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Pegasus-Neuheiten im Zeitalter von Corona

 NEUHEITEN.  Als erster der großen Verlage hat Pegasus sein Neuheitenprogramm ausführlich vorgestellt. Es ist umfangreich, die Spiele sind zum Teil außergewöhnlich und – manche verspätet. Karsten Esser, einer der beiden Geschäftsführer, gab bei dieser Gelegenheit einige bemerkenswerte Details preis, wie das außergewöhnliche Jahr bisher verlaufen ist.

Hochwertig: Die erste Neuheit von Deep Print: Renature vom Erfolgsduo Kramer/Kiesling.

Bilder: Deep Print, Pegasus

Wimmelbild als Rätselspiel: Auf's Erste sieht man hier nicht am Plan. So ergeht es einem auch beim Spielen von Micro Macro – Crime City.

Opulent und wie immer herausfordernd: Das neue Spiel von Stefan Feld Bonfire.

Pegasus-Spiele sind nicht nur Eigenentwicklungen. Viele Spiele sind zuerst in anderen Ländern erscheinen und werden im hessischen Friedberg „lokalisiert“ oder zeitgleich mit ausländischen Partnerverlagen auf den Markt gebracht. Beispielsweise City of Angels, ein Deduktionsspiel des amerikanischen Verlags Van Ryder Games mit neun Fällen, die in unterschiedlichen Modi gelöst werden können, das flotte Kartenspiel Punktesalat – im Original von AEG aus Kalifornien –, oder eine familientaugliche Version von Detective, Detective – Erste Fälle von Portal Games aus Polen. Portal-Gründer Ignacy Trzewiczek kündigte weitere Ableger als eigenständige Ausgaben an, die unter anderem in Wien und in Berlin zu Zeiten des Kalten Krieges spielen. Er war einer der zugeschalteten Gäste des „Pressetags“. Denn dieser musste, pandemiebedingt, in diesem Jahr als Videokonferenz stattfinden. Sie war unter den bekannten Umständen professionell vor- und aufbereitet, hchgradig informativ und kurzweilig. So viel Lob muss an dieser Stelle auch einmal sein.

Entzerrte Erscheinungstermine

Das Jahr 2020, und damit auch der Fahrplan für Verlagsveröffentlichungen, rennt anders ab. Pegasus-Geschäfsführer Karsten Esser sprach offen auch von den Vorteilen. Nicht 20, 30 Neuheiten auf einen Fixtermin wie die Messe „Spiel“ hin entwicklen, bearbeiten, produzieren und liefern zu müssen, nehme auch Druck aus dem Kessel. In diesem Jahr werde „Projekt für Projekt“ abgearbeitet. So wird auch nicht alles bereits zur virtuellen Ersatzveranstaltung „Spiel.digital“ in der übernächsten Woche fertig sein. Das sei eben nicht nur der Produktionskette geschuldet, sondern auch der (zusätzlichen) Zeit, die sich Pegasus für die einzelnen Titel nimmt. Einige Neuheiten kommen erst im November und Dezember, manche erscheinen erst nach Jahreswechsel.

Zwei Neue von neuem Verlag

Darunter – noch ungespielt – die Highlights dieses „Herbst- und Winterprogramms“ zu benennen, unterliegt naturgemäß einer gewissen Subjektivität. Lassen wir sie zu. Mit den beiden Labels Pegasus und Deep Print – einem neuen Verlag, an dem die beiden Pegasus-Geschäftsführer beteiligt sind –, kommen als Erstes Renature und Kyoto heraus. Das Legespiel Renature ist vom Autorenduo Michael Kiesling und Wolfgang Kramer und besticht durch einen einfachen Domino-Mechanismus und exzellentes Material. Diese Feuertaufe von Deep Print blieb wegen Corona längere Zeit in der Schwebe, verriet Peter Eggert (früher Eggertspiele und ebenfalls einer der Gründer und Gesellschafter): „Zuerst konnten wir nicht in China produzieren, wollten es in Deutschland produzieren, dann war im März die Produktion in Deutschland nicht mehr möglich … für einen Verlagsstart alles schwierig“. Schlussendlich hatte dann wieder China die Nase vorne. Im Spiel geht es darum, wieder Pflanzen und Tiere an einem Bach anzusiedeln und ihn so zu renaturieren. Bei Kyoto sitzen bis zu sechs Spieler am Tisch und verhandeln, wie bei der Konferenz in Japan, Klimaziele für die Erde. In jeder Runde stellt ein einer der Spieler eine Studie vor, wie der Planet zu retten sei, was Geld und auch Verzicht, etwa auf seinen lieb gewonnenen SUV, erfordert. Dass jeder gleichzeitig auch noch bestimmte Wirtschaftslobbys repräsentiert, macht die Sache nicht einfacher und das Scheitern der Konferenz kann schneller eintreten, als man annimmt. Bei dem satirisch angehauchten Spiel verliert der größte Geizhals. Dass die beiden ersten Spiele von Deep Print Umweltthemen haben, ist Zufall. Vor Kyoto hätte noch ein anderes Spiel erscheinen sollen. Aber Corona …

Zur thematisch unbeschwerteren Kost zählen diese Spiele:

