Meinung

Spielwarenmesse: Highlight-Splitter

Selten war eine Spielwarenmesse so unspektakulär wie in diesem Jahr. Nicht, dass es an vielversprechenden neuen Spielen mangeln würde …

 

31. JÄNNER 2020 – Tag 3

Coronavirus, auch in Nürnberg ein Thema. Denn in der Halle 11 sind Hunderte kleine chinesische Spielzeugproduzenten konzentriert. Die meisten Besucher machen einen Bogen um die Halle, anstatt sie als Abkürzung auf dem Weg von Halle 10 zu Halle 12 zu nutzen. Fast alle Asiaten auf der Messe tragen eine Schutzmaske, und von Tag zu Tag werden es auch unter den anderen Besuchern mehr. Auch wenn man der Halle 11 ausweicht, ein ungute Gefühl bleibt.

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Das Augenfälligste dieses Jahr ist die hohe Schutzmaskendichte.

 

Die Schutzmaskendichte sowie überall aufgestellte Hygieneseifenspender buchstäblich das Augenfälligste der Spielwarenmesse in diesem Jahr. Natürlich, es wimmelt geradezu an offensichtlich gut gemachten neuen Spielen. Eine klassische Wertung all der Neuheiten wäre zum jetzigen Zeitpunkt jedoch unseriös. Denn auf der Messe konnte ich erst etwas mehr als eine Handvoll Spiele wirklich testen.

Stattdessen habe ich ich mir pro (größerem) Verlag jeweils ein Spiel oder einen Punkt herausgesucht, das bzw. der besonderes   Augenmerk auf sich zog. Das ist auch keine Wertung von gut oder weniger gut, kein Anspruch auf Vollständigkeit, weshalb ich es einfach alphabetisch nach Verlagen durchgehe:

