• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Wie Menschen ticken, die für uns Spiele machen

BUCH. Ein neues Buch nimmt uns mit 16 Porträts von „Spielemenschen“ mit auf eine Entdeckungsreise von der Idee bis zum fertigen Spiel und was danach noch alles damit geschehen kann. Abwechslungsreich, lesenswert!

 

„Um Brettspiele zu verstehen und Leidenschaft für sie zu entwickeln, muss man sie spielen. Und das wäre nicht möglich ohne die Menschen, mit denen wir sie spielen. Dieses Buch ist für diese Menschen.“

Aus dem Vorwort. Zitat Ende.

16 Menschen, die darüber hinaus beruflich mit Spielen verbunden sind, stehen im Mittelpunkt des neuen Buches „Zeit für Brettspiele“. Längst nicht alle Berufe sind vertreten, die für den Weg von einer Idee bis zum fertigen Spiel im Laden involviert sind. Aber die meisten. Stefan Feld zum Beispiel als Autor, der unter anderem über Spielmechanismen erzählt. Michael Menzel als einer der bekanntesten und aktuell erfolgreichsten Illustratoren. Er hört während seiner Arbeit nebenbei Hörspiele und Filme stellt sich gleichzeitig die Szenen dazu vor. „Gamer bleiben und trotzdem erwachsen werden“, überschreiben Johannes Jaeger und Jan Cronauer ihr Kapitel. Als Hunter & Cron waren sie federführend bei der Etablierung von Spielevideos und Jaeger fungiert außerdem als Verleger und Spielefestveranstalter und, und, und … Als Spieleredakteure kommen Britta Stockmann (Huch), Stefan Brück (Alea) und Ralph Querfurth (Kosmos) ausführlich zu Wort. Manchmal vermischen sich auch die Aufgaben. Der Portugiese Nuno Bizarro Sentiero etwa ist Autor, Pressechef von What’s Your Game und des portugiesischen Spielefests Leiria. Michael Schmitt wiederum betreibt ein Spielecafé und einen Spieleladen in Berlin und kann die Familie, wie er berichtet, erst richtig ernähren, seit er auch Spiele verlegt.

Das Buch gibt ein rundes Bild ab, worauf es alles ankommt, wenn man sich (ernsthaft) mit Spielen beschäftigt. Besonders spannend ist der Einblick, den Luke Crane aus New York gibt. Er verantwortet den Bereich Spiele bei der Crowdfunding-Plattform Kickstarter.

Im Vorwort heißt es, bei den Porträtierten handle es sich um „Gesprächspartner“. Nun, geschrieben sind die 16 Beiträge in der Ich-Form. Das irritiert dann doch da und dort. Welche Vorgaben gab es? Was waren die Fragen? Wurden die Beiträge in eine Richtung gelenkt?

Darüber lässt uns das Buch im Dunkeln. Der sehr unterschiedliche Stil lässt vermuten, dass die Porträtierten ausgiebigen Spielraum hatten. So berichtet der eine detailverliebt, mal ist es eher geschäftsmäßig. Das kann auch sehr erhellend sein, wenn, wie Dirk Meineck seinen Job als Vertriebsleiter Spieleproduktionsservice und den Werdegang von ASS Altenburger schildert, wo heute jährlich mehrere Millionen Spiele hergestellt werden.

Auf jeden Fall kommt viel Persönliches beim Leser an. Auch wenn, wie mehrfach angedeutet und bedauert wird, das Business sei professioneller und dadurch härter geworden, die Leidenschaft für das Medium Spiel ist bei allen zu spüren.

Die Texte sind mit vielen Bildern angereichert, die Felix Gebhard eigens für das Buch aufgenommen hat. An der Qualität gibt es nichts zu kritisieren. Leider, das muss man sagen, wissen bei sehr vielen nur Insider der Spiele-Community wirklich etwas damit zu anzufangen. Es fehlen nämlich jegliche Beschreibungen. Nichts desto Trotz: Wer immer schon ein bisschen mehr darüber wissen wollte, wie ein Spiel eigentlich entsteht und wie die Leute ticken, die hinter Spielen stehen, ist bei „Zeit für Brettspiele“ richtig.

 

Jörn Morisse, Felix Gebhard: „Zeit für Brettspiele – 16 Porträts“, Ventil Verlag UG, Mainz 2019, 176 Seiten, gebunden, 28,00 €, ISBN 978-3-95575-119-7

Der Autor Jörn Morisse ist Kulturwissenschaftler und Amerikanist und arbeitet als Agent, Lektor und Übersetzer. Felix Gebhard ist Fotograf und Musiker. Beide leben in Berlin.

 

 

Besucher, die diesen Artikel lasen, lasen auch:

 

  • Ventil Verlag UG
    spielwiese.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internet-Seiten

 


Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .