Meinung

Spielwarenmesse: Nicht erst seit Greta Thunberg …

Die vergebliche Suche nach einem Trend, eine bemerkenswerte Zahl, coole Autos, Unkenrufe und Dementi zu Zoch. Tag 1 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg.

29. JÄNNER 2020 – Tag 1

Ich weiß, es ist ungewöhnlich und wenig prickelnd, quasi mit einer Nullmeldung zu beginnen. Auch nach mehr als drei Jahrzehnten regelmäßigen Besuchs der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg sind der Reiz des Neuen und die Spannung gerblieben: Was wird mich (auf Anhieb) begeistern? Lange Pause. Bisher nichts. Freilich ist erst etwa ein Viertel der Spieleverlage abgeklappert und mehrere Großkaliber stehen noch aus.

"Bei Zoch bleibt alles beim Alten."

 

Auch nach allem, was von den anderen Verlagen bisher angekündigt wurde: Ein bestimmter Trend oder  d i e  zündende Idee, der überraschend andere Spielmechanismus waren bisher noch nicht entdeckt. Vielmehr pflegen, beispielsweise Kosmos und Ravensburger, ihre etablierten Marken und Serien mit einer Reihe von Erweiterungen und Spin-offs.

Doch noch ist nicht aller Messetage Abend.

*****

Die eine und andere Überraschung findet sich auf Nebenschauplätzen. So etwa bei Goliath. Der Verlag ist (bei uns) mit Hau-drauf-Spielen für Kinder und Partyspielen bekannt und groß geworden. Das Feld klassischer Famiienspiele war anderen überlassen worden. Bisher. Im Frühjahr erscheint dort Carcata von Roberto Fraga. Aufwendig werden Kartonteile zu einer Insel aufgestapelt, auf deren Spitze sich ein Vulkan befindet. Der spuckt nicht nur Lava, die die Spieliguren verschlingt, wenn man zu falschen Zeit am falschen Platz steht, sondern auch Edelsteine, die es zu sammeln gibt. Als Thema auch nicht neu (ganz im Gegenteil: Inselvulkane erleben gerade Massenverbreitung bei den Verlagen), aber sehr eindrucksvoll gemacht. Und – entgegen dem Megatrend – einmal nicht kooperativ. 

***** 

Nicht erst erst seit Greta Thunberg steht Nachhaltigkeit im Fokus. Verschiedene Spielehersteller legen Wert auf Material, das einen grünen Grundgedanken vermittelt. Mit "Made in Germany", "Holz aus Deutschland" oder ähnlichen Signalen auf der Packung da oder dort wird schon seit Längerem unterstrichen, dass sich genau dieses Produkt von der Masse unterscheidet, die in der Regel in China produziert und dann in Containerschiffen über die Weltmeere nach Europa transportiert wird. Oder nehmen wir Bioviva … der französische Spieleverlag, dessen Spiele eine Zeitlang bei uns von Carletto vertrieben wurden, trägt die Botschaft nicht nur um Namen, sondern zeichnet sich auch dadurch aus, dass bei den Produkten rundum nach "grüner" Philosophie verfahren wird.

Naturgemäß treffen entsprechende Fragen, wie man es denn mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz handhabt, zuallererst Hersteller von Kunststoffspielzeug. Etwa Lego. Bis 2030 sollen alle Lego-Steine aus nachhaltigem Kunststoff sein, wurde in Nürnberg verkündet. Und da ist in diesem Zusammenhang eine Zahl besonders interessant: Nach Untersuchungen von Lego werden 97 Prozent aller Lego-Steine entweder ein Leben lang behalten oder weitergegeben. Andersrum: Nur drei Prozent „verschwinden" irgendwohin. Auch Mattel macht sich Gedanken und annonciert sich als schneller als der Konkurrent: Mega Blocks, Mattel-Tochter und hinter Lego Nummer 2 am Weltmarkt bei Konstruktionssteinen, hat erste Linien auf nicht näher definierten „Biokunststoff" umgestellt.

*****

Noch ein paar Blicke über den Telllerrand der Brettspieler, in Zusammenhang mit Lego. Weil's das verspielte Kind im Manne interessiert. Nach Porsche 911 GT3 RS und Bugatti Chiron wird es von Lego Technik ab 1. Juni einen Lamborghini Supersportwagen im Maßstab 1:8 geben. Noch weniger Details wurden zu einem weiteren Männerspielzeug verraten: Zum Kinostart des neunten Fast & Furios-Films im Mai wird es ebenfalls ein in Lizenz ein "cooles Auto" geben. Schon bald zu haben gibt es einen mit App zu steuernden Rallyewagen in Kooperation mit der BBC-Marke "Top Gear".

*****

Zurück zu den Spielen. Für heute als Letztes ein Blick nach Fürth, Nürnbergs Nachbarstadt und Heimat des Simba-Konzerns samt Spielemarken Noris und Zoch. Gerade was die Zukunft von Zoch betrifft, äußern in der Branche viele Leute ihre besorgten Gedanken. Konzernsprecherin Isabel Weishar, seit diesem Jahr explizit als Presse-Ansprechpartnerin für Zoch zuständig, beruhigt auf spielwiese.at-Nachbohren den Rumor. "Bei Zoch bleibt alles beim Alten". Vier Neuheiten in diesem Frühjahr geben der Aussage Unterfutter, vielmehr noch ein nach wie vor eigener Verlagskatalog.

Wovon für Noris nicht mehr die Rede sein kann. Von außen betrachtet erfolgt 2020 eine Degradierung: Das Noris-Sortiment findet sich nunmehr in einem gemeinsamen Katalog mit anderem Simba-Spielzeug. Denn auch unter dem Label Simba wurden und werden Spiele für den Massenmarkt produziert, sollen aber über kurz oder lang, so Isabel Weishar, in die Marke Noris übergeführt werden. Spieleneuentwicklungen sollen überhaupt nur noch unter Noris laufen – ausgenommen jene, die Zoch-typisch sind.

Jedenfalls ist unter dem Simba-Dach vieles im Fluss. Ob sich die Unkenrufe bewahrheiten, bleibt abzuwarten.


Was denkst du darüber? Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  – Mehr über die Regeln, was veröffentlicht wird, was nicht, findest du hier


Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .