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Viren – Für Spiele ein altes Thema

SPEZIAL.  Die Gewöhnung an bestimmte Vorschriften paart sich mit zunehmender Langeweile. So kann man jetzt ausgiebig darüber streiten, ob man sich in der Coronakrise ausgerechnet auch noch spielerisch mit Viren auseinandersetzen will. Fakt ist: Wer diesen und vielen anderen biologischen Bedrohungen am Spieltisch zu Leibe rücken möchte, hat eine erstaunlich große Auswahl an Spielen. spielwiese.at stellt sie vor.

 

Bevor einer unkt: Natürlich ist uns der Unterschied zwischen Viren und Bakterien bekannt. Da es aber Spiele gibt, bei denen nicht eindeutig ist, gegen welche Art der biologischen Bedrohung man kämpft, haben wir das Spektrum erweitert.

Besonders treffend: Das Spiel Pandemie

So ist zum Beispiel bei Pandemie (2008 bei Pegasus erschienen, seit 2014 bei ZMAN unter dem internationalen Titel Pandemic im Vertrieb von Asmodee) nur allgemein von vier tödlichen Seuchen und Infektionen die Rede. Es ist jedoch keine Frage, dass damit auch Viren gemeint sind. Es ist wohl die eindringlichste Umsetzung des Themas in ein Brettspiel. Nicht nur vom Titel her passt Pandemie wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge in die Gegenwart. Auch das Spielgeschehen kommt der Realität gespenstisch nahe: die 2 bis 4 Spieler müssen bei diesem Kooperationsspiel nichts weniger als die Welt retten. Entweder sie besiegen die vier Seuchenstämme, die sich als kleine Würfel über eine Weltkarte ausbreiten, oder die Menschheit geht unter. Die Suche nach geeigneten Medikamenten, die Arbeit von Wissenschaftlern und Seuchenteams, die Versorgung von Städten – all das wird bei Pandemie hervorragend simuliert.

Pandemie war 2009 zurecht zum Spiel des Jahres nominiert (gewonnen hatte den Preis dann Dominion), auch spielwiese.at lobte den realitätsnahen Spielmechanismus und die vereinigende Wirkung auf die Spieler und vergab die Höchstnote. Im Laufe der Jahre, weil das Originalspiel ein globaler Bestseller wurde, erschienen mehrere Erweiterungen, die den Kampf gegen eine Pandemie zum Teil noch beklemmender in Szene setzen.

Erreger sammeln

Irgendwie musste das Thema vor zwölf Jahren schon in der Luft gelegen sein. Im selben Jahr veröffentlichte auch der Hamburger Verlag Weltquartett sein Quartett Seuchen. Wie mittlerweile jeder mitbekommen hat, gibt es mehr potenzielle tödliche Bedrohungen durch Viren, Bakterien und Parasiten (auch sie kommen im Quartett vor), als noch vor kurzer Zeit angenommen. 2016 reichte es jedenfalls für der Verlag aus, ein Quartett Seuchen II mit weiteren 32 Erregern auf den Markt zu bringen. Warten wir ab, wie lange es dauert, bis eine dritte Ausgabe, dann inklusive SARS-CoV-2, fällig ist.

Gehen wir nochmals fünf Jahre weiter zurück, landen wir bei einem Spiel namens Kampf der Kulturen (Sphinx) von Greg Turner. Hier haben wir es eindeutig mit Bakterien zu tun. Das Spiel aus dem Jahr 2003 schlägt den Bogen zur Laborarbeit der Wissenschaftler, die uns derzeit täglich in den Fernsehnachrichten begegnet. Gespielt wird in einer Petrischale, nur die Bakterien hier sind nicht echt. Ziel es abstrakten Zweipersonenspiel ist es, seinen eigenen Bakterienstamm mächtiger zu entwickeln als der des Gegners.

