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"Hawaii war schon eine ganz schöne Tüftelei!"

JUBILÄUM.  Wie testet man in Corona-Zeiten mit dem Verlag seine Spiele? Sind neue Spiele in der Pipeline und wie feiert man den runden Geburtstag eines Megasellers? Klaus Teuber (Bild), Autor von Catan, das 25 geworden ist, in einem Kurzinterview.

  

Klaus Teuber (Bild) hat dieses Jahr in ungewöhnlicher Biografieform "Mein Weg nach Catan" beschrieben (LangenMüller/Kosmos). Darin erfährt man (fast) alles zu Catan. Dem Erfolgsspiel und seinem Schöpfer ist auch ein Schwerpunkt in "Spielspaß ’20", dem Jahrbuch für Spielbegeisterte, gewidmet. Begleitend dazu hat spielwiese.at-Herausgeber Arno Miller bei Klaus Teuber bei einigen Details noch nachgehakt. Beide kennen einander schon seit rund 30 Jahren. Deshalb wird das Gespräch auch in vertrautem Du wiedergegeben. Corona-bedingt fand es nicht, wie geplant, persönlich in Teubers hessischer Heimat statt, sondern per Telefon.

Klaus, wie hast du den 25. Geburtstag von Catan gefeiert?

(lacht). Eigentlich nicht. Wir hatten ja mehrere Aktionen geplant, aber das fiel ja wegen Corona alles aus.

Was hat dich am Erfolg von Catan am meisten überrascht?

Eigentlich, wie ich es im Buch beschreibe, als ich festgestellt hatte: Huch, die Verkaufszahlen gehen nicht runter, sondern sie gehen hoch. Das war für mich eine große Überraschung gewesen. Kosmos hatte damals noch einen kleinen Stand auf der Messe in Nürnberg, da hatte sich schon abgezeichnet, das geht nicht den üblichen Weg, weil die Vorbestellungen weitaus größer waren als üblich.

Ich kann mich noch gut erinnern, Kosmos war damals in der Szene noch keine Größe, am Stand war ein Spiel für die Händler aufgebaut. Worauf führst du zurück, dass die Reaktionen schon auf der Messe überdurchschnittlich waren?

Was ich im Nachhinein mitbekommen habe, gab’s wohl einige Journalisten, die von Reiner Müller (damaliger Spieleredakteur bei Kosmos, Anm.) schon vorab eines bekommen und sie es wohl schon gespielt hatten, und so kam es zu einer Art Mund-zu-Mundpropaganda und einem größeren Interesse. Ich kann es mir nur so vorstellen, denn anders als in Essen wird in Nürnberg ja nicht gespielt. Das war Reiner. Ich hatte ja schon vorher Spiele gemacht. Am besten lief Adel verpflichtet, das hatte sich pro Jahr dann halbiert, Barbarossa war im zweiten Jahr null. Von daher habe ich mir gedacht, das geht den üblichen Gang – und trotz „Spiel des Jahres“. Das war schon das Schlüsselerlebnis, als ich erfahren habe, der Verkauf hat sich zwar nicht verdoppelt, lag aber doch plus 50 Prozent im zweiten Jahr.

Wo, stellst du dir vor, liegt Catan? Oder gibt es einen Ort von dem du sagst, der kommt Catan nahe?

Das sind, und da war ich auch schon, die Azoren. Wenn man sich vorstellt, dass sich der Meeresboden ein bisschen stärker erhoben hätte an der Stelle und die Hauptinseln mit einem Kreis umschließt, dann hätte man Catan in meiner Vorstellung.

Bezogen für dein Faible für Geschichte: Es gibt eine Reihe von Szenarien mit realen Ländern, Städten, Regionen … Welches war dabei die größte Herausforderung Realität/Geschichte mit dem Catan-Mechanismus in Einklang zu bringen?

