

Kern des Spiels ist der Mechanismus, wie die Spieler zu den Landschaftsplättchen kommen. Zunächst zieht jeder einmal drei davon aus dem Stoffbeutel und legt sie offen, für alle sichtbar, vor sich ab. Hinter seiner Sichtblende legt jeder Spieler mit Münzen fest, was ihm zwei davon wert sind. Das dritte Landschaftsplättchen markiert er als für ihn unnütz oder im Moment als am wenigsten sinnvoll. Diese Landschaftsplättchen kommen alle wieder in den Stoffbeutel zurück, bevor die Kaufphase beginnt. In der Kaufp
hase darf jeder Spieler ein Landschaftsplättchen eines Mitspielers erwerben und zahlt den Preis, den der Anbieter zuvor festgelegt hat. Unverkaufte Landschaftsplättchen muss der Anbieter selbst kaufen und das eigene Gebot – sprich: die Münzen – abgeben.

Isle of Skye ist eine österreichische Spieleentwicklung und könnte auch den Werbespruch fürs österreichische Lotto im Schilde führen: Alles ist möglich. Das teilstaatliche Glücksspiel ködert damit, dass mathematisch immer eine Chance besteht, Millionär zu werden. Selbst mit nur einem Tipp. Im Fall unseres Brettspiels verhält es sich quasi umgekehrt: Möglich ist alles, um am Ende als Gewinner dazustehen. Allein schon durch 16 unterschiedliche Wertungsplättchen haben die Autoren Andreas Pelikan und Alexander Pfister eine Unmenge an maßgeblichen Konstellationen in ihr Isle of Skye gepackt. Hinzu kommen unterschiedliche Anazhlen an Wertungsrunden, an Spielern, 73 verschiedene Landschaftsplättchen … Es würde vermutlich Jahre dauern, sämtliche Gegebenheiten durchzuprobieren. Mathematiker könnten das sicher in einer beeindruckenden Formel abbilden.

Aber packt Isle of Skye auch das Herz? Verfügt, wie der langjährige Juryvorsitzende von Spiel des Jahres Synes Ernst zum Kriterium erhebt, das Spiel über die Fähigkeit Emotion auszulösen?  

Ja.

In der Bietphase steht jeder Spieler vor mindestens einem Dilemma. Will er ein für ihn „gutes“ Landschaftsplättchen behalten, muss er es wohl zu einem abschreckend hohen Verkaufspreis anbieten, den er allerdings dann selbst bezahlt, wenn die Absicht erfolgreich bleibt. Braucht der Spieler für seine weiteren Pläne allerdings Geld, muss er mit einem möglichst günstigen Angebot potenzielle Käufer locken. Da schlagen schon mehrere Herzen in einer Brust. Überlegungen zum mutmaßlichen (Kauf-)Verhalten der Mitspieler heben den Adrenalinspiegel.   

Und trotzdem.

Isle of Skye ist ein sehr konventionelles Spiel. Die grundlegenden Dinge haben Spielekenner alle schon einmal gesehen. Dass jede Partie eine andere Herausforderung darstellt, ist den schon erwähnten 16 Wertungsplättchen geschuldet. Jeweils vier werden für eine Partie blind ausgewählt und auf den Spielplan gelegt. Mal geht es um Mehrheiten diverser Merkmale, mal um die Anzahl abgeschlossener Gebiete, mal um deren Größe usw., um damit Siedepunkte zu sammeln. Das Interessante dabei ist, dass jedes der vier Wertungsplättchen insgesamt drei Mal eine Rolle spielt. Am Ende einer Runde werden die Bedingungen eines einzelnen oder zwei bzw. drei der vier Wertungsplättchen überprüft. Welche es jeweils sind, hat der dritte Österreicher im Bunde, Klemens Franz, auf dem Spielplan klar ersichtlich und grafisch geschickt gelöst.

Das Regelwerk ist „schlank“, hält die Jury für das Kennerspiel des Jahres in ihrer Begründung völlig berechtigt fest. Seine relative Einfachheit hätte in früheren Jahren Isle of Skye auch als würdigen Titelträger eines Spiel des Jahres bestehen lassen. Denn Otto Normalspieler kommt mit den taktischen Anforderungen von Isle of Skye durchaus klar. Dass nicht immer alles so läuft, wie man es sich wünscht und vorstellt, gehört zum Wesen eines Gesellschaftsspiels. Otto Normalspieler würde das unter Pech und Glück abhaken, welche Zufälligkeiten sich aus Ziehen, Anbieten und Verkauf von Landschaftsplättchen gerade ergeben.  

Wie das Autorenduo aber schon mit dem vorjährigen Kennerspiel des Jahres Broom Service bewiesen hat, sind die beiden leidenschaftliche Tüftler am Detail. Da wird sehr viel an Elementen und Spielmechanismen hineingepackt, die auf den ersten Blick vielleicht nur eine untergeordnete Rolle spielen. Als Gesamtes aber sind sie elegant verzahnt, wie die Jury Kennerspiel des Jahres lobt. Die Juroren versteigen sich sogar zum Urteil, das Ganze grenze an Perfektion. Bleiben wir auf dem Teppich. Man muss die jeweilige Gemengelage nicht bis ins Letzte durchdenken und als Spieler dementsprechend ausreizen, man kann es aber. Insofern ist Isle of Skye – auch – ein Kennerspiel.

 

 Nochmals spielen? 

Hier scheiden sich die Geister. Isle of Skye ist unbestritten schön, ist gut und mit etwa einer Stunde Spieldauer auch zeitlich angenehm bemessen. Aber ist es wirklich so herausragend? Die Neugier darauf, wie sich's bei einer anderen Mischung an Wertungsplättchen spielt, ist eher den Tüftlern und Hard-core-Spielern eigen. 

 Rund ums Spiel 

  • Auszeichnungen: Kennerspiel des Jahres 2016, Spielehit mit Freunden „simply the best“ 2016
  • Das Autorenduo hat mit Broom Service schon im Vorjahr die Auszeichnung Kennerspiel des Jahres eingeheimst. Ein solches Doppel in aufeinander folgenden Jahren gelang bisher erst Wolfgang Kramer (Heimlich & Co, Auf Achse 1986 und 1987), Klaus Teuber (Adel verpflichtet, Drunter & Drüber 1990 und 1991) sowie Wolfgang Kramer und Michael Kiesling als Duo (Tikal und Torres 1999 und 2000) bei Spiel des Jahres.
  • Von Alexander Pfister stammt unter anderem auch Port Royal
  • Andreas Pelikan war mit Wie verhext 2008 zum Spiel des Jahres nominiert
  • Klemens Franz gelang der Durchbruch mit der Gestaltung der Agricola-Reihe

Spielanleitung zum Herunterladen

Das Rezensionsexemplar wurde von ASS zur Verfügung gestellt

 

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