Ebenfalls für zwei Spieler ist Microworld, das 2016 bei Heidelberger auf Deutsch erschienen war. Ein Legespiel, das die Vorgänge im Körper simuliert. Auf der einen Seite haben wir die Viren, welche versuchen sich zu vermehren und die Kontrolle über die Körperzellen zu übernehmen. Auf der anderen Seite stehen die Antikörper, die darauf reagieren und die Aggressoren im Zaum halten wollen. Auch das kommt uns doch aus den Nachrichten sehr bekannt vor … Die zwei Spieler müssen versuchen verschiedene Gewebe zu kontrollieren, indem sie Gruppen aus miteinander verbundenen Zellen bilden und Spezialfähigkeiten einsetzen. Ganz alleine mit der Verbreitung bzw. Bekämpfung von Viren auseinandersetzen kann man sich bei dem Denkspiel Anti-Virus. Je nach Version sind 48 oder 60 Knobelaufgaben zu lösen und Erregerketten auf dem kleinen Spielbrett zu positionieren. Das Spiel ist von Smart Games und war zuvor einmal bei Jumbo und einmal bei Huch.

Aus Spanien, wo es ein Renner ist (oder angesichts Corona war?), hat Game Factory vergangenen Herbst das gemeine Kartenspiel Virus! importiert. Spielerisch erinnert Virus! stark an Drecksau. Beschreibung: „Die Viren sind los: Stelle dich der Pandemie und kämpfe darum, als Erster einen gesunden Körper zu besitzen. Ethisch oder nicht, um dein Ziel zu erreichen ist dir jedes Mittel recht.“

Aus der Zeit gefallen

Ja, ethisch oder nicht … Die Ansicht darüber kann sich sehr schnell ändern. Auch fürs nächste Spiel, Viral von Corax Games, ziehen wir deshalb bewusst zuerst die Beschreibung des Verlages heran. Dort heißt es: "Viral ist ein kniffliges Spiel auf gehobenem Kennerspielniveau mit absolut unverbrauchtem Thema. Jedes Spielelement liegt unter eigener Kontrolle und man wird nur durch die Interaktionen der Mitspieler beeinflusst. Das Spiel ist durch seine Eventkarten sehr variabel und weist eine hohe Wiederspielbarkeit auf. Das heikle Thema wird bewusst flappsig und mit viel Ironie umgesetzt und das Spiel wird dadurch zu keiner Zeit respekt- oder pietätlos.“ Letzteres wäre wohl ratsam zu überarbeiten, und dass das Thema „absolut unverbraucht“ sei … da haben die Leute aus Merseburg 2017 einfach schlecht recherchiert. Unter anderem hatte Zoch schon 2002 Virus & Co veröffentlicht und ebenfalls mit witzigen Illustrationen und Texten dem Ernst den Zahn gezogen. Die Spieler versuchten bei dem Kartenspiel Viren abzuwehren und anderen auf den Hals zu hetzen. Zurück zu Viral: Die 2 bis 5 Spieler handeln als Viren und haben ihren ersten Patienten infiziert. Jetzt müssen sie sich schnell ausbreiten, mutieren und möglichst viele Organe befallen. Die anderen Viren (Spieler) haben das gleiche Ziel, es folgt also ein strategischer Verdrängungswettkampf.

Mehr in die Realität zurück holt uns da die zweite Mission der Asmodee-Reihe T.I.M.E.-Stories, nämlich Der Marcy-Fall. Bei der Reihe geht es darum, in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu reisen, um Rätsel zu lösen und den Weltenlauf zu ändern. Marcy ist ein 17-jähriges Mädchen in einer amerikanischen Kleinstadt und der Schlüssel, eine Seuche zu stoppen.