Es ist nicht so, dass ich mir was vornehme, sondern es kommt meistens von außen, über Erlebnisse oder wenn ich etwas gelesen habe. Beispielsweise zu Catan – Der Aufstieg der Inka, das war ein Bericht über ihre Kultur und die ganzen Vorgängerkulturen. Und da gilt es halt bestimmte kulturelle Eigenheiten anzupassen. Das Grundlegende von Catan ist ja intuitive Ernten, Handeln, Bauen – das haben alle gemacht, ob das die Chinesen, die Inka oder wer auch immer waren.

Und was den Spielplan angeht? Ein Wien Catan und ein Szenario Hawaii, das ist doch ganz etwas anderes …

Ja, weil du Hawaii erwähnst, das war von der geografischen Umsetzung die größte Herausforderung. Bisher waren es bestimmte Länder, hier mussten wir Inseln so in eine Kontur packen, dass sie mit den Hexfeldern einigermaßen erkennbar waren, auf der einen Seite, und auf der anderen mussten auch die spielerischen Notwendigkeiten – etwa: Wie viel gibt es von dieser Landschaft und wie viel von jener? – berücksichtig werden. Das war schon eine ganz schöne Tüftelei. Ich wollte eigentlich auch mal die Kanaren oder die Karibik machen, aber im Moment gibt es andere Dinge.

Wann gibt es wieder ein Nicht-Catan-Spiel von Klaus Teuber?

Wenn, dann gibt es eins von Benjamin und Klaus Teuber, weil die Entwicklung ist jetzt ein bisschen mehr bei meinem Sohn. Wir tüfteln natürlich gemeinsam und haben auch drei Spiele in der Mache.

Im Buch finden sich zahlreiche Überraschungen. Unter anderem erwähnst du, dass du seit 40 Jahren mit Freunden regelmäßig Doppelkopf spielst. Klaus Teuber und klassisches Kartenklopfen … irgendwie schwer vorstellbar.

Ja … warum nicht?! Doppelkopf ist für mich ein Spiel, das meine Spielentwicklung geprägt hat. Es hat natürlich Glücksmomente, hat aber auch viele kleine Rädchen, die man drehen kann. Und es ist ein kurzweiliges Spiel, es geht ja schnell, und am Ende setzt sich schon durch, wer mehr Erfahrung hat. Doppelkopf hat mich mein ganzes Leben begleitet. Ich habe ja auch geschrieben, dass ich’s bei der Bundeswehr gelernt hatte. Das war eine harte Schule!

Wir haben uns das letzte Mal auf der Spielwarenmesse Ende Jänner in Nürnberg getroffen. Da war die Welt bei uns nach in Ordnung, denn Wuhan war noch weit weg. Was war denn dein erster Corona-Moment und wie hast du die Pandemie bisher verbracht?

Als ich gemerkt habe, jetzt wird’s wirklich Ernst, war als wir unseren Urlaub einen Tag vorher abgesagt bekommen haben. Da hat’s zum ersten Mal so richtig in unser Leben eingegriffen. Dann haben wir uns im Prinzip eigentlich ganz gut arrangiert. Wir sind inzwischen in unserem Alter mit mehr Risiko behaftet, sind halt Fahrrad gefahren, haben Picknick gemacht und so weiter. Wir gehen auch in ein Gastlokal, aber in geschlossenen Räumen würden wir uns schon sehr unwohl fühlen.

Noch eins: Wir haben natürlich mit Kosmos weiter getestet, die neue Ergänzung Catan – Sternenfahrer für 5 und 6 Spieler, haben das aber übers Internet gemacht. Einer hat eine Kamera darüber aufgestellt und alles arrangiert, wie wir es vorgegeben hatten – das hat erstaunlich gut geklappt. Das war schon ein bisschen ein Highlight, muss ich sagen, weil so wieder eine gewisse Nähe zu Menschen entstand. Die fehlt halt in dieser Zeit … auch die Doppelkopf-Runden mussten wir leider absagen. Aber das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau.

Hauptsache gesund!

Ja!

Bild: Catan.de

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