  • Abacus – Eine turbulente Aufgabe wartet für Partytiger oder alnderen, die unbedingt Zerstreuung suchen, bei Fringers. Wahllos streift man sich bunte Ringe über die Finger und am Ende müssen alle die gleichen Ringe an den gleichen Fingern haben. Dazu darf immer nur ein Ring pro Runde an den nächsten weitergegeben werden.
  • Amigo – Was viele freuen wird: Das ehemalige Ravensburger-Spiel Verflixxt! erlebt hier eine poppige Neuauflage.
  • Asmodee – Hier weiß man nicht, wo anfangen. Das Sortiment des Spielemultis und der vielen angeschlossenen Marken ist einfach zu groß. Belassen wir es heute mit etwas Unerwartetem: Sherlock Holmes Criminal Cabinet, eines der ersten Spiel des Jahres-Preisträger und damals kein Renner, erlebt im Zuge der Exit- und Crime-Welle in neuer Form nach 35 Jahren Wiederauferstehung.
  • Drei Hasen in der Abendsonne – Von Talo führt die kleine fränkische Spieleschmiede einen neuen zusätzlichen Spielplan ein, der "verbotene" Felder beinhaltet. So erfährt Talo wahlweise ein völlig anderes Spielgefühl.
  • Game Facrtory – Das neon-grellen Ausscheidungsspiel Nope reiht sich in die Welt von Mau Mau und Uno ein, allerdings mit umgekehrtem Ziel: Nicht Karten los werden, sondern als Letzter noch Karten zu haben. Ein großes Karten-hin-und-her.
  • HCM Kinzel – Irgenwo zwischen Simon und Twister: Es gilt bei Tap it! farbige Buzzer, die im Raum verteilt werden können, in bestimmter Abfolge zu drücken. Der Clou dabei: sie sind "wireless", wie das auf neudeutsch heißt, miteinander verbunden und gesteuert.
  • Heidelbär – Spicy, ein Kartenbluffspiel für 2 bis 6 Spieler ist jetzt als eine der ersten Neuerscheinungen des (wiedergegründeten) Verlags da.
  • Helvetiq – Beim Kartenspiel Captain Bluff wissen nicht immer alle, was welche Passagiere sich verbergen, die bereitgestellte Flieger besteigen sollen. Wer seine Zweifel hat, dass ein Mitspieler richtig angelegt hat, kann den Wahrheitsbeweis fordern. Bluffen geht dann kräfitg ins Auge. Flott!
  • Huch – viele, viele Neiheiten, aber als besonderer Leckerbissen gibt es von Caylus eine überarbeitete neue Version als Caylus 1303.
  • Jumbo – Großes kommt im Herbst, vorläufig schwimmt Jumbo mit drei kleineren Spielen auf der Schreibspielwelle.
  • Kosmos – Reiner Knizia kann ja alles. So auch Legacy. My City ist eine betont familientaugliche Form des Spielprinzips, dass sich mit der Zeit alles verändert und in jeder Runde neue Voraussetzungen schafft.
  • Logis – Der litauische Verlag mit seinen farbenfrohen Kinderspielen dreht bei Snail up! einmal den Spieß um: Bei dem Laufspiel gewinnt nicht der Schnellste, sondern der Langsamste. Schneckentempo, eben. Da werden sich die Kinder einbremsen müssen.
  • Moses – Der Verlag hat bereits bisher einige Schreibspiele, wie beispielsweise das ausgezeichnete Calavera, jetzt kommt auch zu Sebastian Fitzek – Safehouse eine Roll-and-write-Variante hinzu.
  • Nürnberger – Von Reinhard Staupe gibt es in der Gelben Reihe ein neues Lernspiel, allerdings mit einem überraschenden Anliegen. Es geht darum, ein Gefühl für Zeit und Geschwindigkeit zu bekommen. Wir sind die Roboter, heißt das Spiel, und es muss eingeschätzt werden, wie lange ein "Roboter" auf seinem Skateboard braucht, um bestimmte Strecken hinter sich zu lassen.
  • Pegasus – Es ist schlichtweg entzückend und ein Eyecatcher mit stimmiger Umsetzung: Honey. Bienen fliegen über eine Wiese mit aufragenden Blütenkelchen. Zuerst müssen Honigtropfen in eine der Blüten gegeben werden, um an anderer (würfelabhängigen) Stelle einen Kelch ausleeren zu dürfen, um so als Erster seinen Honigtopf zu füllen. Kinderspiel? Richtig. Die haben die Hessen ja auch. Für Pegasus gilt wie für die anderen Verlage: Mehr über das gesamte restliche Programm an anderer Stelle, zu anderer Zeit auf spielwiese.at
  • Piatnik – Der Kartenspezialist kann auch Würfel. Als da wäre zum Beispiel in diesem Jahr Space Taxi. Wie schon der Name andeutet, geht's mit der Rakete nur dann ins Weltall, wenn man die wenigen Sitze mit den passenden Würfeln besetzenkann.
  • Ravensburger – Blick in den Herbst 2020: Da beginnt das blaue Dreieck eine neue Partyspielserie und greif für eines der Spiele einen Fernsehklassiker auf. Bei Dinner for one schlüpft man in die Rolle des Butlers und bedient Miss Sophie und ihre Gäste. Nur: Es wird zunehmend schwieriger, weil man von Runde zu Runde in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt wird. Zur Verschärfung sind auch kleine Plastikgläser im Spiel, damit das Ganze auch mit echtem Alkohol gespielt werden kann.  Skol, Miss Sophie!
  • Schmidt – Schon optisch mit seinem Esoterik-Look sticht Perfect Match aus der Masse. Es geht darum, als Gruppen möglichst übereinzustimmen. Dazu gibt es eine Art Stellwerk, auf dem mit einem Schieber die eine Gruppe etwas auf Skala – vereinfacht gesagt zwischen Gut und Schlecht – einen Wert einstellt, diesen dann durch eine Schiebemaske verdeckt und die andere versucht, den Wert zu treffen. So oder so: ein Hingucker!
  • Zoch – Da bockt der Bär ist die große Frühjahrsneuheit. Ein Laufspiel, bei dem man sich aussucht, mit welchem Tier man unterwegs ist, denn Maus, Ziege und Bär haben unterschiedliche (Lauf-)Fähigkeiten. Im typischen Zoch-Style.

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Einen klaren Trend konnte ich auf dieser Spielwarenmesse immer noch nicht entdecken. Und allen Kollegen, mit denen ich gefachsimpelt habe, ist es gleich ergangen.

Wobei mir eines dann doch auffällt: Es gibt eine Reihe von neuen Spielen, bei denen nonverbale Konversation angesagt ist. Also, ohne miteinandern zu sprechen, soll gemeinsam ein bestimmtes Ziel erreicht oder eine Aufgabe gelöst werden. Yokai bei Game Factory als Beispiel, oder Contact bei NSV, jenem Verlag, der mit The Game und The Mind in diesem Bereich schon sichtbare Spuren hinterlassen hat. Ob sich daraus ein ähnlich starker Trend ergibt, wie vor wenigen Jahren mit den Schreibspielen, den ebenfalls NSV mit Qwixx losgetreten hat … schau'n wir mal.

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Bis zum Frühjahr, wenn die meisten Spiele nicht nur als Dummys auf der Messe stehen, sondern lieferbar und spielbar sind, werden sich die Nebel lichten. Dann kann auch ernsthafter als heute die Frage beantwortet werden, was 2020 angesagt ist. Im „Spielspaß ‚20 – Das Jahrbuch für Spielbegeisterte“ wird das dann aufbereitet sein. Das Jahrbuch erscheint Ende Mai.

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