  • My Farm Shop – obwohl die Versorgung durch regionale Lebensmittel ja auch hitzige ideologische Diskussionen auslösen kann. Jedenfalls bemühen sich 2 bis 4 Spieler in einem lieblichen Setting, ihren Bauernhof zu bewirtschaften und mit dem Verkauf am Markt mehr Geld zu erzielen als die anderen.
  • Aufstehen sollte man bei Ghost Adventure, einem kooperativen Geschicklichkeitsspiel: Jeder hält ein unterschiedliches Tableau in den Händen und ein Kreisel muss über bestimmte Routen von einem zum anderen. Es gibt 56 Missionen und verspricht großen Spaß.
  • Ohne Aufstehen und sich über den Tisch beugen geht es auch bei Micro Macro – Crime City nicht: Der Spielplan ist 0,75 x 1,1 Meter groß und ein schwarzweißes Wimmelbild mit vielen Gebäuden und noch mehr Menschen. Darunter sollen Täter und Verbrechensopfer gefunden werden. Lars Frauenrath von der Edition Spielwiese berichtete von den Schwierigkeiten, die Idee über mehrere Jahre hinweg geheim zu halten. Denn Wimmelbild und Suchrätsel miteinander zu verknüpfen, ist so genial einfach und leicht zu kopieren.
  • Keine Pegasus-Saison ohne Monster und Dungeons. Doodle Dungeon hat sich Ulrich Blum ausgedacht. Das Schreibspiel geht über drei Phasen. Zuerst zeichnet jeder (kartengesteuert) seine Wände, Monster und Schätze in sein Dungeon-Rasterblatt, gibt es an den linken Mitspieler weiter, der darauf einen Fluchtw einzeichnet, und zu guter Letzt kommt es zum Kampf zwischen „Zeichner“ und „Wegbeschreiber“. Dass für die Illustrationen John Kovalic (Munchkin) gewonnen wurde, wird das Interesse an dem Spiel unter Dungeons-Fans keinesfalls schmälern.

Spiele für Experten

Wechseln wir zur Abteilung Hirnschmalz. Da ist als Erstes Bonfire hervorzuheben, als weitere Kooperation zwischen Hall Games und Pegasus. Thema: Die magischen Bonfire sind erloschen, die Welt ist im Zwielicht versunken. Die Hüterinnen des Lichts warten auf Erlösung. Mechanismus: Nicht einer, sondern viele, die ineinander verzahnt sind. Sehr strategisch und sehr opulent von Dennis Lohausen in Szene gesetzt. „Der neue Stefan Feld“ ist übrigens jenes Spiel, für das Pegasus derzeit am meisten Interesse zur Lokalisierung in anderen Ländern besteht. Dabei sind für ein halbes Dutzend, darunter China und Korea, die Verträge bereits unter Dach und Fach, so Ralph Bruhn von Hall Games.

Zusammen mit dem finnischen Verlag Lautapelit bringt Pegasus eine überarbeitete Version von Eclipse, nunmehr mit dem Zusatz Das zweite galaktische Zeitalter heraus. Der Videovorstellung zufolge dürfte das Expertenspiel geschätzte drei Kilogramm wiegen. Zeitlich – 150 Minuten – spielt es in der gleichen Liga wie Siderische Konfluenz (Frosted Games), einem asymmetrischen Sci-Fi-Abenteuer für bis zu neun Spieler. Und wem Spirit Island noch immer eine zu leichte Herausforderung war, wird Anfang 2021 mit der Erweiterung Zerklüftete Erde endgültig auf die Probe gestellt.

20 Prozent Umsatzplus

Zum Abschluss noch einmal zurück zu Karsten Esser, Corona-Auswirkungen und dem Markt. Dass während der Pandemie trotz aller Widrigkeiten mehr gespielt wurde und wird, ist nicht nur ein Gefühl: „Wir verzeichnen im Vergleich zu den Vorjahresmonaten ein Umsatzplus von 20 Prozent“, verriet Esser, „und zwar von März an bis heute.“ Neben dem zuvor schon vorhandenen Aufwärtstrend fürs Gesellschaftsspiel habe Corona mit Sicherheit den überwiegenden Anteil an diesen erfreulichen Zahlen.

Der Lockdown und die Frage während der ersten Pandemiephase, wo man überhaupt Spiele (ver-)kaufen kann, führte zu völlig neuen Abläufen im Unternehmen. Notgedrungen wurde nicht nur ein Teil des Marketings verstärkt in Internet gelegt. Auch das „Scouting“ vielversprechender neuer Spieleideen wird virtuell organisiert: Ende Oktober folgen die zweiten „Designer Days“. Bei den ersten im Frühjahr stellten 181 Personen aus allen Teilen der Welt über 300 Ideen vor. Damit wurde Dutzende neue Erstkontakte geknüpft, die physisch, so Esser, sonst nie zustande gekommen wären.

Dass Pegasus einen guten Riecher dafür hat, was bei der Spielgemeinde ankommt, sollen drei letzte Details belegen, die der Geschäftsführer aus dem Nähkästchen plauderte. Der Kartograph, im Vorjahr auf der GenCon in Indianapolis entdeckt, verkaufe sich so gut wie ein aktuelles Spiel des Jahres – eine Metapher für mehrere Hunderttausend Stück – und  der Überraschungserfolg Kitchen Rush in der Größenordnung eines nominierten Spiels. Die eigenentwicklelte Reihe Undo wiederum, inzwischen in zahlreiche Länder in Lizenz vergeben, hat die 200.000er-Marke überschritten. Übrigens: Soeben ist mit Gipfel ohne Wiederkehr das siebte Spiel erschienen, bei dem die Zeit zurückgedreht werden muss um Menschenleben zu retten.

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