Viren und Horror – eine geläufige Kombination

Vorzugsweise ebenfalls in amerikanischen Kleinstädten handeln Spiele, in denen Zombies ihr Unwesen treiben, weil Viren zu Mutationen geführt haben. Die ehemalige Zombies!!!-Reihe bei Pegasus ist ein Paradebeispiel dafür. Im 12. Spiel Zombie-Zoo wurde der Schrecken noch dadurch getoppt, dass das Virus nun auch den örtlichen Zoo befallen hat und die ebenfalls mutierten Tiere ausbrechen. Neueren Datums, von 2019, ist Dawn of the Zeds. Frosted Games hat bis auf den Titel alles eingedeutscht und es gilt hier, die amerikanische Kleinstadt Farmingdale von dem unbekannten Erreger zu befreien, der die Bewohner in grausame zombieartige Monster verwandelt. Bei Nach dem Virus, 2017 im Verlag Schwerkraft auf deutsch erschienen, ist der Horror um vieles weiter vorangeschritten: Durch ein Virus wurden bereits 90 Prozent der Erdbevölkerung ausgelöscht. Die meisten Überlebenden haben sich in Zombies verwandelt, während die übrigen schwach und hilflos umherirren. Auch hier müssen 1 bis 3 Spieler das nackte Überleben der Menschheit sicherstellen.

Seuchen und Computer

Kommen wir zu Spielen, die einen allgemeineren Zugang zur Thematik haben. Selbstredend tauchen Seuchen, Viren und Bakterien in Quiz- und Ratespielen auf, wie etwa bei Anno Domini – Gesundheit bei Abacus/Fata Morgana oder Black Stories – Medizin Edition bei Moses. Von Moses stammt auch das Kartenspiel Fieber (2017) von Tom Schoeps. Kein „Corona-Spiel“, aber deshalb in dieser Übersicht vertreten, weil Fieber ja eines der verräterischen Symptome ist. Die Spieler sind Ärzte, die versuchen die Temperatur eines Patienten in den Griff zu bekommen. Soweit, so „real“. Den Rest wollen wir freilich im wahren Leben nicht verwirklicht sehen. Bei Fieber stehen sich die Ärzte nämlich gegenseitig im Weg, um die Heilung für sich als Erfolg zu reklamieren. Nehmen wir’s mit Humor, dieser soll ja bekanntlich auch eine Medizin sein.

Und dann gibt es ja auch noch Computerviren. Schon sehr früh, 1994, hat MB den elektronischen Befall und seine Folgen mit dem „elektronischen Abenteuerspiel“ Der Omega-Virus thematisiert (und, sic!, schon damals meinten einige, ein Virus sei männlich). Typisch für die Zeit, wurde mit heute läppisch anmutender Elektronik in Brettspielen herumgedoktert. Viele werden sich an ihre Kindertage erinnern. Eigentlich konnte die „Elektronik“ nicht mehr, als Spielzüge akustisch kommentieren und die Stimme aus dem Off die Spieler mit Warnungen in Erregungszustand halten. Worum ging es genau? An Bord einer Raumstation im Jahre 2051 übernimmt ein Computervirus die Kontrolle mit dem Ziel, die Erde zu zerstören. Die Spieler müssen es mit Herumschieben vieler bunter Plastikmännchen unschädlich machen.

Nicht unerwähnt lassen wollen wir stellvertretend für viele andere Spiele Rattus (Huch, 2012), Totentanz (2005) und Der Schwarze Tod (1993, beide Sphinx), Village (2011, Eggertspiele/Pegasus) oder auch Die Tore der Welt (2009, Kosmos): Sie sind alle im Mittelalter angesiedelt und einer der gemeinsamen Nenner sind die Folgen durch das Bakterium yersinia pesti, besser bekannt als Erreger der Seuche mit dem Namen Pest.

Beschließen wollen wir diese Übersicht mit einem Kinderspiel, das zwar hektisch, aber nach all den aufgelisteten Schreckensszenarien versöhnlich harmlos ist. Bacteria Hysteria. Die Kinder sammeln Karten mit unterschiedlichen Bazillen, wenn sie die dazu passenden Bakterien würfeln. Der erfolgreichste Bazillensammler gewinnt. So einfach kann ein Spiel mit einer Thematik sein, die uns derzeit alle in Bann schlägt.

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